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Ortsverband Forst/Lausitz (Y27)

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Die Forster Stadteisenbahn - im Volksmund "Schwarze Jule"

Nach der Eröffnung der Eisenbahnlinien Cottbus - Forst - Sorau (Zary) und der Strecke Forst - Weißwasser in den Jahren 1872 bis 1891 nahm der Umschlag, besonders an Kohle und anderen Rohstoffen, unzuträgliche Ausmasse an. Alles wurde per Pferdefuhrwerk in die Fabrikhöfe befördert. Die Lösung dieses Transportproblems war die Einrichtung einer Stadtbahn, die den Tranport über ein Schienennetz innerhalb der Stadt organisierte. Das Gleisnetz wurde mit einer Spurweite vom 1000 mm gebaut und dekte alle Standorte der Fabriken (fast alles Tuchfabriken) in der Stadt Forst(Lausitz) ab. Die herkömmlichen Waggons der Deutschen Reichsbahn mußten auf sogenannte Rollböcke gebracht werden, was unmittelbar am Bahnhof Forst im Anschluß Stadtbahn erfolgte.

8. Mai 1893 - Betriebseröffnung der Forster Stadteisenbahn

1.1.1920 - Die Stadteisenbahn wird städtisches Eigentum

1926 - Eine Spedition wird angegliedert

1943 - Die Stadteisenbahn wird durch den Anschluß des städtischen Omnibusverkehrs "Forster Verkehrsbetriebe"

1945 - Die Stadt Forst war fast zu 50% zerstört - Hilfe zum enttrümmern gab die Stadtbahn. Aufgebaute Kästen auf den Rollböcken dienten zur Beladung und Transport in das Neißevorland.

Anfang 1946 - über 2000 Waggons mit Kohle und über 700 Waggons anderer Güter wurden befördert. Ständig waren 100 Wagen für den Transport mit Schutt eingesetzt. 8 Lokomotiven (siehe Fotos) waren zu dieser Zeit im Einsatz und 56 Beschäftigte hatte die Stadtbahn.

1962 - Die Forster Stadtbahn beförderte über 220 000 t Güter. Der Aufbau des VEB Kraftverkehr machte jedoch die Stadtbahn immer mehr zum Hindernis. Per LKW wurden immer mehr Güter direkt in die Betriebe befördert.

31.8.1965 - Der Kreistag der Stadt beschließt die Einstellung des Betriebes der Stadtbahn. Zwischen 14 und 15 Uhr dampfte der letzte Zug der Stadtbahn durch die Neißestadt. Das Aussehen der eigentümlichen Lok verhalf ihr den Namen "Schwarze Jule" und ist ein Unikum unter den Schmalspurbahnen. Sie gehört, neben dem Rosengarten und dem Wasserturm, zum Wahrzeichen der Stadt Forst(Lausitz).

Ein wenig Statistik: Im sog. Stadtbahnhof, unmittelbar in nördlicher Richtung, neben dem Bahnhof Forst, betrug das Regelspurgleis ca. 2000 m mit 13 Weichen und 3 Rollbockgruben. Daran schloss sich das Schmalspurnetz mit der Spurweite von 1000 mm an. Es hatte eine Gesamtlänge von ca. 17 km und es wurden bis 1914  80 Fabriken mit 261 Einzelfirmen angeschlossen. Bis 1934 kamen immer mehr dazu. Die Streckenlänge wurde auf 24 km mit 113 Weichen erweitert.                                                                      Bis zu 50 Wagen wurden täglch von der Staatsbahn übernommen und entsprechend der Bedienungsfahrt zusammengestellt. Innerhalb der Stadt waren die Gleise ringförmig verlegt, sodas  gleichzeitig mehrere Bedienungsfahrten durchgeführt werden konnten. Einen "Fahrplan" gab es nicht, es wurde nach Bedarf gefahren. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 8 km/h und in Gleisbögen nur 4 km/h. Eine durchgehende Bremsleitung gab es nicht. Die Lok war mit zwei Angestellten besetzt. Der Lokführer und der Zugführer, dieser war für Rangierarbeiten und die Sicherung der Fahrt innerhalb der Strassen von Forst zuständig.

Nach der Stilllegung der Stadtbahn im Jahr 1965 wurden die Anlagen demontiert und überwiegend verschrottet. Die Lok mit der Nummer 36 kam in das Verkehrsmuseum Dresden und konnte von den Besuchern angesehen werden. Die vorhandenen Gleisanlagen der Stadtbahn wurden von der Deutschen Reichsbahn übernommen und dienten als Anschluss- und Abstellgleis.

Es dauerte bis zum 27.07.2012 bis die Lok Nr. 36 nach Forst zurückkehrte. Untergebracht im Gerätehaus der Forster Feuerwehr wird sie regelmäßig gewartet.

Zum Jubiläum 2018 soll sie, wenn die entsprechenden Mittel zur Verfügung stehen, ihren entgültigen Standort am Textilmuseum Forst in der Sorauer Strasse erhalten.

 

Fotos: Sammlung H.Unger (DL6UHA)

Die Fotos sind in der Frankfurter Str. , unmittelbar vor der Firma "Alfred Schönborn" gemacht worden. Hier kann man erkennen wie die Waggons der Deutschen Reichsbahn auf den Rollböcken standen. Die Entladung der geleiferten Waren war direkt vor dem Firmengebäude. Im viertem Bild die Besatzung der "Schwarzen Jule", 1 Lokführer und der Zugführer (verantwortlich für die sichere Fahrt in den Straßen von Forst und die Bereitstellung/Abholung der Waggon)