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Reißnagel – Brettschaltung II --- Autor: DL2RR
13 Dezember 2009
Die in [1] beschriebenen Variante war für Jugend-Aktions-Tage und ähnliche Veranstaltungen gedacht. Da man weder Alter noch Vorkenntnisse der Kinder kennt, lässt sich ein vorgegebenes Zeitlimit nur mit entsprechender Vorleistung und individueller Betreuung einhalten. Im Gegensatz dazu eignet sich die nachfolgend beschriebene Variante (Bild 1) besonders für Schulklassen und Bastelkurse. Da ist eine ausreichende Vorbereitungszeit gegeben und die Kinder können nach Anleitung mehr oder weniger selbstständig arbeiten. Der sich ergebende Mehraufwand beschränkt sich ausschließlich auf den Zuschnitt des Brettchens. Dieses wird nach dem Bestücken auf die Innenseite des Deckels geklebt. Dabei ist mit großer Sorgfalt vorzugehen, damit sich das Gehäuse hinterher auch wieder schließen lässt. Die durch diese Anordnung erreichten kurzen Zuleitungen erleichtern nicht nur den Zusammenbau, sie gestalten in auch wesentlich übersichtlicher.
Der Aufbau besteht im Wesentlichen aus vier Abschnitten:
- das Holzbretchen
- die Schaltung
- der Einbau ins Gehäuse
- die Inbetriebnahme
Die Schaltung der beiden Versionen ist identisch. Der Aufbau des Brettchens (Bild 1) selbst unterscheidet sich bis auf die Aussparungen nur unwesentlich von der anderen Variante. Je nach dem, ob es sich um eine eintägige Aktion oder um eine AG handelt, die sich über mehrere Tage hinweg zieht, lassen sind die Bausätze entsprechend vorbereiten und bearbeiten. Vorteilhaft sind die sehr kurzen Zuleitungen, für Instrument und Lautsprecher lässt sich sogar unmittelbar der Schaltdraht verwenden, der die Lötpunkte verbindet.
Das Holzbrettchen
Für das Holzbrettchen eignet sich nur weiches Holz, in das sich die Reißnägel leicht eindrücken bzw. -klopfen lassen. Hartholz sowie Faser- und Spanplatten sind ungeeignet. Es wird entsprechend der Maßzeichnung (Bild 2) ausgesägt. Die Abweichung von den angegebenen Maßen soll, wenn nicht anders angegeben ist, maximal 1mm betragen. Bei Lochsägen ist der nächst größere Durchmesser zu nehmen, soweit er die angegebene Toleranz nicht überschreitet. Die Vorlage (Bild 3) ist vorzugsweise auf Karton zu drucken. Normales Papier kann sich beim Aufkleben verziehen, besonders wenn zu viel und zu flüssiger Klebstoff benutzt wird. Der in der Zeichnung enthaltene Rand darf weggelassen werden, er hat keinen Einfluß auf die Funktion. Wird mit Laubsäge gearbeitet, empfehle ich das Aussägen der Durchbrüche erst nach dem Aufkleben der Vorlage. In diesem Falle sind die inneren der gestrichelten Linien zu benutzen.
Der Einbau ins Gehäuse
Vor dem Einkleber des Brettchens sind Potentiometer (Bild 5) und Drehkondensator (Bild 6) zu montieren. Diese beiden bestimmen den Platz des Brettchens, das genau in der Mitte des Deckels angebracht sein muss. Eine Toleranz von 1mm nach oben oder unten ist gerade noch zulässig. Die Schrauben zur Drehko-Befestigung dürfen nicht zu tief ins Gehäuse gedreht werden, da sie sonst den Rotor blockieren. Hier haben sich je zwei Unterlegscheiben bewährt. Die Halterung des Lautsprechers ist zu entfernen, sie lässt sich leicht abziehen. Ist sichergestellt, daß sich der Deckel noch schließen lässt, wird das Brettchen mit der Heißklebepistole an drei oder vier Stellen innerhalb der Aussparung für den Lautsprecher fixiert. Jetzt fehlen nur noch Lautsprecher, Batteriehalter und Antenne, die ebenfalls auf die für sie markierten Plätze geklebt und angeschlossen werden.Versuche mit ein- und zweiseitigem Klebeband (Bild 7) brachte nicht den erwünschten Erfolg. Über kurz oder lang lösten sie sich wieder und die Antenne klebte am Lautsprecher.
Der Drehkondensator wird unmittelbar an die beiden Reißnägel gelötet.
Die Drähte des Potentiometers sind entsprechend Bild 4 an die farbig gekennzeichneten Reißnägel zu löten. Hinweise zum Aufbau befinden sich in der beiliegenden Original-Beschreibung des Bausatzes. Darüber hinaus findet man weitere Informationen auch unter [2] und [3].
Die Schaltung
Als ersten sind an allen markierten Stellen Reißnägel einzudrücken bzw. -klopfen. Aus Sicherheitsgründen sind nur Reißnägel mit massiven Köpfen zu verwenden, bei denen sich der Stift beim Eindrücken nicht lösen kann.
Das Verzinnen der Reißnägel kann gleichzeitig als eine Einführung zum Löten genutzt werden. Es kann nichts kaputt gehen und Reißnägel sind geduldig.
Alle grauen Linien zwischen den Reißnägeln kennzeichnen eine Verbindung, die dicke Linie stellt den Bezugspunkt (Masse) der Schaltung dar. Sie werden mit blanken Drähten (Silberdraht) nachgezogen und verlötet. Dabei lassen sich die Fortschritte der Kinder beim Löten gut beurteilen. Bei den Stützpunkten L und I lässt man zweckdienlich die Drähte etwa 4 - 5 cm länger, um sie zum Anschließen von Lautsprecher und Instrument mit zu verwenden. Der Draht von S+ zum Lautsprechern ist sicherheitshalber zu isolieren (Bild 3). damit keine Berührung mit dem darüber liegenden Kondensator entstehen kann. Alternativ kann der Lautsprecher aber auch unmittelbar mit einem isolierten Draht an den „S+“-Stützpunkt verbunden werden. Als nächstes kommen die Widerstände und Kondensatoren dran. Infolge des eingezeichneten Farbkodes (vgl. Tabelle 1) sollte deren Platzierung kein Problem darstellen. Alle Kondensatoren sind gleich, bei den Elkos ist auf richtige Polarität zu achten. Der graue Pfeil mit dem „-“ zeigt auf den „Minus-Draht“. Den beiden Halbleitern ist besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Sie sind in identischen Gehäusen und unterscheiden sich nur in der Aufschrift. Aus diesem Grund wurde der Transistor (BC547) mit einem weißen Farbpunkt markiert und in der Vorlage ist er mit schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund gekennzeichnet.
Die Inbetriebnahme
Nach Einlegen der Batterie und Einschalten mit dem Lautstärkeregler am rechten Anschlag soll sich der Zeiger des Instrumentes im roten Bereich befinden. Wird jetzt mit dem rechten Knopf langsam abgestimmt, sollten ein bis drei Sender mit einigermaßen guter Lautstärke zu hören sein. Anzahl und Lautstärke der Sender hängen von den örtlichen Gegebenheiten ab.
- Sind keine Sender oder wenigstens Pfeifstellen zu hören, ist voraussichtlich die Antenne nicht richtig angeschlossen. Es kann sich auch um 'kalte' Lötstellen handeln, oder die Litze wurde nicht einwandfrei abisoliert bzw. verzinnt.
- Bei geringerem Ausschlag liegt die Ursache wahrscheinlich an einer 'altersschwachen' Batterie. Aber auch ein Fehler in der Schaltung kann die Batterie so stark belasten, dass sie sozusagen zusammenbricht. Hier hilft nur eine genaue Kontrolle der Verdrahtung auf dem Brettchen.
- Bleibt dagegen der Zeiger in seiner Ruhelage, ist mit Sicherheit eine Verbindung oder ein Bauteil vergessen worden.
- Ist kein Fehler in der Beschaltung zu erkenne, kann ein fehlerhafter Einbau der Halbleiter vorliegen. Hier ist auf deren Bezeichnung und auf den richtigen Anschluß der Beine zu achten.
- Wenn das alles nicht hilft, muß gemessen werden. Eine Anleitung dafür befindet sich unter anderem in [4].
Bei allen Veranstaltungen waren dies die Ursachen für ein nicht funktionierendes Radio. Die Fehlerquote lag allerdings dabei deutlich unter 5% aller gebauten Geräte. Bei entsprechender Sorgfalt des Aufbaues und einer anschließenden Sichtkontrolle kann mit einem sofortigen Erfolgserlebnis gerechnet werden.
Literatur Hinweis
[1] Zimmermann, D., DL2R: Reißnagel-Brettschaltung, CQ DL 9/09, S. 661
[2] Böhlke, H.-P., DJ6HB: Das Retroradio - Einstieg in die Funktechnik, CQ DL 9/09, S. 659
Stückliste des modifizierten RetroRadio
| Pos | Anzahl | Bezeichnung |
|---|---|---|
| 1 | 1 | Holzbrett 170x118 mm² – passend zugeschnitten |
| 2 | 1 | Schaltungsvorlage (Papier oder Karton) - optional geschnitten und aufs Brettchen geklebt |
| 3 | 30 | Reißnägel mit Massivkopf |
| 4 | 2 | Unterlegscheiben für Drehko-Befestigung |
| 5 | 60cm | Silberdraht |
| 6 | 1 | Isolierschlauch rot für Drahtbrücke von S+ nach L |
| 7 | 4 | Drähte ca. 5cm (rot, gelb grün und blau) für Potentiometer - optional mit Potentiometer verlötet |
| 8 | 1 | Batterie AA 1,5V |
| Zusätzlich als Option: | ||
| 9 | 4 | Drähte ca. 5cm blau für Lautsprecher und Instrument |
| 10 | 1 | Transistor BC547B als Reserve |
| 11 | 1 | Integrierter AM-Empfänger TA7642 als Reserve |
Meßpunkte
Diese zehn Meßpunkte entsprechen den Punkten, wie sie in Burkhard Kainkas Artikel „Retro-Radio, Messen und Testen“ in [4] beschrieben wurden.






