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Wetter seit 1820
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Immer wenn ein Sommer wettermäßig schlecht ausgefallen ist, hört man vorallem von älteren Menschen die Worte: Früher war das Wetter besser.Und dann erzählen sie von den kalten Wintern mit Schnee und Eis und den schönen warmen Sommern, in denen man fast an jedem Tag im Freien baden konnte. Stimmt das nun wirklich - so werde auch ich hin und wieder gefragt - war das Wetter in Deutschland früher wirklich besser? Die Antwort ist ein ganz entschiedenes Nein.
Die Aussagen dieser Menschen sind jedoch allzu verständlich und erklärbar: Der Mensch erinnert sich nach vielen Jahren hauptsächlich nur noch an prägnante und vor allem schöne Erlebnisse. Das ist eine ganz normale Schutzvorrichtung in unserem Gehirn, die bewirkt, dass wir uns mit Problemen und wenig angenehmen Dingen aus unserer persönlichen Vergangenheit nicht mehr weiter beschäftigen, sie sozusagen verdrängen, weil sonst der Berg der psychischen Belastungen immer großer werden würde.
Prüfen Sie einmal selbst, was Sie z.B. anderen Leuten aus ihrer Vergangenheit am liebsten berichten, aus Zeiten, die vielleicht 30 oder 40 Jahre zurückliegen, manchmal auch weniger. Das Schöne schlägt nach jedem Steinwurf in den See unserer Erinnerungen stets vorrangig Wellen vor dem Unliebsamen. Wie war das nun wirklich mit dem Wetter seit etwa 1820. Betrachtet man das vieljährige Mittel der Winter seit 1821, so gab es bis 1900 37 milde und 43 kalte Winter. Dieses Verhältnis änderte sich in diesem Jahrhundert recht krass zugunsten der milden Winter. Auf 55 milde kamen nur 25 kalte Winter. Auch die extrem kalten und extrem kalten und extrem milden Winter sind in ihrem Verhältnis ähnlich. Im Zeitraum von 1821 bis 1900 gab es 10 extrem milde und 11 extrem kalte Winter. In diesem Jahrhundert bis 1980 hatten wir 12 sehr milde und 6 sehr kalte Winter. Die 6 sehr kalten Winter in unserem Jahrhundert waren die Winter 28, 39, 40, 41, 46 , 62/63.
Bemerkenswert ist die unmittelbare Aufeinanderfolge der strengen Kriegswinter indiesem Jahrhundert. Das gibt sicher zu manchen Erzählungen über die früheren kalten Winter Anlass. Bemerkenswert ist aber auch die lange Pause zwischen den Strengwinter 1894 und dem ersten Strengwinter 1928. Die verschieden langen Abstände der Strengwinter erschweren ihre Prognose. Die Gegenüberstellung der mitteleuropäischen Sommer für das vorige und jetzige Jahrhundert ergibt mit 35 warmen und 45 kühlen Sommern im vergangenen Jahrhundert und 36 warmen und 44 kühlen Sommern in diesem Jahrhundert keine wesentlichen Unterschiede. Auffallend ist jedoch die Abnahme der sehr warmen Sommer in unserem Jahrhundert von 11 auf 7, besonders aber die Zunahme sehr kühler Sommer von 8 auf 14. Die Sommermitteltemperatur liegt in unserem jetzigen Jahrhundert etwa um 0,1 Grad niedriger als im vergangenen Jahrhundert. Was wir heute an unserem Sommerwetter beklagen - zu kühl und zu nass - das hatten wir bereits zwischen 1911 und 1920. In diesem Zeitraum gab es 8 zu kühle Sommer.
1913 fand sogar der bisher kälteste Sommer dieses Jahrhunderts statt. Danach wurden die Sommer wieder wärmer, Höhepunkte der warmen Sommer gab es zwischen 1941 und 1950 mit dem Rekordwärmesommer 1947. Bis 1980 ging die sommerliche Wärme wieder leicht zurück. Dieser Trend wurde nur durch einige sehr warme Sommer unterbrochen. Bis 1980 gab es nur 7 sehr warme mitteleuropäische Sommer, und zwar 11, 47, 50, 52, 59, 76. Wenn ein Sommer so ausfällt wie in diesem Jahr, sollte uns das nicht beunruhigen, Unkenrufe über Klimaänderungen wie z.B. bevorstehende Eiszeiten oder aber auch auf der anderen Seite über ständige Erwärmung infolge des Kohlendioxydgehaltes in der Luft sind bis zum heutigen Tag nicht ausreichend zu belegen. Allerdings sollte jede Besorgnis, dass sich das Wetter doch in den kommenden Jahrzehnten einmal ändern könnte, dennoch ernst genommen werden. Die Eingriffe des Menschen in den Haushalt der Natur sind unbestritten. Könnte es nicht sein, dass wir in einigen Jahren doch plötzlich vor der Frage stehen:
Ähnlich wie jetzt beim Waldsterben, woher kommt es, dass sich bestimmte Wetterereignisse und Wetterextreme häufen. Woher kommt es, dass die Dürregebiete wachsen, dass Wetterkatastrophen zunehmen. Ich persönlich halte das Abholzen der tropischen Regenwälder in den letzten 20 Jahren , wenn das so weitergeht, für sehr gefährlich für unsere globale Klimaentwicklung, noch viel gefährlicher als die Anreicherung mit Kohlendioxyd.Zunächst bleibt es aber dabei, dass die Messungen des vorigen und jetzigenJahrhunderts noch keine besonders auffallende Klimaänderung in Mitteleuropabelegen können. Hoffen wir, dass es so bleibt. Der nächste warme Sommer kommt bestimmt, aber wie immer: selten. Gerade weil er so selten ist, erzählen wir Mitteleuropäer lange davon. Und das hört sich dann leicht so an, als wäre das Wetter früher besser gewesen als heute. |
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