Editorial cq-DL 08-2020 - Eine Meinung dazu

Im Editorial der CQ-DL 8-2020 bezieht Martin, DG9KS eine sehr pointierte Position zum Thema Selbtbau im Amateurfunk als Teil dessen Selbstverständnisses.

Mich persönlich (DL1KJ) hat dieser Text sehr getroffen - versuchen wir doch seit Jahren im Rahmen unserer Amateurfunkausbildung Toleranz, Offenheit und Neugier als Grundwerte zu vermitteln - von alledem habe ich in diesem, sehr einseitigen, Editorial wenig gefunden.

Speziell als Ausbilder fühle ich mich regelrecht "im Stich gelassen", wenn nach einer solchen Publikation Rookies fragen "Mein Fokus liegt aktuell auch weniger auf der Technik, als eher auf dem Betrieb. Darf ich dann nicht mitmachen?"

Ich habe daraufhin am 25.Juli an die PR-Beauftragte unseres Verbandes, Steffi Heine DO7PR folgenden Leserbrief geschrieben:

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Leserbrief zum Editorial CQ DL 8-2020

 

These: Martin, DG9KS postuliert: nur der technik-affine Funkamateur ist ein „echter“ Funkamateur.  

Veto!  

 

Die „Menschwerdung“ beginnt erst mit Klasse „B“ (ca. 1985) - „Wer kein CW kann ist kein echter Funkamateur (2003)“ - Klasse „E“-Funkamateure sind keine „echten Funkamateure“ (2005)  

VETO!  

 

„Wer keinen Funkbetrieb macht, ist kein Funkamateur“ – „wer nicht selbst baut, ist kein Funkamateur“ – „wer nicht Mitglied im Verband ist, ist kein Funkamateur“- „wer QSOs ohne technischen Inhalt führt, ist kein Funkamateur“  

VETO!!!

 

Ich bin mir sicher, das Editorial war anders intendiert. Nämlich als „pro Selbstbau“, wie es von vielen Gruppen – hier sei namentlich QRProject als Beispiel genannt – seit Jahren und Jahrzehnten propagiert und gelebt wird.

Ich bin selbst durch den technischen Aspekt zum Amateurfunk gekommen – „main part of my hobby is still heatin‘ up the soldering iron!“ (QRZ.com)

ABER: nach vielen Jahren aktiver Ausbildung habe ich verstanden: es die MENSCHEN, die unser Hobby so unverwechselbar machen.

Verschiedene Menschen mit all ihren unterschiedlichen Biografien; unterschiedlicher Herkunft; verschiedenen Zielen: geeint im Hobby Amateurfunk!

Dies sind allesamt fantastische Menschen, die eine solche Bereicherung für unser gemeinsames Hobby sind. Darunter: Die YL, die den Rundspruch für sich entdeckt hat und dort aktiv ist. Der Mathematiker, der geniale SDR-Berechnungen entwickelt, aber eigentlich im Leben kein QSO gefahren hat. Der OM, der sich als US-VE einbringt. Und auch der HF-Entwickler – der dann 4kW-PAs baut („darunter geht’s nicht“).

QSOs ohne fachlichen Hintergrund („laber-QSOs“) sind richtig und wichtig! Gerade in Zeiten wie diesen sind soziale Kontakte essentiell. Auch im abendlichen Repeater-QSO! –Um jetzt dem „früher war mehr Lametta“ entgegen zu treten: auch in meiner AFU-Anfangszeit (Ende 80er) gab es Runden, in denen –freundlich gesagt- der Austausch über AFU-Technik nicht im Fokus stand…

Diversität im Club beginnt oder endet (eben) nicht bei sexueller Orientierung (siehe Ronnys Editorial) – sondern bei JEDEM von uns – unser Gegenüber als einzigartig, und wertvoll zu akzeptieren!

Eines kann ich jedem von uns versprechen: wir alle werden -früher oder später- „betreuten Amateurfunk“ benötigen. Und für diese Zeit brauchen wir NACHWUCHS – und spielt es keine Rolle, durch welche Motivation der Nachwuchs zu uns gefunden hat. –Alles andere ist „Sterben in Schönheit“.

 

Vy 73, Rolf DL1KJ

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Steffi schrieb mir in ihrer Antwort am 27.Juli, dass viele Zuschriften zu diesem Thema kamen - Und die Redaktion plant "...eine Sonderseite zu den Rückmeldungen zu bringen, um diese Diskussion aufzuzeigen".

Es ist richtig und wichtig, dass in einem Magazin wie der CQ-DL auch kontroverse Meinungen ihren Platz finden. Genau so richtig ist es aber auch, Position zu solchen Meinungen zu beziehen: also, schreibt an unseren Verband redaktion(at)darc.de

 

73, Rolf DL1KJ

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