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Rundfunktechnik um 1927
Von unserem Mitglied Wolfgang (DF1MD)
Mit Beginn des Rundfunks in Deutschland vereinigten sich Hörer und Radiobastler in Radio-Clubs, aus denen später Interessenten für Kurzwelle eigene Verbände gründeten, so auch den DASD-Deutsche Sende- und Empfangsdienst e.V. Damals konnten nur eingetragene Vereine Sendegenehmigungen erlangen, soweit sie politisch unbedenklich schienen.
Rundfunktechnik und -wirtschaft standen im Umbruch:
Vom Kopfhörer zum Lautsprecher,
Von Batterien zum Netzanschluß,
Vom Detektor zum Röhrengerät,
Vom Einkreiser zum Mehrkreiser,
Immer mehr Sendeanlagen mit größerer Leistung entstanden,
Steigende Hörerzahlen trotz Wirtschaftskriese,
Von ungezählten Rundfunkfirmen, die entstanden waren, blieben nur noch wenige übrig,
Kurzwellen galten bisher als unbrauchbarer Wellenabfall, sie wurden aber von Bastlern und Liebhabern erschlossen. Weltweite entstanden Kurzwellenvereinigungen.
Die meisten Hörer benützten immer noch Kristalldetektoren mit Kopfhörer, die ohne Betriebsspannung für den Ortsempfang mit Kopfhörer gut funktionierten. Legte man diese in eine Schüssel, konnte die Familie als Lautsprecherersatz die Darbietungen mitverfolgen. Fernempfang war abends aber auch möglich. So vernahm man in Süddeutschland regelmäßig Turin und Mailand. In den Anfangsjahren waren Rückkopplungsempfänger verboten, da sie beim Einsetzten der Rückkopplung als Sender strahlten. Man benötigte eine Audion-Versuchserlaubnis, die nur Radio-Clubs genehmigt wurden.
Fast alle Röhrengeräte waren Einkreiser mit Rückkopplung und Batteriebetrieb mit 4 Volt Heizung (Akku) (-Autowerkstätten luden sie wieder auf-) und 90 Volt Anodenbatterie. Die ersten Netzanoden wurden angeboten und einige Voll-Netzempfänger kamen auf den Markt. Zwei-und Dreifachröhren in einem Glaskolben wurden angeboten.
Alle Geräte konnten nur den Mittel-und Langwellenbereich empfangen. Spulen wurden oft noch eingesteckt, um den Wellenbereich zu ändern. Es gab nur einen einzigen Empfänger im Jahr 1927, der zusätzlich das 49 m Band enthielt. Nach und nach konnten man sog. Mehr- kreisempfänger erwerben, die aber wegen der noch fehlenden Schirmgitterröhren mit Neutralisationseinrichtungen versehen werden mußten, um wildes Schwingen der HF-Stufen zu unterbinden. Superhetgeräte wurden erst später bekannt.
Die Preise aller Marken lagen zwischen 40 Reichsmark für Einröhrengeräte bis 500 RM für Mehrkreiser mit Kurzwelle. Zum Preisvergleich: Eine Brezel kostete damals etwa 5 Reichspfennige. Daher bastelten viele Rundfunkliebhaber ihre eigenen Geräte nach Bausätzen oder in den Radio-Clubs. Für den Fernempfang benötigte man lange und hohe Außenantennen, die mit Blitzschutz zu versehen waren.
In den ersten Jahren nach Einführung des Rundfunks schossen unzählige Firmen wie Pilze aus dem Boden. Etwa um 1927 blieben nur noch wenige Rundfunkfabriken übrig, wie AEG, Mende, Nora, Telefunken, Siemens, Seibt etc.
1927 gab es in Deutschland ca. 2,1 Millionen angemeldete Rundfunkhörer, die Zahl der Schwarzhörer läßt sich kaum einschätzen, obwohl empfindliche Strafen eingeführt wurden, wenn man sich erwischen ließ. In Augsburg stieg 1927 in einem Jahr die Hörerzahl von etwa 1000 auf 14 000 Rundfunkteilnehmer, nachdem der Zwischensender in der Grottenau in Betrieb genommen wurde, den man in der ganzen Innenstadt mit Detektorempfänger hören konnte.