Warum
Funkamateur ?
Um diese Frage erschöpfend zu
behandeln, könnte ich wohl
stundenlang schreiben. Um aber in Kürze darauf einzugehen, benutze
ich als
" roten Faden " meinen Werdegang zum Funkamateur:
Begonnen hat alles damit, daß ich mir ein Kofferradio kaufte, mit
dem ich
(zufällig) auch Amateurfunk hören konnte ( 1969 ). Da
unterhielten sich mir
unbekannte Menschen über ihr Hobby, und einmal war von einem
Treffen die Rede.
Ich beschloss, dorthin zu gehen und " fing Feuer "! Es wurde ein
Lehrgang zur Vorbereitung
auf die
Lizenzprüfung angeboten und ich machte mit. Ungefähr ein
halbes Jahr später war
es dann soweit: Ich bestand die Prüfung zur C - Lizenz, erhielt
das Rufzeichen
DC1XW und kaufte mir ein gebrauchtes und
umgebautes Taxifunkgerät, damals noch mit Röhren.
Endlich durfte ich mich mit den Leuten, die ich ja schon lange
gehört hatte,
auch unterhalten! Mit dem kleinen Gerät ging das auf UKW (
2m-Band), besonders
am Abend über ein Relais ( DB0XH ), und ich lernte viele
Funkamateure - zunächst nur per Funk - später
auch persönlich kennen, die mir mit Rat und Tat beim Aufbau meiner
Station
behilflich waren.
Viele Nächte gingen so im Gespräch dahin, und nicht selten
graute schon der
Morgen, bevor ich mich endlich von diesem interessanten Spielzeug
losreißen
konnte.
Begeistert hörte ich Berichte von erfahrenen Funkamateuren, die
von
Verbindungen zu anderen Funkamateuren in anderen Städten, anderen
Ländern, ja
sogar anderen Kontinenten ( auf Kurzwelle ) berichteten. Aber mit
meiner C -
Lizenz ging es natürlich nicht so weit ( damals gab es noch keine
Amateurfunksatelliten). So versuchte ich erstmal,
das Beste aus meiner Lizenz zu machen ,kaufte mir ein gebrauchtes SSB -
Gerät
für 2m und baute mit Hilfe einiger OM eine drehbare Richtantenne
auf. Nun hatte
ich ( bei guten Bedingungen ) einen Radius von bis zu 2000 KM! Ich
konnte quer
durch Europa mit anderen Funkamateuren sprechen, und manchmal ging es
bis in
den Mittelmeerraum!
Doch ich wollte noch weiter. Etwa 1970 hatte ich die C -Lizenz gemacht,
und
1984 gelang es mir, die Morseprüfung zu bestehen und unter meinem
jetzigen
Rufzeichen DL3XU in die Luft zu gehen. Bald konnte ich einen
gebrauchten
Kurzwellentransceiver erstehen und nach Aufbau eines Vertikalstrahlers
( GPA 5
) und einer Langdrahtantenne stand mir die Welt offen. Innerhalb von
nur zwei
Wochen hatte ich alle fünf Kontinente erreicht und fühlte
mich jetzt endlich
als voll zugehörig, als Mitglied dieses völkerverbindenden
Hobbys.
Dann hörte ich eines Tages, wie Funkamateure sich ueber RTTY (
Funkfernschreiben ) unterhielten: Wieder etwas Neues! Ich sprach sie
an, liess
mich informieren, besuchte einen Funkamateur und liess mir seine
Station
vorführen. Schliesslich erstand ich einen ausrangierten RTTY -
Converter,
schloss ihn an meinen C 64 an und siehe da - ich konnte auch
schriftliche
Nachrichten mit anderen Funkamateuren austauschen! Auch gelang es mir,
kommerzielle Stationen, die Nachrichten an alle ( z.B.: Wetterberichte
)
sendeten, mitzuschreiben. Wieder hatte ich einen neuen Aspekt unseres
so
vielseitigen Hobbys kennengelernt.
Dann kam Packet Radio auf, also eine ähnliche, aber schnellere und
sicherere
Betriebsart, um schriftliche Nachrichten auszutauschen, und ein Modem
sowie
Software fuer meinen C 64 mussten her. Daß ich nun mit diesem
kleinen Computer
Nachrichten aus aller und in alle Welt lesen und senden konnte,
fasziniert mich
noch heute. ( Inzwischen habe ich mir einen PC zugelegt, mit dem das
Ganze noch
etwas komfortabler geht! ). Aber es gibt ja noch so viele
Möglichkeiten im
Rahmen des Amateurfunks, sich zu entfalten, die ich noch nicht
ausprobiert
habe:
1.) Viele machen die Lizenz nur, um legal mit Sendern experimentieren
zu
können, und sagen gar nichts auf den Baendern.
2.) Du kannst auf den UKW - Bändern Satellitenfunk in andere
Länder und
Kontinente machen, und das sogar
mit relativ kleinen Anlagen.( auch ....MS....) ( EME = Erde-Mond-Erde
Verbindungen, wobei der Mond als Reflektor benutzt wird und MS =
Meteorscatter, wobei Meteoritenschauer als
Reflektoren benutzt werden ).
Für MS- oder EME-Verbindungen brauchst Du allerdings gute Antennen.
3.) Stehende Bilder lassen sich in SSTV oder FAX per Funk
übertragen.(ein Bild
wird Zeile für Zeile übertragen)
4.) Bewegte Bilder ( sogar in Farbe ) in ATV ( = Amateurfunkfernsehen
),
inzwischen (2009) sogar digital
5.) Du kannst QSL - Karten und Diplome sammeln(QSL = schriftliche
Bestätigung
für eine Verbindung )
6.) Dich sportlich bei Fuchsjagden betätigen( Fuchsjagd =
Veranstaltung im
Freien, wobei Sender im Gelände
versteckt werden, die ich mit Hilfe eines Empfängers finden
muß) neuerdings auch "Geocaching" = mit
GPS-Empfängern Standorte finden
7.) an Contesten und Fielddays teilnehmen ( Fieldday = im Freien Funken
= es
werden Masten, Zelte und Funkstationen draußen
aufgebaut und innerhalb einer vorgegebenen Zeit heisst es,
möglichst viele Verbindungen zu anderen Stationen zu
tätigen, wobei der benötigte
Strom
selbst - über einen Generator - erzeugt werden muss )- ( Contest =
kann auch
von einer Feststation = 230 V-Netz
gefahren
werden)
8.) Dich in Telegrafie mit der Morsetaste betätigen( CW =
internationale
Sprache = in der Telegrafie gibt
es einen internationalen Schlüssel, den jeder
Kurzwellenfunkamateur zur Prüfung bis vor Kurzem beherrschen
mußte, und
damit kann ich mich mit Funkamateuren aus allen Ländern
unterhalten, selbst wenn zwei Partner keine gemeinsame "normale"
Sprache
haben ! )
9.) das gesellige Beisammensein ( im OV oder im DARC ) geniessen oder
auch
gestaltend eingreifen( OV =
Ortsverband; DARC = deutscher Amateur Radio Club )
10.) Dich in fremden Sprachen üben ( per Funk )
11.) Ausbreitungsbedingungen erforschen ( + Wetterbeobachtung )
12.) automatische Stationen betreiben ( z.B: Relais, Digipeater,
Mailboxen,
Satelliten usw.)
und, und, und..............
Und in letzter Zeit ist auch im Amateurfunk der Computer immer mehr auf
dem
Vormarsch.
In unserem Multimedia-Zeitalter - bei immer mehr Vernetzung, auch am
Arbeitsplatz - gibt mir dieses Hobby spielerisch die Möglichkeit,
meine
Kenntnisse zu erweitern und so " am Ball " zu bleiben .
Fast alle eben aufgeführten Betriebsarten lassen sich mit dem PC
verwirklichen.
Und fast alles, was der PC kann, lässt sich auch drahtlos
über Funk in alle
Welt uebertragen.
Heute - im Jahre 2009 - kann ich mit dem PC weltweit Amateurfunk
machen, ohne
ein Funkgerät und ohne eine Antenne haben zu müssen:
Über Echolink ! (im
Internet). Die Lizenz ist aber auch dafür erforderlich.
Außerdem gibt es inzwischen digitale Relais ( D-Star ) auf den
Bändern 144 MHz
und höher, die zum Teil eine Gatewayanbindung haben. Das bedeutet,
ich kann z.B.
mit einem kleinen Handfunkgerät ein solches Relais ansprechen und
mich darüber mit
anderen Relais in Deutschland, Europa und der Welt verbinden lassen.
Allerdings brauche ich
dafür Geräte, die D-Star-tauglich sind.
Und es gibt eine riesige Menge an Software für alle möglichen
Anwendungen im Rahmen des Amateurfunks, vom einfachen
QTH-Locator-Berechnungsprogramm bis hin zu Programmen, die Satelliten
automatisch ( unter Steuerung der Antennen) verfolgen können - ein
riesig weit gefächertes Gebiet von Anwendungen im Rahmen unseres
Hobbys, und täglich kommt Neues hinzu !
Natürlich kannst Du Dich auch darauf beschränken, von zu
Hause aus einfach nur
allem - auch den Rundfunksendern der Welt - zuzuhören ( SWL ).
Dazu brauchtest
Du noch nicht einmal eine Lizenz.
Viele Funkamateure arbeiten in technischen Betrieben und treiben dort
die
Entwicklung voran, z.B. bei DESY, NASA usw. Wenn Du also einen Job in
diesen Branchen
suchst, ist eine Amateurfunklizenz sicher kein Nachteil.
Was aber fuer mich persönlich einer der interessantesten Aspekte
meines Hobbys
ist: Über dieses Medium kannst Du schnell Freunde in aller Welt
gewinnen. Das
fängt im eigenen Wohnort an: Über Funk kannst Du Menschen aus
allen Schichten,
aus allen Berufen und mit den verschiedensten Interessen kennenlernen
und Dich
mit ihnen anfreunden. Wohin Du auch kommst auf der Welt, überall
gibt es
Funkamateure und überall bist Du als solcher willkommen, auf allen
Kontinenten
unserer Welt, und immer hast Du Ansprechpartner, die Dir gern
weiterhelfen,
ohne Ansehen von Nationalität, Weltanschauung, Religion oder
Ähnlichem.
Jeder Funkamateur wird Dir berichten können von Kontakten, die
sich aus einem
ersten Gespräch zu einer engen Verbindung, ja vielleicht
Freundschaft
entwickelt haben, sei es im gleichen Wohnort oder zu Funkamateuren in
fernen
Ländern. Hast Du das einmal selbst erlebt, dann hat der Virus Dich
infiziert,
dann wirst Du Dein Leben lang mit Freude Funkamateur sein.
Wenn alle Menschen so offen und vorbehaltlos miteinander umgehen
würden, wären
wir schon ein Stückchen weiter in der friedlichen menschlichen
Entwicklung. Wir
Funkamateure können jeder fuer sich ein wenig dazu beitragen, weil
unser Hobby
über alle Grenzen geht.
Und deshalb bin ich froh (und ein
bißchen stolz), dazu zu gehören.
Außerdem: Welchen Weg Du im Rahmen unseres Hobbys auch
bevorzugst, um mit der
Welt in Verbindung zu sein - immer wieder faszinierend ist: Du kannst
von
Deinem Schreibtisch aus Verbindungen in alle Welt pflegen ! Und das
extrem
preisgünstig !! - Heute sagt man wohl: Echt cool !!!
Und wie wir Funkamateure sagen : 73 ( = herzliche Gruesse ) es ( = und
) 55 ( =
viel Erfolg ) de ( = von ) Winni, DL3XU@darc.de