Historie
Auf dieser Seite
findet Ihr die Geschichte unseres OV und die eine oder andere Anekdote aus
vergangenen Zeiten. Die damit verbundene Arbeit ist sehr umfangreich und
zeitaufwändig, so dass erst nach und nach alles Wissenswerte und noch
weitere Fotos veröffentlicht werden können.
Für den
Anfang ist hier die gut gelungene Festschrift aus dem Jahre 1985
wiedergegeben. Damals feierte unser OV sein 50-jähriges Bestehen. Originale
aus dieser Zeit sind nicht mehr erhältlich. Ein Nachdruck kann jedoch über
den OVV bezogen werden. Außerdem steht
hier eine PDF-Version
zum Download bereit (ca. 5,5 MB).



Grußwort
der Stadt Mönchengladbach
Dem Ortsverband
Mönchengladbach-Rheydt im Deutschen Amateur-Radio-Club gilt zum 50jährigen
Bestehen unser herzlicher Glückwunsch.
Wir widmen dem
Jubiläum diese Zeilen besonders gern. Die Mitglieder, Freunde des
weltumspannenden Funkverkehrs, spüren auf eine spezielle Weise, was Freiheit
bedeutet. Informationsfreiheit ist doch die Voraussetzung von Freiheit
schlechthin: Die freie Mitteilung der Gedanken, so erkannte das
revolutionäre Frankreich vor 200 Jahren, ist eines der kostbarsten Güter.
Die Rheydter Amateurfunker haben sich also Interessen und Zielen von hohem
Rang verschrieben.
Vor diesem
Hintergrund steht in der Praxis die Beschäftigung mit der Technik, die
Überwindung des Raumes, die Beobachtung von Zeit und Wetter, die
Auseinandersetzung mit physikalischen Gegebenheiten, nicht zuletzt die
Bewältigung der Schranken, die staatliches Reglement und Umwelt dem Hobby
setzen.
Wir zögern nicht,
den Funkfreunden zu bescheinigen, dass sie den Amateurstatus mit der
Beherrschung dieser Anforderungen eigentlich längst hinter sich gelassen
haben. Wir haben es also auch nach den Realitäten mit einer anspruchsvollen
Liebhaberei zu tun.
Wir wünschen dem
Verein besonders, dass er seinen Mitgliedern immer noch mehr Rückhalt,
Erfahrungsaustausch und Fortbildung vermitteln kann.
Die Stadt
Mönchengladbach ist stolz auf diesen Verein und sein Jubiläum. Sie will den
Funkamateuren Rheydt mit Aufmerksamkeit, Respekt und freundlicher Förderung
begegnen.
Feldhege
Freuen
Oberbürgermeister Oberstadtdirektor

Deutscher Amateur-Radio-Club e.V. Distrikt Nordrhein

Grußwort
Als sich vor über
50 Jahren am faszinierenden Amateurfunk interessierte junge und ältere
Funkfreunde im Raume Mönchengladbach-Rheydt zu einem Ortsverband
zusammenschlossen, war eine schwere, politisch unsichere Zeit. Offiziell war
nur sehr wenigen Funkamateuren eine aktive Ausübung des Amateurfunks
gestattet. Im so genannten "Großdeutschen Reich" gab es nur sehr wenige
Kurzwellenamateure mit der begehrten Sendegenehmigung. Diese weltoffenen
Funkamateure konnten ja über alle Grenzen hinweg ihre Kontakte pflegen, sie
konnten viel zu viel hören, was dem Regime nicht passte.
Ob man will oder
nicht, man muss daran denken, dass ein "linientreuer" Konteradmiral
Präsident des damaligen deutschen Amateurfunkverbandes war, dass
Sendeversuche auf UKW verboten waren, dass alle Funkverbindungen
kontrolliert wurden und dass man sogar zwei Jahre nach Gründung des
Ortsverbandes Mönchengladbach-Rheydt das berüchtigte "Schwarzsendergesetz"
erließ. Der Besitz und Bau von Amateurfunksendeanlagen war damit verboten.
Man konnte sich nur treffen und darüber sprechen, was man eigentlich gerne
tun wollte und für die Zukunft planen....
Wir können nicht
dankbar genug sein, dass wir heute Amateurfunk frei und uneingeschränkt,
auf vielen Bändern, sogar über eigene Satelliten, ohne Grenzen und
gesetzlich zugelassen und geschützt betreiben können. Bei einem solchen
Jubiläum ist Gelegenheit gegeben, an alte Zeiten und Ereignisse zu erinnern
und auch alter Freunde zu gedenken.
Dem Deutschen
Amateur-Radio-Club e.V., Ortsverband Mönchengladbach-Rheydt gelten unsere
herzlichsten Grüße zum 50jährigen Jubiläum, verbunden mit den besten
Wünschen für eine weitere freundschaftliche und aktive Entwicklung des
Ortsverbandes.
Im Namen des
Distriktsvorstandes
Eberhard Warnecke
DJ8OT
Distriktsvorsitzender - DARC Distrikt Nordrhein

Grußwort DARC Ortsverband
Mönchengladbach-Rheydt
Der DARC - Ortsverband
Mönchengladbach - Rheydt kann in diesem Jahr auf sein 50jähriges Bestehen
zurückblicken.
Als der OV
gegründet wurde, zählte ich erst 6 Lenze und hatte vom Funk noch keine
Ahnung. Aber Dr. Leopold Pomp, der als einziger aus dieser Zeit unserem OV
angehört, übte sich bereits in diesem schönen Hobby. Die Jahre vergingen,
der zweite Weltkrieg riss große Lücken in den Reihen der Funkamateure in
aller Welt. Dann kam der normale Alttag wieder, und man fing von vorne an.
Als ich 1947 meine Frau kennen lernte und bei meinen Schwiegereltern ein-
und ausging, fing ich Feuer, und das kam so: Für uns junge Leute gab es
damals noch nicht viel Vergnügliches. Ich hockte daher oft bei meinem
Schwiegervater, der sich schon lange der Radio-Bastelei hingab. Bei ihm
lernte ich, einen Kondensator von einem Widerstand zu unterscheiden. Es
dauerte aber noch bis 1952, ehe ich etwas vom Amateurfunk erfuhr. In der
Firma Froriep, bei der ich damals beschäftigt war, lernte ich einen Kollegen
kennen, der als Funkamateur Mitglied unseres OV war. Durch Unterhaltungen
mit ihm bekam ich Interesse am Amateurfunk und wurde schließlich zum
Morseunterricht mitgenommen, der in dem Keller eines abgebrannten Hauses in
Odenkirchen stattfand. Doch nach einiger Zeit verschwand der Besitzer des
Kellers, und die Sache hatte zunächst ein Ende.
Im Jahre 1955 wurde
unsere Tochter Waltraud geboren. Dadurch bekam ich mehr freie Zeit, weil
sich meine XYL viel unserer Kleinen widmete. Damals lernte ich Ulrich Ruske
(DJ3ZV) kennen. Wir haben den OV dann im Laufe der Jahre hochgepäppelt. Was
seit dieser Zeit alles geschah, hat OM Johannes Bock (DJ4RK) in mühevoller
Kleinarbeit zusammengetragen.
Ich wünsche dem OV
weiteres Wachsen und Gedeihen und allen Funkfreunden so viel Freude an
unserem gemeinsamen Hobby, wie ich sie bisher gehabt habe und sicher noch
haben werde.
So bleibt mir nur
noch, den beiden Chronisten, OM Dr. Leopold Pomp (DL3DD) und OM Johannes
Bock (DJ4RK) meinen herzlichen Dank auszusprechen sowie allen Helfern, die
dazu beigetragen haben, das Fest möglich zu machen. Mein Dank gilt aber auch
allen Funkamateuren, die dem OV Mönchengladbach-Rheydt zur heutigen Größe
verholfen haben.
vy 73 Walter Vitz,
DJ4RL

So fing es an...
von Dr. Leopold Pomp,
DL3DD
Zweifelsohne gibt es
Dinge, die noch längere Zeit zurückliegen, etwa ein Ereignis, welches zu
Lebzeiten Kaiser Wilhelms stattfand: Ich meine die denkwürdige Tat Thomas
Alva Edisons, der in die von ihm erfundene Glühbirne eine weitere Elektrode
einfügte und auf diese Weise die Diode schuf. Und auch Lee de Forest ist
schon lange tot, der 1910 die Gitterröhre erfand, mit der dann die Neuzeit
der Funktechnik begann und das graue Altertum der Löschfunkensender und
Hochfrequenzmaschinen überwunden wurde. Nein, meine Historie beginnt in
jenen Jahren um 1927, als ich als Knäblein in kurzen Hosen bereits jene
langen, parallel gespannten Drähte bewunderte, Antennen genannt, die sich
schon damals über einigen Mönchengladbacher Gärten und Hinterhöfen im Winde
wiegten. Meine Eltern kannten damals einen Ingenieur, welcher zusammen mit
einem Fotografen an der Bismarckstraße einen kleinen Laden betrieb. In
seiner Hälfte, den hinteren Räumen, konnte ich nun erstmals geheimnisvolle
große schwarze Kästen bewundern, mit zahlreichen Drehknöpfen versehen, und
wenn man den Deckel öffnete, erblickte man fünf, sechs, sieben oder gar acht
Röhren, deren Heizfäden magisch leuchteten.
Mir wurde bedeutet, dass
es sich hier um "Superheterodyne-Empfänger" handelte, und allein schon
dieses Wort war geeignet, andächtige Bewunderung auszulösen. Letztere war
nur noch dadurch steigerungsfähig, dass man erfuhr, wie mit diesen
Wunderkästen Sender aus dem fernen Amerika, Schenectady zum Beispiel,
empfangen werden konnten. Aber auch kleinere, oft pultförmige Geräte gab es
zu sehen, oben schauten 2 bis 4 Röhren in die frische Luft, sie besaßen nur
2 oder 3 Drehknöpfe und auch die wunderschön anzusehenden Luftspulen waren
draußen angebracht. Hier handelte es sich um einfache und auch etwas
preiswertere Geradeausempfänger, die nicht für Schenectady, sondern
allenfalls für Droitwich und Königswusterhausen reichten. Trotzdem waren
meine Eltern - rückständig und fortschrittsfeindlich wie Eltern nun einmal
sind - nicht zu bewegen, solch ein technisches Wunderwerk für das traute
Heim zu erwerben. Schließlich lebten wir nicht in Berlin, wo bereits am
29.10.1923 aus dem Vox-Haus die erste Rundfunksendung den Äther erfüllte,
sondern in der tiefen Provinz, am linken Niederrhein. Da mussten erst noch
Leon Deloy in Nizza auf der einen, Fred Schnell und John Reinartz auf der
anderen Seite des Atlantiks mit Hilfe kurzer Wellen (für unsere heutigen
Anschauungen waren sie recht lang) den großen Teich überqueren, und da
musste vor allem noch sehr viel Wasser die Niers hinab fließen, bis zu
Beginn des neuen Jahrzehnts der große Hit geboren wurde: der Loewe mit der
Dreifachröhre, dem dann auch meine Eltern nicht widerstehen konnten. Der
Erfolg dieses Gerätchens wurde später nur noch vom V E (Volksempfänger) und
D K E (Deutscher Kleinempfänger, als "Göbbelsharfe" besser bekannt)
übertroffen.
Nachdem nun die Technik
in die provinziellen Wohnzimmer eingedrungen war, nimmt es nicht wunder,
dass sich ein immerhin nicht kleiner Teil der damaligen Jugend ihr
verschrieb. Auf den jeweiligen Schulhöfen konnte während der Pausen
festgestellt werden, dass selbst Schüler der unteren Klassen damit begannen,
alte Röhren, Luftspulen, Dreh- und Festkondensatoren sowie Widerstände zu
tauschen. Am wichtigsten war es, für einen Kopfhörer zu sparen, dann war die
größte Hürde überwunden; denn einen Kristalldetektor konnte man für eine
halbe Reichsmark bei Woolworth erstehen und auch Spulen und
Hartpapierdrehkos waren erschwinglich.
Wenn dann die Antenne
hoch und lang genug war, konnte mit dem leicht zusammengebauten
Detektorempfänger abends im Bett genussvoll mindestens der Ortssender
abgehört werden. Trotzdem fühlte sich jeder von uns magisch zum Röhrengerät
hingezogen, auch wenn es nur eine einzige RE 054, RE 034 oder gar die
Doppelgitterröhre RE 074 d war, die nur eine geringe Anodenspannung
benötigte. Denn bei den teuren Anodenbatterien handelte es sich um die
Kostenlawine, die jeden kleinen Schülergeldbeutel erschüttern musste.
Diesem Alptraum machte erst der Fortschritt in Form der Wechselstrom-,
Gleichstrom- und Allstromröhren ein Ende, nun konnten die armen Radiobastler
endlich aufatmen.
Aber zugleich mit diesen
Atemzügen endet auch meine Rahmenerzählung; denn in jenen Jahren um
1932/1933 hatte sich in Mönchengladbach etwas entscheidend Neues ereignet:
Es gab da einige Jünglinge, die noch die Schulbank drückten und einige alte
Marinefunker aus den Jahren des ersten Weltkriegs. Ihnen lag nicht
Radiobasteln am Herzen, ihre Interessen richteten sich auf die kurzen
Wellen, und sie wollten nicht nur hören, was dort zu hören war, sondern auch
- man höre und erschrecke - auch senden! Dass bereits 1927 der DASD
gegründet wurde, nachdem ihm schon andere, meist örtliche Funkvereine
vorangegangen waren, hatte sich noch nicht bis Mönchengladbach
herumgesprochen, aber es waren - bildhaft gesagt - die letzten Sekunden vor
Sonnenaufgang. Friedrich Wilhelm Kaulen hieß damals der Aktivste aus der
jungen Garde, und Hans Twick war sein eifrigster Mitspieler. Zu den Männern
der ersten Stunde gehörten noch Ludwig Arrenbrecht, der bereits dem
Schüleralter entwachsen war, sowie die alten Marinefunker Worms und
Schmitz-Lenders, letzterer aus Viersen, wo er viele Jahre Geschäftsführer
der Niersverbandes war und im Sommer 1982 im Alter von 86 Jahren verstarb.
Unsere beiden Jünglinge Friedrich Wilhelm Kaulen und Hans Twick hatten
allerdings den 1. Weltkrieg nicht nur zur Erlernung des Morse-Alphabets
nutzen können, sie mussten dies im Do-it-yourself-Verfahren nachholen. Hans
Twick hatte eine besonders originelle Methode entwickelt, er übersetzte
seitenlang Zeitungsartikel schriftlich in Striche und Punkte, entsprechend
den Morsezeichen (den modernen Didakten der Morsekunst sträuben sich sicher
alle Haare), aber es klappte trotzdem, und die letzte Vervollkommnung wurde
dann durch fleißiges Abhören der Morsesendungen im selbstgebauten Empfänger
erreicht. Nun waren dem Tatendrang keine Grenzen mehr gesetzt - man schrieb
das Jahr 1933 - und im Äther erschienen die in eigener Machtvollkommenheit
verliehenen Rufzeichen D4BKX (Friedrich Wilhelm Kaulen) und D4HPH (Hans
Twick). Lange konnte so etwas nicht gut gehen, und
es
ging auch nicht gut.
Station von Dr. Hans Twick
ex D4VGH
im Jahre 1935
Die Polizei erschien auf dem Plan und räumte gründlich auf mit diesem Spuk.
Vor dem Schlimmsten bewahrt wurden die beiden Sünder durch OM Arrenbrecht,
der wie oben erwähnt, einige Jährchen älter und reifer war und seine
Beziehungen einsetzte. Und nun ging man den Weg der Legalität, trat dem DASD
bei und besuchte einen damals sehr aktiven Kurzwellenamateur, Peter Tolles
in Krefeld-Oppum, und seine Lebensgefährtin (in jenen Zeiten "Haushälterin"
genannt) Frieda Blum.
Ob es der Erwerb weiterer
Kenntnisse auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnik oder eher das Studium der
von Peter Tolles gekelterten Stachelbeer- und Johannisbeerweine war, was die
zahlreichen Fahrten von Mönchengladbach nach Krefeld-Oppum mittels Eisenbahn
oder auch Fahrrad so reizvoll machte, möge dahingestellt bleiben.

Station von Hans Twick D4VGH
im Jahre 1938
Mit der Technik hatte OM
Tolles nicht ganz selten einige Probleme und es wird berichtet, wie es ihn
wunderte, dass nur ein geringer Teil der in seinem Sender erzeugten
Leistung die Antenne und dementsprechend andere Funkfreunde erreichte.
Unvergessen sind jedenfalls die Erlebnisse Gladbacher Oldtimer, denen OM
Tolles die in seinem Funkraum aufleuchtenden Glimmlampen vorstellte mit der
stolzen Erklärung: Seht ihr, das ist Hochfrequenz!! Eine unverwechselbare
Persönlichkeit war Peter Tolles zweifellos, Inhaber der DE Nr. 1306 und mit
dem Rufzeichen D4KGH wohl der erste Lizenzträger am linken Niederrhein,
während seine Haushälterin Frieda Blum erst etwas später die DE Nr. 1954
erwarb. Nachdem er den 2. Weltkrieg überlebt hatte, stellte er sich 1948
noch einmal der Lizenzprüfung und erhielt in jenem denkwürdigen März 1949
das Rufzeichen DL1JL. Als der Verfasser dieser Zeilen 1954 beruflich nach
Krefeld verschlagen wurde, stand ein Besuch bei Peter Tolles
verständlicherweise schon in den ersten Tagen auf dem Programm, und siehe
da, von jenen Geräten aus grauer Vorzeit war noch manches vorhanden. Wenig
später segnete der Altmeister das Zeitliche und schaut sich seitdem wohl die
Ionosphäre von der Außenseite an.
Damals aber machten
die Gladbacher Jungamateure rasche Fortschritte als Mitglieder des DASD und
im Jahre 1934 bestand Hans Twick als erster die DE-Prüfung, er erhielt die
DE Nr. 1925. Ihm folgte Ludwig Arrenbrecht als DE 2237, Friedrich Wilhelm
Kaulen wurde zur gleichen Zeit DE 2238. Etwas später erhielt auch der schon
erwähnte alte Marinefunker Schmitz-Lenders seine DE Nr.2767. Berichtenswert
ist noch, dass Hans Twick Anfang 1934 nicht nur die DE-Prüfung, sondern -
offenbar ganz nebenbei - auch sein Abitur bestanden hatte und im Herbst des
gleichen Jahres an der Universität Köln das Studium der Physik begann. Da er
aber seinen Wohnort nicht nach Köln verlegte, sondern in Mönchengladbach
blieb, konnten die Dinge ihren Lauf nehmen, so wie nachfolgend beschrieben
wird: Es war der Frühsommer des Jahres 1935, als auf die damaligen deutschen
Kurzwellenamateure ein warmer Regen von Sendelizenzen niederging. Hans Twick
war einer jener Glücklichen, er erhielt das Rufzeichen D 4 VGH, welches er
bald in der ganzen Welt bekannt machen sollte. Zugleich hatte damit die
Geburtsstunde des Ortsverbandes der Kurzwellenamateure in Mönchengladbach
geschlagen. Damals lautete der offizielle Name: Ortsgruppe M.Gladbach des
DASD in der Landesgruppe H (Niederrhein). In jener Zeit fand sich der Kenner
der Landesgruppe, bei uns entsprechend der Oberpostdirektion Düsseldorf, im
letzten Buchstaben des Rufzeichens wieder. Und kein anderer als Hans Twick,
D 4 VGH, war der erste Vorsitzende dieser Ortsgruppe M. Gladbach, zu deren
Einzugsgebiet auch Viersen gehörte.
Unter seiner
Führung, die ihm auch in den folgenden Jahren niemals streitig gemacht
wurde, begann eine stürmische Entwicklung. Paul Westermann aus
Mönchengladbach, beruflich der Elektrotechnik verbunden, wurde DE 3033,
Rudolf Schnurmann aus Rheydt DE 3719, und Jakob Meskes aus Viersen DE 3720.
Letzterer war nur kurzzeitig Mitglied der Ortsgruppe. 1936 folgten dann
Ernst Wilhelm Hans DE 3784 und Erwin Weichert DE 3785, im Jahre 1937 Josef
Birker DE 6055 und Karl Feldt DE 6056, beide aus Viersen, sowie Walter
Sommerfeld DE 6054. Der Letztgenannte war nur ein kurzer Gast in der
Ortsgruppe M. Gladbach, ähnlich erging es auch Hans Troles aus Viersen,
nach einem damals viel verwendeten Kunststoff "Trolitul" genannt, der 1937
eintrat und bald nach seiner DE-Prüfung zum Wehrdienst eingezogen wurde.
Ende August 1937 war Leopold Pomp Mitglied geworden, verführt von seinem
Klassenkameraden Ernst Hans. Er wurde im Mai 1938 DE 6491 und erhielt als
erstes Ortsgruppenmitglied im März 1939 das DEM-Diplom. Als letztes aktives
Mitglied kam dann Mitte des Jahres 1939 noch Gerd Mannheim aus
Mönchengladbach zur Ortsgruppe und wurde DE 7230. Wie sah es nun in jenen
Jahren von 1935 bis 1939, der Blütezeit des ersten Ortsverbandes der
Kurzwellenamateure in Mönchengladbach aus.
Es war OM Käulen,
der schon bald nach der Gründung eine Versammlungsstelle beschafft hatte,
zwei Räume im obersten Stockwerk des Hauses Neusser Straße 1 in
Mönchengladbach. Dort traf man sich am Montagabend in jeder Woche, brachte
seinen Kopfhörer mit, schloss ihn an die in einen langen Tisch eingebaute
Summeranlage an, und dann begann eine Morseübungssendung, damit die
DE-Anwärter auf Tempo 60 kamen und die Fortgeschrittenen noch etwas hinzu
lernten. Anschließend wurde über Technik, Wettbewerbe und anderes mehr
diskutiert, oft hielten auch die einzelnen Mitglieder Vorträge über selbst
gewählte technische Themen. Die Hauptlast dieser Bildungsarbeit lag
natürlich auf den Schultern des Vorsitzenden Hans Twick, der aufgrund seines
Physikstudiums ohnehin für diese Aufgabe prädestiniert schien. So war es
kein Wunder, wenn bei Wettbewerben Mitglieder der Ortsgruppe M.Gladbach
meist in den Spitzenpositionen zu finden waren, und auch bei einem Feldtag,
der im Sommer 1938 von der Landesgruppe Essen-Hügel veranstaltet worden war,
kam das Siegertrio geschlossen aus Mönchengladbach. Um die damalige
Aktivität deutlich zu machen, muss man wissen, dass in jener Zeit die
Anforderungen bei der DE-Prüfung kaum geringer waren, als sie heute bei der
Lizenzprüfung gestellt werden. Und in jenen Jahren gab es kein Mitglied in
der Ortsgruppe M.Gladbach, das nicht nach kurzer Zeit eine DE-Nummer sein
eigen nennen konnte. Ein Nachteil des Ortsgruppenheims in der Neusser Straße
soll allerdings nicht verschwiegen werden: Es gab dort keine Getränke. Um
diesem Mangel abzuhelfen, schloss sich meist einmal im Monat an den
Ortsgruppenabend ein Zug durch die Gemeinde an, der regelmäßig im
Lederer-Bräu in der Bismarckstraße begann und in tiefer Nacht mit der Suche
nach einem noch von der Polizeistunde verschonten Lokal endete.
Das Jahr 1939 wurde
dann zum Schicksalsjahr für die Ortsgruppe des DASD. Bereits am 1. April
wurden einige der jüngeren Mitglieder zum "Reichsarbeitsdienst" geholt, die
meisten anderen mussten spätestens nach Kriegsbeginn am 1. September zum
Wehrdienst einrücken. Hans Twick war auch unter diesen, hatte aber das
Glück, während eines Sonderurlaubs 1941 sein Physikstudium abschließen zu
können. Seine Dissertation über ein Thema der Kernphysik wurde mit dem
Prädikat "sehr gut" bewertet. Wenig später konnte er sich über seine
Entlassung aus der Wehrmacht freuen. Er wurde als Physiker Mitarbeiter einer
Elektronikfirma, deren Entwicklungen als kriegswichtig galten. In jenen
Jahren gehörte er dann auch zu den wenigen Funkamateuren, die noch eine
Betriebserlaubnis erhielten. Sein Rufzeichen D4VGH erschien wieder im Äther,
von OM Pomp, DEM 6491, wurde ihm aus dem Kaukasus ein Hörbericht auf 80 m
zugeschickt, auch andere ehemalige Ortsgruppenmitglieder an anderen Fronten
nahmen seine Signale auf. So war die erste DASD-Ortsgruppe M.Gladbach zwar
zunächst einmal gestorben, aber in der Erinnerung ihrer ehemaligen
Mitglieder lebte die Hoffnung auf eine spätere Auferstehung. Und diese
Hoffnung wurde nicht enttäuscht.
Eine alte Weisheit
gilt für Spitzensportler, vor allem für Boxer: "They never come back!" Für
Kurzwellenamateure gilt bekanntlich das Gegenteil: "They all come back, die
von der Wanze (bug) gebissen wurden". Nur OM Kaulen war es nicht vergönnt,
aus dem Krieg heimzukehren. Sein Verlust traf alle sehr schwer, die ihn
kannten.
Neben Hans Twick
war er die treibende Kraft im alten Ortsverband gewesen und man konnte mit
Sicherheit von ihm erwarten, dass er auch in der Nachkriegszeit schon sehr
bald wieder zu den aktivsten Funkamateuren gehört hätte. OM Arrenbrecht DE
2237 und OM Westermann DE 3033 nahmen nach dem Krieg ihre Tätigkeit als
Funkamateure nicht wieder auf, die meisten anderen jedoch schlossen sich den
neu gegründeten Funkervereinigungen an und einige, zum Beispiel OM Pomp in
Marburg unter dem Rufzeichen DA 3 VE, gingen im Rahmen der nicht ganz
legalen Vereinigung SAC 585 in die Luft. Im Sommer 1948 wurden dann von den
Oberpostdirektionen die ersten offiziellen Lizenzprüfungen durchgeführt, und
siehe da, an welche Orte das Nachkriegsschicksal sie auch verschlagen
hatte, die ehemaligen Gladbacher Funkamateure waren wieder da. Im März 1949
wurden dann die lange erwarteten Rufzeichen ausgegeben, und das sind sie:
DL1JO Josef Birker DE 6055
DL1LK Ernst Hans DE 3784
DL1MI Dr. Hans Twick DE 1925 ex
D4VGH
DL1SK Karl Feldt DE 6056
DL3DD Dr. Leopold Pomp DEM 6491
DL3DJ Erwin Weichert DE 3785
Im Jahre 1950 folgte dann noch
DL3RU Rudolf Schnurmann DE 3719
und erst 1970
DK5EX Gerd Mannheim DE 7230.
Und wo sind sie
geblieben, unsere Oldtimer? OM Birker, DL1JO ist inzwischen verstorben. OM
Feldt, DL1SK, lebt in einem Seniorenheim in Münster und ist von dort aus
nicht selten auf dem 2m-Band zu hören.
OM Hans, DL1LK, war
im alten Kölner Hochhaus am Hansa-Ring entscheidend am Aufbau des
UKW-Rundfunks beteiligt, half dann dem deutschen Fernsehen auf die Beine und
ging anschließend zum ZDF nach Mainz, wo er noch heute als leitender
Ingenieur tätig ist. Da auf diese Art sein Hobby zum Beruf geworden war,
hatte es seinen eigentlichen Sinn verloren und Ernst Hans - leider, muss man
sagen - gab seine Lizenz zurück.
Auch bei OM
Schnurrmann, DL3RU, gewann der Beruf als Ingenieur und Konstrukteur bei
Scheidt und Bachmann in Rheydt bald die Oberhand. Wenn man in jener Zeit in
der örtlichen Presse die Nachrichten aus der Industrie verfolgte, musste man
feststellen, dass bei der Nennung neu angemeldeter Patente der Name
Schnurmann selten fehlte. So blieb für den Amateurfunk keine Zeit mehr
übrig, und OM Schnurmann gab die Lizenz zurück.
Anders OM Weichert,
DL3DJ, der trotz häufigen QTH-Wechsels in den ersten Nachkriegsjahren doch
dem Amateurfunk treu blieb. Nun schon seit längerer Zeit in Leverkusen
ansässig, ist er auf allen Bändern zu hören.
Besonders lange
dauerte es bei OM Mannheim, DK5EX, der in Remscheid viele Jahre hindurch
beruflich so sehr in Anspruch genommen war, dass er erst 1970 seine Lizenz
erwerben konnte. Wenig später aber wurde er Frührentner und Berufsamateur,
ließ sich im oberbayrischen Lenggries nieder und entwickelte eine derart
intensive funkerische Aktivität, dass man glauben könnte, er wolle die
versäumte Zeit nachholen.
Doch nun zum
ehemaligen großen Vorsitzenden OM Dr. Twick, DL1MI, jetzt Mitglied des
Ortsverbandes Grenzland in Viersen. Trotz mehrfachen QTH-Wechsels und trotz
anstrengender Tätigkeit im Institut für Strahlen- und Kernphysik der
Universität Bonn von 1956 bis 1981, wo er zuletzt als Kustos Träger höchster
Verantwortung war (er hatte nämlich über das auszugebende Geld zu
entscheiden), sah man ihn stets an der Spitze des Fortschritts der
HF-Technik. Mit einer durch Seilzug von Hand drehbaren 10 m-Richtantenne,
montiert an einer hohen Birke, begann zunächst die DX-Tätigkeit sowohl in CW
als auch AM, später auch Schmalband-FM, die ihn schon in jenen frühen Jahren
die 100-Länder-Grenze überschreiten ließ. Dann war er einer der ersten, die
- damals vor über 30 Jahren natürlich noch mit selbstkonstruierten Geräten
- das 2 m-Band eroberten. Auch die neue Betriebsart SSB benutzte er
selbstverständlich als einer der ersten. Der erreichte Ruhestand war Anlass
zur Suche nach Neuland, welches er in der Form von RTTY, speziell AMTOR
fand. Am 15.12.84 wurde er 70 Jahre alt, war aber dennoch jung genug, wieder
einen neuen Anfang zu wagen, diesmal mit Packet Radio. In dieser Betriebsart
ist er zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen aufzunehmen. Was in Zukunft
noch alles von ihm zu erwarten ist, bleibt sein Geheimnis.
Zu guter Letzt wäre
noch von OM Dr. Pomp, DL3DD zu berichten, der im April 1950 aus Marburg/Lahn
nach Mönchengladbach zurückkehrte, wo OM Heinz Kiesau, DL1YK den Ortsverband
zu neuem Leben auferweckt hatte. Diesem seinem alten Ortsverband trat er bei
und blieb auch Mitglied, obwohl er bis 1959 seinem Broterwerb in Bonn,
Krefeld und zuletzt in Freiburg nachging. Meist in der Betriebsart CW,
zuweilen aber auch in SSB, ist er auf allen Kurzwellenbändern zu erreichen,
vereinzelt spielt er auch mit einem kleinen Handfünklein auf der 2m-Wiese.
Da er der Einzige ist, welcher sowohl der alten DASD - Ortsgruppe M.Gladbach
als auch dem DARC - Ortsverband Mönchengladbach-Rheydt kontinuierlich
angehörte und noch angehört, wurde er vom Schicksal dazu bestimmt, diese
Historie zu Papier zu bringen.
Die einzige noch vorhandene
QSL-Karte anlässlich der Jubila-Ausstellung 1950


…und so ging es weiter
von Johannes Bock, DJ4RK
In den ersten
Jahren nach dem Kriege stand die Sorge um das tägliche Brot im wahrsten
Sinne des Wortes im Vordergrund. Dennoch widmeten sich viele ehemalige
Mitglieder des DASD und neue Interessenten ihrem Hobby und schlossen sich zu
Orts- und Landesverbänden zusammen. Bereits im Jahre 1947 erschien auch
schon die von W. F. Koerner herausgegebene Clubzeitschrift "QRV". Sie war
nur gegen Ablieferung entsprechender Mengen Altpapier an den Verlag
erhältlich! Auf unermüdliches Drängen der Funkamateure verabschiedete der
Wirtschaftsrat im März 1949 das "Gesetz über den Amateurfunk". Nun konnten
die Amateure nach erfolgreich abgelegter Prüfung endlich "in die Luft
gehen".
Auf der 4.
Amateurtagung in Homburg v. d. H. im September 1950 wurde die Gründung eines
Verbandes beschlossen, der sich auf die drei westlichen Besatzungszonen
erstreckte. Er erhielt die Bezeichnung "Deutscher Amateur-Radio-Club e.V."
(DARC), damals mit Sitz in Kiel, heute in Baunatal. Untergliederungen des
DARC sind die Distrikte und Ortsverbände. Im Juli 1952 wurde der Club
Mitglied der Internationalen Radio Amateur Union (IARU). Der bereits im
Januar 1950 eigens für die Bediensteten der Post gegründete "Verein der
Funkamateure der Bundespost" (VFDB) schloss sich im April 1951 dem DARC
kooperativ an, da auf internationaler Ebene nur ein Verband sein Land
vertreten kann.
Nach Kriegsende
hatte von den Mitgliedern des alten Ortsverbandes nur noch OM Schnurmann (ex
DL3RU) seinen Wohnsitz in Rheydt. Dafür aber wurden andere Amateure der
Vorkriegszeit in unseren Raum verschlagen. Zu ihnen gehörte Heinz Kiesau
(DL1YK), Angehöriger der Bundespost. Er war es, der im Jahre 1948 unseren
Ortsverband im Rahmen des DARC/britische Zone zu neuem Leben erweckte. Zum
Stamm gehörten OM Boljahn (DL3BS), OM Stammen (DL9DX), Dr. Schumann sowie
die Angehörigen der Bundespost OM Herrmann (DL6CI), OM Wirtz (DJ1TP), OM
Rappe (ex DJ2AU) und Alfred Apel (DJ2AV), der zwar später auch dem VFDB
angehörte, aber bis zu seinem viel zu frühen Tode im Jahre 1980 mit unseren
OV besonders eng verbunden blieb. Er stand uns immer mit Rat und Tat zur
Seite, und wir nannten ihn daher A(mateur) V(ater). Dr. Pomp (DL3DD), der 2
Jahre lang OVV in Marburg/Lahn gewesen war, kehrte in jenem Frühjahr 1950 in
seine Heimat zurück, als der neue Ortsverband erstmals anlässlich der
Jubila-Ausstellung der Stadt Mönchengladbach an die Öffentlichkeit trat. Im
Hause der Berufsschule am Platz der Republik präsentierten sich 2 Stationen
und zwar DL1YK (Heinz Kiesau) und DL6CI (Herbert Herrmann) mit aktiver
Unterstützung durch die OM Wirtz, Rappe, Apel und Schnurmann, der noch Fotos
von diesen Jubila-Stationen besitzt.

Die Jubila-Station von
Heinz Kiesau, DL1YK
Die älteste
Mitgliederliste datiert vom 14.8.1955. Sie weist 19 Mitglieder aus, davon 6
Lizenzierte. Heute haben wir 89 Mitglieder, davon 71 Lizenzierte. Dieser
hohe Stand ist um so bemerkenswerter, als Mitglieder unseres OV zu den
später gegründeten Ortsverbänden Grevenbroich und Korschenbroich
abwanderten.
In unserem OV sind
die Altersgruppen vom Schüler bis zum Greis und die unterschiedlichsten
Berufe vertreten. In den alten Akten finden sich Hochzeitsanzeigen von
ehemals jungen OM, die heute mit ihrem Sohn beim OV-Abend erscheinen, der
selbst bereits eine Lizenz besitzt. Hier soll auch an unseren
unvergesslichen Paul Ruhm, DK5E0, gedacht werden, der, animiert von Sohn und
Schwiegersohn, im Jahre 1967 im Alter von 74 die C-Lizenz und mit 78 Jahren
die A-Lizenz schaffte. Es war ihm vergönnt, sich bis 1973 auf den Bändern zu
tummeln, dann verließ er uns im Alter von 80 Jahren für immer.
Unser Hobby bietet
ein weites Betätigungsfeld, und so haben wir viele Mitglieder, die ihr Herz
für eine bestimmte Betätigungsform entdeckt haben. Da gibt es CW-isten,
Fonisten, DXer, Diplomjäger, UKW-Spezialisten, Wetter- und
Ionosphärenbeobachter, Satellitenfunker und natürlich Bastler mit all ihren
Spezialgebieten.
Wir Funkamateure üben unser Hobby still
und leise zu Hause aus. Für Vereinsmeierei haben wir nicht viel übrig, aber
so ganz ohne geht es auch nicht. Dazu dienen uns der monatliche Clubabend
und die wöchentliche OV-Runde, in der sich interessierte Stationen über Funk
zum zwanglosen Gedankenaustausch, zur Besprechung technischer Probleme und
zur Weitergabe von Neuigkeiten treffen. Das Mike geht dann reihum.
Angefangen hat unsere Runde - damals hieß sie "Niersrunde" - auf dem
80-m-Band. Als dann das QRM zu stark wurde, kletterten wir die Bänder immer
höher hinauf, bis wir auf dem 10-m-Band landeten. Seit Jahren steigt so
unsere OV-Runde jeden Sonntag ab 10.3o Uhr Ortszeit auf 29,150 MHz, und im
UKW-Bereich ist auf unserer Hausfrequenz 144,700 MHz fast immer ein OM
anzutreffen. Da in der OV-Runde nur die Lizenzierten mitmachen können und
per Funk nicht alles in den Äther posaunt werden darf, treffen wir uns
allmonatlich beim Clubabend.
Als in den ersten
Nachkriegsjahren der OVV, OM Kiesau, und weitere Mitglieder Postangehörige
waren, konnten wir unsere OV-Abende im Dachgeschoß des Postgebäudes
Mönchengladbach in der Stephanstraße abhalten. Nach dem Weggang von OM
Kiesau im September 1955 verloren wir diese Möglichkeit. In die von uns
benutzten Räume zog die Funkstörungsstelle ein. Wir mussten daher die
Zusammenkünfte in die Gartenlaube des damaligen OVV Ulrich Ruske (DJ3ZV) in
der Eintrachtstraße in Rheydt verlegen.

Die Station von Ulrich Ruske,
DJ3ZV in seiner Gartenlaube,
unserer ersten
„Versammlungsstätte".
Jeder Verein hat
seinen Repräsentanten, und auch wir haben einen, nämlich den
Ortsverbandsvorsitzenden (OVV). Satzungsgemäß werden seit Alters her alle 2
Jahre der OVV und seine Helfer gewählt, und hier sind unsere
Ortsverbands-vorsitzenden:
von 1948 bis Sept. 1955 - Heinz
Kiesau, DL1YK
von Sept. 1955 bis Febr. 1956 -
Heinz Michiels
von Febr. 1956 bis Mai 1957 -
Ulrich Ruske, DJ3ZV
von Mai 1957 bis Mai 1960 - Walter
Vitz, DJ4RL
von Mai 1960 bis März 1962 - Dr.
Leopold Pomp, DL3DD
von März 1962 bis Febr. 1968 -
Walter Vitz, DJ4RL
von Febr. 1968 bis März 1970 -
Karl-Heinz Steenaerts, DL2XL
von März 1970 bis März 1974 -
Walter Vitz, DJ4RL
von März 1974 bis April 1975 -
Peter Zerjeski, DJ5GP
von April 1975 bis Sept. 1980 -
Günter Schulte, DJ5IH
von Sept. 1980 bis Febr. 1984 -
Diethard Balzer, DC8EI
ab Febr. 1984, - Walter Vitz, DJ4RL
Heinz Kiesau lebt
heute in Köln, der Verbleib von Heinz Michiels ist unbekannt, Ulrich Ruske
verzog nach Germersheim, Karl-Heinz Steenaerts nach Niederkrüchten (er ist
jetzt OVV des VFDB in Mönchengladbach) und Peter Zerjeski ging zum OV
Korschenbroich. Walter Vitz, Dr. Leopold Pomp, Günter Schulte und Diethard
Balzer sind unserem OV treu geblieben.
Alle unsere OVV
haben sich tatkräftig für die Belange unserer Mitglieder insbesondere für
die Förderung der Jugendarbeit und für gemeinsame Aktivitäten eingesetzt.
Hier ist die beste Gelegenheit, ihnen für ihren selbstlosen Einsatz zu
danken.
Infolge steigender Mitgliederzahl wurde
diese "Tagungsstätte" bald zu klein. Wir fanden aber eine gute Bleibe von
1958 bis 1962 im Rheydter Turnerheim. Leider wurde dann der
Gaststättenbetrieb eingestellt, und bei der Suche nach einer neuen
Versammlungsstätte wanderten wir durch mehrere Lokale. Es lag daran, dass
wir in unserem 0V immer eine stattliche Zahl Jugendlicher haben, die
bekanntlich nicht gut bei Kasse sind und daher dem Wirt nicht den erhofften
Umsatz bringen.

Jahreshauptversammlung im März 1963
Aus diesem Grunde
wurden wir mehrmals höflich hinauskomplimentiert mit der Empfehlung, sich
ein anderes Lokal zu suchen. So frequentierten wir von 1963 bis 1966 die
Gaststätten
"Schmitze Lambet",
Eggerstraße, Rheydt,
Bernd,
Reyerhütterstraße, Mönchengladbach,
Hönings, Pescher
Straße, Mönchengladbach,
Obholzer,
Odenkirchener Straße, Rheydt.
Von 1967 bis 1976
fanden wir dann eine Bleibe im Lokal "Zum weißen Pferd", Hofstraße.
Als Günter Schulte
(DJ5IH) im April 1975 den Vorsitz im OV übernahm, verfolgte er zusammen mit
Fritz Wiebel zielstrebig das Projekt eines Clubheimes.

Gunny, DJ5IH an seiner Station
in der Keplerstraße im Jahre 1961
Ein Jahr dauerte
der Papierkrieg, dann hatte Gunny es geschafft: Aus städtischem Besitz
wurden ab 1.9.1976 zwei hintereinander liegende Räume angemietet, in
Eigenleistung hergerichtet und mit gespendeten Möbeln ausgestattet. Raum 1
(36 m2) diente zur Unterbringung der Station, des Kühlschrankes und der el.
Kochplatte (Küche), Raum 2 mit 47 m2 für Versammlungen. Allen
Beteiligten sind heute noch die Situationen anlässlich der Herrichtung in
Erinnerung, als Walter, nur mit Badehose bekleidet, einen Wasserhahn bei
vollem Leistungsdruck - der Haupthahn war nicht abstellbar - auswechselte
und Gunny sich in voller Länge an eine frisch gestrichene Wand anlehnte.
Ein Traumzustand
war erreicht, denn wir konnten in unseren eigenen 4 Wänden jederzeit
zusammenkommen, unsere OV-Abende abhalten und die Newcomer schulen. Bis Ende
1978 dauerte dieser angenehme Zustand, dann stellte sich heraus, dass zwar
die monatliche Miete von 50,-- DM, nicht aber die hohen Heizkosten auf Dauer
tragbar waren. Das finanzielle Abenteuer hielt sich aber doch noch in
Grenzen, denn nach Abrechnung aller Abgaben im Zusammenhang mit dem OV-Heim
war mehr in der Kasse als vor Beginn des Mietvertrages. Dir lieber Gunny
Dank für Deinen Wagemut und Dein Engagement, das leider zu wenige OM mit Dir
teilten. Ab 1.1.1979 saßen wir also wieder auf der Straße, kehrten ins
"Weiße Pferd" in der Hofstraße zurück, bis Anfang 1982 das Lokal geschlossen
wurde, weil der Wirt gestorben war. Anschließend wichen wir in die "Alte
Post" in Rheindalen aus, wurden dort zu unerwünschten Gästen erklärt, weil
der Umsatz wieder mal nicht stimmte und kehrten nach 22 Jahren ins
Turnerheim, Nordstraße 133, zurück. Hier fühlten wir uns wohl, danken daher
dem Wirt und hoffen, diese Bleibe noch lange behalten zu dürfen.
Unsere OV-Abende
waren schon immer gut besucht. Doch früher war die Mitgliederzahl geringer,
die Informationen von oben kamen spärlich, und die Besprechung gemeinsamer
Angelegenheiten im kleinen Kreis ging unter Beteiligung aller OM flott
vonstatten. Es blieb dann noch viel Zeit, die zur Schulung und zur
Besprechung von Problemen auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnik im
persönlichen Gespräch ausgenutzt wurde.
Heute sehen unsere OV-Abende anders aus.
Die Teilnehmerzahl ist gestiegen, es geht lebhaft zu, so dass der OVV oft
von seiner Sturmglocke Gebrauch machen muss, um sich Gehör zu verschaffen.
Der Fortschritt der Technik führt zu einer Berieselung mit Informationen und
Direktiven von oben. Schließlich ist die Regelung gemeinsamer Aktivitäten
schwieriger geworden. Dadurch fehlt leider die Zeit für das persönliche
Gespräch von Mensch zu Mensch. Querelen gab es auch bei uns, aber sie
hielten sich in Grenzen und wurden sachlich ausgetragen. Ich denke hier
besonders an die Zeit, als unser Club-Management auf die kühne Idee kam, in
Baunatal ein modernes Amateurfunk-Zentrum zu bauen. In heißen Debatten
wurden das Pro und Kontra vorgetragen und noch nie
waren die Wogen so
hoch gegangen. Nun, das AFuZ wurde gebaut (auch unser OV beteiligte sich mit
5 Bausteinen je 50,-- DM), inzwischen hat es sich als notwendig, zweckmäßig
und für den DARC finanziell tragbar erwiesen. Nachdem über 10 Jahre ins Land
gegangen sind, ist die Angelegenheit vergessen.
Auch Ham-Feste mit
Musik, Tombola und allerlei Belustigungen haben wir veranstaltet und zwar -
lang, lang ist es her -
1955 im Buchenhof im Volksgarten,
am 22.5.1959
im Turnerheim in Rheydt, Nordstraße,
am 18.5.1963
in der Gaststätte Lück, Lehwaldstraße,
am 15.5.1965
in der Gaststätte Deuss, Erzbergerstraße,
am 22.4.1967
in der Gaststätte Deuss, Erzbergerstraße.
Diese Feste waren
gut besucht und führten zu vielen persönlichen Kontakten.
Zu erwähnen sind
auch noch der gemeinsame Besuch der Funkausstellung in Düsseldorf im Jahre
1970, die Busfahrt zum "Evoluon" nach Eindhoven im Jahre 1971 und mehrere
vom Distrikt organisierte Fahrten auf dem Rhein und nach Braunatal.

Hamfest am 23. Mai 1959
Eine wichtige
Angelegenheit ist die kostenlose Vermittlung der QSL Karten. Dazu hat jedoch
der OV seinen QSL-Manager. Von 1950 bis 1953 versah dieses Amt Dr. Leopold
Pomp (DL3DD), ihm folgte bis April 1965 Frau Apel, die XYL des bereits
eingangs erwähnten Alfred Apel (DJ2AV). Dann versahen dieses Amt:
ab April 1965 -
Manfred Zeiske, DJ9ZM
ab März 1966 -
Christian Knappe, DJ6HL
ab Febr. 1968 -
Karl-Heinz Steenaerts, DL2XL
und ab Okt. 1979
- Martin Kurz, DK9JP

Unser QSL- Vermittler der Jahre 1966/67
Christian Knappe, DJ6HL (hinten)
Vorne: Unser „Amteur-Vater“
Alfred Apel, DJ2AV
Martin bringt zum OV-Abend die von der
Zentralstelle eingegangenen QSLKarten zur Verteilung mit, sammelt
gleichzeitig die ausgehenden Karten ein, sortiert sie und schickt sie zur
Zentralstelle ab. Im Monatsdurchschnitt gehen etwa 800 Karten aus unserem
OV in die weite Welt ab. In der Regel wird jede getätigte Funkverbindung mit
einer QSL-Karte bestätigt. Wer also viel QSO fährt, braucht auch viele QSL,
und das kann eine kostspielige Angelegenheit werden, denn der Druck der QSL
ist teuer. Deshalb sind wir der Stadt Mönchengladbach und auch der früheren
Stadt Rheydt sehr dankbar, dass sie uns seit eh und je kostenlos mit
QSL-Karten versorgt haben. Sicher wird die auf der QSL enthaltene
Selbstdarstellung der Stadt mit werbendem Text dazu beigetragen haben, dass
geschäftliche Verbindungen mit heimischen Betrieben geknüpft wurden. Diese
Art der Werbung zahlt sich also für unsere Wirtschaft aus. Wir hoffen daher,
dass die Stadt Mönchengladbach uns auch künftig mit QSL-Karten versorgt.
Ebenso dankbar sind wir auch Fritz Wiebel, der uns im Jahre 1978 20000 QSL
gestiftet hat.
Der Stolz fast
jeden OM ist seine Sammlung der eingegangenen QSL-Karten aus der ganzen
Welt. Sie ist nicht nur das sichtbare Ergebnis seines Hobbys, sondern mit
den QSL verbinden sich vielfältige Erinnerungen, seien es die
Arbeitsbedingungen, unter denen die Verbindung zustande kam, sei es die
Seltenheit des Landes, sei es der engere Kontakt, ja sogar die persönliche
Freundschaft, die aus der Funkverbindung hervorging, sei es die Hilfe in
Notsituationen. Darüber hinaus sind die Erlebnisse bei unserer
Wellen-Reiterei zahlreich und ein immer wiederkehrender Gesprächsstoff bei
den OV-Abenden. Nicht nur Lizenzierte versenden QSL-Karten, sondern auch die
SWL, die den Funkverkehr zwischen 2 Stationen abhören und diesen ihre
Funkberichte senden in der Hoffnung, für ihre Mühe von den Stationen auch
mit einer QSL bedacht zu werden.

Schließlich ist
noch anzufügen, dass QSL-Karten beweiskräftige Unterlagen sind, die zum
Erlangen von Diplomen benötigt werden, und hiervon gibt es mittlerweile
recht viele.
Unser OV hat auch
Geld und dieses verwaltet der Kassenwart. Wie wichtig Geld ist, mag man
daraus ersehen, dass das älteste noch erhaltene Dokument unseres OV ein
Kassenbuch ist, eröffnet am 28.3.1950 mit einem Betrag von 22,05 DM vom
ersten Kassenwart, OM Dr. Schumann. Im Amt folgten dann nach:
Herbert Herrmann,
DL6CI
Josef Kruth, DJ8JK
Günter Schulte,
DJ5IH
Walter Vitz, DJ4RL
Paul Jungbluth,
DB2JP
Unsere Kassenwarte
waren gute Verwalter unseres Vermögens. Das geht aus den Bestätigungen der
Kassenprüfer hervor, die alljährlich nach dem Rechten sahen.
In finanzieller
Hinsicht lebt unser OV bescheiden, obwohl wir viel Geld brauchen könnten. In
den fünfziger Jahren betrug der Jahresbeitrag für ein vollzahlendes Mitglied
26,-- DM, inzwischen ist er auf 80,-- DM geklettert. Davon bekommt der OV
von der Clubleitung einen Sockelbetrag von 75,-- DM und für jedes
vollzahlende Mitglied 7,-- DM. Das ergibt eine jährliche Einnahme von rund
600,-- DM. Zur Aufbesserung der Clubkasse lässt der OVV auf den OV-Abenden
manchmal den Spendenhut rumgehen, und da sammeln sich auch noch 50,-- bis
100,-- DM an.
Die
Verwaltungsausgaben sind gering. Bei den Feldtagen fallen immer wieder
Kosten für Verbrauchsmaterial an. Auch Literatur und Messgeräte wurden
beschafft, die allen nutzbar waren, aber wie üblich im Laufe der Jahre den
Weg alles Irdischen gingen. Immerhin besitzen wir u.a. eine komplette
Station, bestehend aus HW 100 mit Transverter, Antennenmasten, Antennen,
Rotor sowie einen Funkfernschreib-Konverter.
Impulse für
gemeinsame Veranstaltungen innerhalb des OV gehen meistens vom OVV aus, und
hier denke ich aus besonderem Grunde an unseren Dauer-OVV Walter Vitz
(DJ4RL). Am 1.1.1956 trat er dem OV bei und entdeckte bald seine Liebe zur
Funkerei. Bereits im Mai 1957 wurde er erstmalig zum OVV gewählt und hielt
dieses Amt mit Unterbrechungen bis heute. Als der OVV noch durch Handzeichen
gewählt wurde und wieder einmal OM Walter Vitz zur Wahl stand, flogen die
Arme aller Wähler spontan nach oben. Zum Unglück stand der Kellner mit
vollem Tablett in diesem Moment schräg hinter OM Dr. Pomp. Es ergossen sich
12 Glas Bitburger Pils über ihn und die neben ihm Sitzenden. Dies ist wohl
der Grund dafür, dass seitdem laut Clubsatzung der OVV geheim mittels
Stimmzettel gewählt wird!
Mit seiner Frische,
seinem Einfallsreichtum und seinem Optimismus ist Walter immer der Motor
unseres OV gewesen, und wenn er das Amt mal nicht ausübte, dann legte er
sich nicht etwa auf die faule Haut, sondern als begeisterter Funkamateur war
er "höheren Orts" tätig, nämlich von 1974 bis 1978 als stellvertretender
Distriktsvorsitzender und von 1978 bis 1984 als Fuchsjagdreferent im
Distrikt. Auch Anny, seine XYL, zeigte Verständnis für unser Hobby und
packte bei gemeinsamen Veranstaltungen mit an. Vielleicht hat sich Anny
oftmals. im Stillen gefragt, ob denn Walter nun mit ihr oder seinem Hobby
verheiratet ist. Walters Verdienste um den Amateurfunk wurden mit der
Verleihung der goldenen Ehrennadel des DARC im Jahre 1966 und mit der
Distrikt-Ehrennadel im Jahre 1984 gewürdigt.
Wir können uns nur
wünschen, dass Walter noch lange zum Wohle unseres OVs tätig bleibt.
Walter, unser
Dauer-OVV


hier besinnlich
hier bissig
Newcomer, die eine
Sendelizenz anstreben, müssen sich je nach Bildungsstand und einschlägigen
Vorkenntnissen für die Lizenzprüfung, die bei der Oberpostdirektion
abzulegen ist, fit machen. Verlangt werden betriebliche Kenntnisse, die
Kenntnis von Vorschriften und technische Kenntnisse auf dem Gebiet der
Elektrotechnik und der Hochfrequenztechnik. Das Pensum ist groß, und vor
allem das Gebiet der Hochfrequenztechnik ist schwierig. Man muss sich daher
schon tüchtig auf den Hosenboden setzen und lernen, bevor man sich zur
Prüfung traut.
Wer auf den
Kurzwellenbändern arbeiten möchte, muss außerdem eine Morseprüfung ablegen.
Ohne Morseprüfung gibt es Sendelizenzen nur für den UKW- und
GigahertzBereich.
Alle unsere OVV
haben es als ihre vordringliche Aufgabe angesehen, Newcomer zur Vorbereitung
auf die Lizenzprüfung Hilfestellung zu leisten. Doch ein Patentrezept
hierfür über Jahre hinaus gibt es nicht, weil sich die Ausgangssituationen
immer wieder ändern.
Als wir im Jahre
1956 zum OV stießen, fanden wir viel Unterstützung bei Alfred Apel (DJ 2
AV), wir bastelten und studierten viel und ergänzten so das theoretische
Wissen mit praktischen Erkenntnissen. Allerdings nahmen wir Alfred nur in
Anspruch, wenn sich die "Hochfrequenz beim besten Willen nicht gerade biegen
ließ". Mit viel Geduld half er uns immer wieder aus der Patsche.
Als wir dann unsere
Lizenz hatten, gaben wir unser Wissen an die nächsten Anwärter weiter.
Anfang 1959 verschaffte uns OM Karl Giskes (DJ1TN) vom VFDB die Möglichkeit,
zentrale Schulungen in einem Raum der Hauptpost in der Stephanstraße
abzuhalten. Doch aus betrieblichen Gründen mussten wir dort wieder raus.
Dann erreichte es Walter (DJ4RL), dass wir ab Mai 1962 für die Schulung der
Jugendlichen das Pestalozziheim in Rheydt benutzen durften.

Karl-Dieter
Haugk, DL8LS beim Antennenbau
am Jugendheim Pestalozzistraße
Wir bekamen ein
eigenes verschließbares Zimmer, so dass wir unsere Sachen dort lassen
konnten. Auf Walters Bitte spendierte die Stadt Rheydt Anfang 1965 auch noch
eine Station bestehend aus SB 300/400, 2-m-Nuvistor-Konverter, Antennen und
allem Drum und Dran, was zu einer gut ausgerüsteten Station gehört. Lob und
Dank der Stadt Rheydt! Hilfswillige unseres OV installierten Geräte,
Antennen und Kabel. Nun konnten wir unter den strengen Augen des
Heimleiters, des Herrn Köller, nach Herzenslust basteln, ausbilden und sogar
funken, denn Walter hatte 1959 das Clubrufzeichen "DL0RY" besorgt. Das
frühere Call "DL0MG" war zuvor an den VFDB vergeben worden.
Nach einigen Jahren trat der Zustand ein, dass wir keinen Nachschub an
jugend¬lichen Newcomern hatten und daher das Pestalozzi-Heim nicht mehr in
Anspruch nehmen konnten. Die Station verwaiste und wurde schließlich
abgebaut. Später nahmen sich verschiedene OM der Newcomer an. Im Jahre 1970
bestanden 5 OM die Lizenzprüfung nach Teilnahme an einem zentralen Lehrgang
in Brüggen.

Lehrgang in Brüggen
von links:
Walter, DJ1MC
Walter, DJ4RL
der Heimleiter
Willi, DL1NN (DV Nordrhein)
Willi, DK4TJ
Ab 1971 fand die
Ausbildung je nach Bedarf einzeln oder in Gruppen statt. 1980 stellte sich
Achim Breuer (DL3EBB) für die Schulung zur Verfügung. Er führte 2 Lehrgänge
bis zur Lizenzreife durch.
Nun hat unser stellvertretender OVV, Uwe Roepke (DL3EAK), die
Jugendausbildung übernommen. Er ist Lehrkraft am Stiftisch-Humanistischen
Gymnasium am Abteiberg. Auf seine Initiative hat er dort Räume erhalten, in
denen seit Herbst 1984 die unter seiner Verantwortung arbeitende Station "DFOSHG"
untergebracht ist. Sie wurde von der Stadt Mönchengladbach gestiftet und
besteht aus einem TS 82o für die Kurzwellenbänder und einer UKW-Station mit
allem Zubehör einschl. Antennen. Uwe leitet dort die Schulung, an der z. Zt.
freiwillig 15 Schüler zweimal in der Woche teilnehmen. Im Frühling wollen
sie in die Lizenzprüfung steigen. Diese Gemeinschaft soll durch spätere
Zusammenkünfte erhalten bleiben. Zu allem Glück stiftet die Stadt auch noch
speziell gestaltete QSL-Karten.
Besonders beliebt sind in unserem OV die Feldtage, an denen die Funkamateure
weltweit aufgerufen sind, übers Wochenende ins Grüne zu ziehen und
unabhängig vom öffentlichen Stromnetz möglichst viele Verbindungen mit
Funkamateuren auf der ganzen Welt herzustellen.
Der erste Nachkriegsfeldtag fand 1953 im Raume Odenkirchen statt, der
nächste 1958 am Schloss Liedberg. Ab 1962 nahm dann unser OV mit einer
gewissen Regelmäßigkeit an den folgenden Feldtagen teil. Bis etwa 1966
blieben wir im Hardter Wald, weil wir dort durch Vermittlung unserer
britischen Freunde,
OM Roy (DL2ZN) und Wilf (DL2GZ), an hohen massiven Antennenmasten, die nicht
benutzt wurden, unsere Antennen aufhängen durften.
Später bevorzugten wir folgende Standorte:
Umgebung von Schloss Rheydt, Süchtelner Höhen,
Müllberg in Mönchengladbach, Großheide,
Müllberg in Rheydt, Jüchen,
Ortsteil Genhülsen, Belmen,
Nöthen bei Bad Münstereifel.
An der
Feldtag-Station im
Hardter Wald
Von links:
Heinz, DL8VS
Siegfried, DJ7UO
Karl-Dieter, DL8LS
Für die
Unterbringung der Station benutzten wir zunächst eigene bzw. geliehene
Zelte, ab 1962 hausten wir im eigenen, geräumigen Zelt, das Walter für den
OV gebraucht gekauft und 1974 an den OV Grevenbroich wieder verkauft hatte,
denn dann wurde es in einem geliehenen VW-Kombi komfortabler. Die Geräte
wurden in den ersten Jahren von den OM zur Verfügung gestellt, später hatten
wir dann unsere clubeigene Station. Antennen und Leitungen installierten die
OM gemeinschaftlich und oft in halsbrecherischer Arbeit. Da die Station
netzunabhängig arbeiten musste, waren wir auf einen Generator angewiesen.
Wir besaßen schon seit 1963 einen Sachs-Motor, der mit einem Generator
gekoppelt werden sollte, aber das hat nie geklappt. Wir hatten dennoch
Glück: Zuerst pumpten uns ein Aggregat die Post, dann die britischen
Streitkräfte aus dem HQ und später das Technische Hilfswerk. Den Spendern,
auch der Stadt für die Benutzungsgenehmigungen, sei gedankt für ihre
Unterstützung und mit der Versicherung, dass sie uns viele frohe Stunden
möglich gemacht haben. Alle, die da kamen zum Zusehen, zum Anpacken oder
sogar zum Dienst an der Station hatten ihre Freude und zahlreiche Fotos
erinnern daran. Die harte Arbeit beim Einrichten der Station, insbesondere
der Antennenbau machten hungrig und durstig. Dafür standen derbe Kost, über
dem Lagerfeuer gekocht, und reichlich Getränke zur Verfügung, die nicht nur
kühl waren, "sondern es auch in sich hatten". Besonderer Dank gilt den
Teams, die in harter Arbeit rund um die Uhr die Taste bzw. das Mike
bedienten und das Call "DLORY" in den Äther bliesen.
Der Erfolg blieb ihnen nicht versagt, denn unter den deutschen Stationen
landeten wir 1962 auf dem 2. Platz, 1963 auf dem 1. Platz und 1966 auf dem
3. Platz. Urkunden beweisen diese beachtlichen, aber auch viele weitere
Erfolge.
Beliebt sind seit Alters her die Fuchsjagd-Veranstaltungen, bei denen es
darum geht, den Fuchs - einen versteckt arbeitenden Sender - aus größerer
Entfernung durch Anpeilen aufzuspüren. Da sich an diesem sportlichen Spiel
nicht nur Lizenzierte beteiligten können, ist das Interesse groß, und
mitunter machen ganze Familien mit. Wenn aber ein Teilnehmer eine gute
Platzierung anstrebt, sollte er sportliche Kondition mitbringen, mit dem
eigenen RX gut vertraut sein und Peilerfahrung besitzen.

Unser langjährig benutztes
Stationszelt mit Anny,
der XYL von Walter, DJ4RL
Unser OV hat früher
ab und zu auch schon Fuchsjagden auf die Beine gestellt, und hieraus ist
seit 1980 als regelmäßige jährliche Veranstaltung die Vitus-Fuchsjagd
hervorgegangen, die der OV in der Regel am letzten September-Sonntag abhält.
Die Beteiligung zeigt, dass sie gut angekommen ist und jeder seinen Spaß
hat, auch wenn die neben den Urkunden verliehenen Preise bescheiden sind.

Start zur
Fuchsjagd
am Stadtwald Rheydt
Im Jahre 1980
Beim Kapitel Fuchsjagd darf unser Spezialist nicht unerwähnt bleiben: Martin
Kurz, DK9JP. Seit 1972 fuhr er mal mit diesem, mal mit jenem OM zu
Fuchsjagden mit, fand Gefallen an diesen sportlichen Veranstaltungen und
beteiligte sich ab 1975 selbst daran, zunächst im näheren Umkreis, dann im
westdeutschen Raum und schließlich in der ganzen Bundesrepublik und im
Ausland. Natürlich nimmt er ab 1978 regelmäßig an der "Deutschen
Fuchsjagdmeisterschaft" teil. Da Fuchsjagden in der Regel an den Sonntagen
in der warmen Jahreszeit ausgetragen werden, opfert Martin so etwa 20 dieser
Tage seinem Hobby. Früher begleiteten ihn seine beiden Söhne (davon der
ältere als DD1EK selbst schon lizenziert), jetzt nur noch der jüngere Sohn.
Anfangs benutzte Martin als Peilempfänger fürs 80-m-Band das "Münchner
Kindl" und fürs UKW-Band einen umgebauten Mini-Lausen, später wurden sie
durch leistungsfähigere Geräte ersetzt.
Im Jahre 1984 nahm er an der jugoslawischen Peilmeisterschaft in Rostojna
teil und vertrat unser Land bei der Fuchsjagdweltmeisterschaft in Oslo.
Martin hat sich aus Freude an der Sache zum hervorragenden Spezialisten
entwickelt. Daher war er auch von 1982 bis 1984 in unserem OV
Fuchsjagdreferent; ab 1984 versieht er dieses Amt im Distrikt. Seine
Begeisterung hat sichtbare Früchte getragen: Martin besitzt einen ganzen
Aktenordner voll bunter, einfacher, kunstvoller, allgemeiner und spezieller
Fuchsjagd-Diplome und -Siegerurkunden. Ich wünsche Martin weiterhin viel
Erfolg.
Im Laufe der Zeit traten Wandlungen technischer Art auf, die auch unser
Hobby erfassten.

Walter, DJ4RLan seiner
ersten Station in der
Kurfürstenstraße

In den ersten Jahren nach
dem Kriege wurden zwar auch schon kommerzielle Kurzwellengeräte angeboten,
aber sie kamen aus dem Ausland und waren für den Normalverbraucher
unerschwinglich teuer. Allenfalls der aus Italien importierte Geloso war
preiswert. Begehrt waren auch ausrangierte Wehrmachtsgeräte aus dem Krieg.
In aller Regel wurden RX und TX selbst gebaut. Neben dem Spaß am Basteln und
Tüfteln und den hierbei gewonnenen Erfahrungen konnten so die theoretischen
Kenntnisse erweitert werden, und dieses war auch sehr nötig, denn damals
wurde bei der Lizenzprüfung tief in Detailfragen gebohrt.
Um billig an Radioteile
zu kommen, waren alte Radios sehr begehrt. Sie wurden bis auf das letzte
Stück Draht ausgeschlachtet, und jeder OM legte sich einen gewissen Vorrat
an Bastelmaterial zu. Gekauft wurden nur Spezialteile wie PA-Röhre,
Sender-Dreko mit großem Plattenabstand usw. Je nach Vorbildung, Neigung und
Geldbeutel wurden zunächst ein 0V1 oder 0V2 gebaut, oder vielleicht sogar
ein Superhet in Angriff genommen. Bauanleitungen gab es im DL-QTC reichlich,
und es kam darauf an, möglichst bald und wenigstens ins 80-m-Band
reinzuhören, CW zu lernen und mit den Empfangsbedingungen vertraut zu
werden.
Die Empfänger hatten damals eine enorme Bandbreite,
QRM und Störungen aller Art waren schrecklich, der Empfang also nicht
erfreulich. Hiergegen wurden als probate Mittel Q-Multiplier, NF-Filter,
Störaustaster, Lochfilter
u.a.m. empfohlen. Alles
probierten wir aus, aber die erhoffte Wunderwirkung blieb aus.
Der TX wurde zeitlich so
in Angriff genommen, dass er bei der Lizenzprüfung startbereit war. Er
bestand in der Regel aus UFO, Treiber und PA. Endröhren wurden damals mit
Spannungen von 100o bis 200o Volt bei geringem Anodenstrom betrieben. Das
Netzteil für den TX war daher schon ein rechter Klotz. Wer sich nicht nur
auf dem 80-m-Band tummeln wollte, baute Frequenzverdopplerstufen für die
übrigen Bänder ein und wer auch in Fonie arbeiten wollte, modulierte das
Schirmgitter oder wirkungsvoller in der Anodenleitung der PA.
Die Homemade-Stationen
waren nicht gerade ein Provisorium, aber es gab OM, die den Lötkolben
während des Funkbetriebes für eventuelle Pannen immer einsatzbereit
hielten.
Als Anfang der 60er Jahre
das 2-m-Band freigegeben wurde, ging die Bastelei in einem neuen Gebiet
weiter, denn mit so hohen Frequenzen und ihrem seltsamen Verhalten mussten
wir uns erst wieder vertraut machen. In dieser Zeit fanden mehr und mehr
Quarze in Oszillatoren und Bandfiltern Verwendung. Die Bandbreiten im RX
wurden dadurch schmaler, und so ergab sich die Notwendigkeit, den UFO
frequenzstabil zu halten. Das DL-QTG gab wieder gute Ratschläge zu diesem
Problem und wir quälten uns mit mehr oder weniger Erfolg mit dem
hermetischen Abschluss des VFO und mit dem Temperaturkoeffizienten von
Kondensatoren ab.
In diesem Stadium traten
entscheidende Änderungen im Bereich der Kurzwellenbänder ein: Die
Amplitudenmodulation wurde durch Einseitenbandmodulation ersetzt und die
Röhre von dem winzigen Transistor abgelöst. Die komplizierte
Frequenzaufbereitung in SSB, die Neukonzeption von Empfängern und die bei
Einsatz von Transistoren erreichbare Verschmelzung von Sender und Empfänger
zu einem kompakten Gerät, dem Transceiver, konnte nur noch in kommerzieller
Ausführung erreicht werden, so dass der Eigenbau aus Gründen der
Rentabilität nicht mehr lohnt. Frequenzstabilität ist heute eine
Selbstverständlichkeit, die Empfänger sind empfindlicher, rauscharmer,
selektiver und in der Bandbreite schmal(bandig) geworden. Gegenüber früher
ist der Empfang heute ein Vergnügen, aber das alles müssen wir durch Kauf
neuer oder gebrauchter Geräte verhältnismäßig teuer bezahlen.
Trotzdem wird der
Lötkolben nicht kalt. An Geräten fürs 2-m-Band und 70-cmBand wird immer
noch gebastelt und experimentiert. Außerdem gibt es heute mehr denn je
Bedarf an Hilfs- und Zusatzgeräten, die in Eigenbau hergestellt werden
können.
Während sich der
Fortschritt der Technik bei unseren Geräten zum Vorteil auswirkte, nimmt
ein anderes Problem negativen Trend: Es sind die rechtlichen Probleme, die
wir mit unseren Antennen haben. Früher wurde meistens die
"Langdrahtantenne", die sich kaum von der alten Radioempfangsantenne
unterschied, benutzt. Durch die hochohmige Einspeisung war das damit
verbundene Vagabundieren der HF sicher groß, aber zu stören gab es damals
nichts. Das änderte sich mit der Einführung des UKW-Hörempfangs und des
Fernsehens.
Also wurden die Sender oberwellensicherer gemacht und die Energie mittels
Pi-Filter niederohmig über Koaxkabel in die Antenne eingespeist, damit die
HF nur keine krummen Wege gehen konnte. Wenn aber Fernseher dennoch gestört
wurden, liegt das meistens in der nicht genügenden Störsicherheit der
TV-Geräte. Um Ärger aus dem Wege zu gehen, verbieten Hausbesitzer die
Errichtung einer Amateurantenne. Es wird also für den Funkamateur immer
schwieriger, an die für sein Hobby unerlässliche Antenne zu kommen, zumal
eine Quad oder ein Beam recht wuchtige Gebilde sind und diese beim Hauswirt
schon wegen des Aussehens auf Abneigung stoßen. Billigung finden eher noch
Antennen fürs 2-m-Band und 70cm-Band, weil sie sich nicht sehr von den
üblichen Fernsehantennen unterscheiden. Deshalb muss sich mancher OM
resigniert mit einer Behelfsantenne auf dem Balkon bescheiden.
Im Zuge des
Kabelfernsehens haben bereits einige Gemeinden in ihre Bebauungspläne
generelle Antennenverbote aufgenommen. Wir sind daher unserer Stadt sehr
dankbar, dass sie an solche Verbote nicht denkt. Dennoch belastet uns diese
Angelegenheit. Aber Funkamateure sind erfinderisch und werden sicher einen
Ausweg finden.
