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Zum Dokument “Strategische Ausrichtung und Planung des DARC bis 2025”

 

von Ralf Sürtenich / DO3RSA

28.03.2014

 

Eigentlich eher per Zufall bin ich über das Dokument des DARC-Vorstandes gestolpert, stellte dann beim Lesen fest, dass es einige interessante Aussagen enthält. Der DARC begreift sich offensichtlich nun zunehmend wie ein Unternehmen, dass sein Geschäftsfeld und seine Strategie neu definieren muss.

Die Situation des Mitgliederbestands des DARC als auch der Alterstruktur des Amateurfunks sind ja schon ohne Zahlen offensichtlich, wenn ich den Funkrunden auf dem einen oder anderen Relais auf VHF oder UHF lausche.

Auch die Zahl der Amateurfunkzulassungen in Deutschland fällt jährlich um 1.000 bis 2.000, ähnlich die Zahl der vergebenen Rufzeichen. Dabei kann in den kommenden Jahren noch nicht mal ein linearer Verlauf unterstellt werden, sondern die “Alterspyramide” der Funkamateure wird zu einer deutlich stärkeren Abnahme führen. Also ist eine grundsätzliche strategische Neuausrichtung absolut notwendig.

Die Aussage im Dokument, dass “nur der Amateurfunk die nach wie vor noch vorhandene Bereitschaft befriedigen kann, sich mit dieser Technik zu befassen”, ist irgendwie unvollständig, aber scheint mir mit der vermutlich beabsichtigten Aussage nicht ganz die Realität zu erfassen. Für den technische interessierten und versierten Anwender bieten PC's, Smartphones und neuere Anwendungen und Plattformen wie Smart Home, Cloud Computing, Digital Media etc. praktisch unbegrenzte Möglichkeiten, sich auszutoben. Da ist der Amateurfunk nur eines von tausend Angeboten. Und ich bin sicher, dass weitaus mehr junge Technikfreaks sich mit dem Flashen von Smartphones oder dem Brennen von IMEI's beschäftigen als mit dem Amateurfunk. Wenn es um weltweite und drahtlose Kommunikation geht, so bieten z.B. Skype, Viber, Whatsapp als Kommunikationsmedien und gleichzeitig Social Collaboration Plattformen einen derart hohen Komfort und damit Attraktivität, dass der Amateurfunk hinterherhinkt. Auch dass muss man mal sagen: der Amateurfunk ist nicht an der technologischen Spitze. Selbstverständlich gibt es eine Vielfalt von digitalen Verfahren und Anwendungen, aber hier lautet mein Ressümee: zu langsam und zu wenig. Die digitale Voice-Kommunikation im Funk zeigt das ganze Dilemma: D-STAR und DMR bei den Amateuren, auch TETRA, Tetrapol und APCO P25 aus dem Bündelfunk kommend, alles Insellösungen, vieles kaum verbreitet, zu viele proprietäre Protokolle (als Beispiel AMBE), auch der PC- und softwareorientierte Anwender kann damit nicht viel anfangen. Möglicherweise als Lichtblick FreeDV/Codec2, wenn sich denn eine breitere Anwenderbasis finden würde. Vielleicht sind die zahlreichen Artikel und Vorträge zum Raspberry Pi im Amateurfunk ein Hinweis darauf, wo sich der Amateurfunk zukünfig wieder finden kann: SDR Transceiver, frei programmierbare und konfigurierbare Hardwareplattformen, modular aufgebaute Lösungen, Vernetzung über das Internet.

Damit laut DARC-Papier im Jahre 2025 60% der DARC-Mitglieder unter 40 Jahre alt sind – und das betriff ja praktisch bei dem Organisationsgrad im DARC generell die Funkamateure in Deutschland - ist eine Revolution und keine Evolution notwendig. Wenn es heute keine 1.000 neue Lizenzen p.a. in Deutschland sind, dann werden wir in 10 Jahren eher noch bei erteilten 50.000 statt heute 75.000 Lizenzen liegen, deren Inhaber dann im Durchschnitt deutlich über 60 sein werden. Dann ist der Amateurfunk zu einem aussterbenden Rentner- und Pensionärshobby geworden. Um dem entgegenzuwirken, müssen kurzfristig jährlich mindestens 5.000 neue Lizenzen erteilt werden. Der DARC hat in seinem Papier keine absoluten Zahlen genannt, aber der Zielkorridor für 2025 müsste bei über 100.000 Lizenzen in Deutschland liegen. Und das erfordert eine Revolution. Dazu muss auch das ganze Lizenz- und Frequenz-/Betriebsartszuordnungssystem neu ausgerichtet werden. Und zwar nicht mittel- bis langfristig, sondern kurzfristig. Wenn der hardwareorientierte Selbstbau als immer noch geltende klassische Ideal-Vorstellung des Amateurfunks von einer software- und anwendungsorientierten Amateurfunkwelt abgelöst wird, muss das sich auch in den Lizenzen und den Prüfungsanforderungen wiederspiegeln. Wo SMD-Bestückung und hochintegrierte IC's die heutige Hardware abbilden, wird auch die Beschäftigung mit Kondensatoren und Widerständen fragwürdig. Stattdessen ist es vielleicht wichtiger, sich in einem Linux-System zurechtzufinden und Amateurfunkanwendungen konfigurieren zu können. Unsere Gesellschaft hat sich ja von einer Industrie- zu einer Dienstleistungsgesellschaft gewandelt, auch der Radio- und Fernsehtechniker früherer Zeiten hat sich überholt. Es ist auch nicht mehr der “Radiomann”-Baukasten, der auf dem Wunschzettel des technikbegeisterten Kindes steht, sondern ein Tablet mit Android oder IOS. Dem muss der Amateurfunk Rechnung tragen, wenn er in der Breite überleben und am Ende nicht nur aus “Contest-Jägern”oder anderen hochspezialisierten Amateuren bestehen will.

Natürlich wird ein solch einschneidender Wandel von vielen Funkamateuren ungern vollzogen oder sogar abgelehnt. Da bleibt dann nur an eine Toleranz zu appellieren, die eine noch größere Bandbreite an Amateurfunkaktivitäten respektiert, als wir sie heute schon haben. Die Frage ist: wollen wir, dass es auch in 50 Jahren noch Funkamateure gibt, die dann vom persönlichen Profil und von den benutzten Anwendungen her ganz andere Funkamateure sind als wir heute, oder soll alles so bleiben wie es ist, bis der letzte Key silent ist?

Ob der DARC und der Amateurfunk in Deutschland diese Revolution schaffen, wage ich gar nicht zu beurteilen. Aber zumindest die Diskussion darüber und der Wille, es versuchen, sollte uns die Sache wert sein.