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IARU Region 1 Interims-Sitzung Wien 2010
Dr. Lothar Wilke, DL3TD, 2010-04-02
Contestthemen
Die Interims-Sitzung des HF-Komitees, die auch zur Vorbereitung der nächsten Vollkonferenz dient, behandelte u.a. mehrere Contest-Themen. Schnelle Entscheidungen standen nicht an, was die Möglichkeit eröffnete, offene Fragen noch nach dieser Sitzung in Ruhe zu klären und gegebenenfalls die Contester zu Hause nach ihrer Meinung zu befragen.
CQ-Rufe auf zwei Frequenzen im gleichen Band?
Eine interessante Diskussion gab es in den vergangenen Monaten zum Thema Multi OP / Single TX. Gut ausgerüstete und erfolgreiche Teams funken seit Jahren auf dem sogenannten „Running Band“, also auf dem Band wo CQ gerufen wird, mit 2 OPs, 2 Transceivern und 2 PCs, aber nur einer PA. Eine Verriegelungsschaltung zwischen den zwei Transceivern sorgt dafür, dass immer nur einer senden kann. Praktisch läuft das dann so ab, dass entweder beide OPs auf einer Frequenz um die Wette funken oder der zweite OP auf dem gleichen Band Multiplikatoren arbeitet oder noch nicht gearbeitete Stationen anruft.
Nun möchten aber ganz gewiefte Contester diese Möglichkeit dahingehend ausreizen, dass sie gleichzeitig auf zwei Running ORGs Betrieb machen. Der erste OP sendet beispielsweise auf 7070 kHz CQ und der zweite auf 7180 kHz. Dies geschieht abwechselnd. Während der eine OP sendet, hört jeweils der andere und umgekehrt. Auf Grund der Verriegelung ist immer nur ein Signal in der Luft, so dass die entsprechenden Contestregeln exakt eingehalten werden. Natürlich könnte ein eingespieltes Team auf diese Art auch auf drei oder vier Frequenzen funken.Mehrere HF-Manager betonten zu diesem Thema, dass man Innovation nicht bremsen solle. Allerdings fanden alle Beteiligten die Tatsache, dass die Contestfrequenzbereiche dadurch künftig zusätzlich stark belastet würden, für sehr bedenklich und empfahlen, die Multi OP / Single TX-Definition in HF-Managers-Handbook der IARU Region 1 künftig wie folgt vorzunehmen:
„Eine Multi OP / Single TX-Station ist eine Multi-OP-Station, die nur ein Signal und nur eine Running QRG zur gleichen Zeit benutzt.“
Nach Disqualifikation weltweit für ein Jahr sperren?
Ein anderes Thema betraf die Disqualifikationspraxis in Contesten. Der US-amerikanische CQ-Verlag, also der Veranstalter der CQ-WW- und CQ-WPX-Conteste, hatte u.a. beim DARC angefragt, ob man nicht ein weltweites Regelwerk schaffen sollte, um nach einer erfolgten Disqualifikation in einem weltweiten Contest die betreffende Station international für ein Jahr für alle anderen Conteste zu sperren.
Nach ausführlicher Diskussion befanden die Anwesenden, dass derartige Maßnahmen im Hobby-Bereich viel zu hart seien. Man sollte weiterhin den nationalen IARU-Verbänden jeweils für ihre eigenen Conteste die Entscheidung, wie nach Regelverstoß zu verfahren ist, überlassen, zumal die IARU ja auch keinerlei Einfluss auf die Durchführungs- und Disqualifikationspraxis der CQ-Conteste hat.Wir sahen dies auch so, denn unsere Erfahrung zeigt sogar, dass es nach Regelverstößen fast immer zu einem Einsehen der betroffenen OPs kommt und in den wenigsten Fällen letztendlich eine Disqualifikation ausgesprochen werden muss.
Contestbevorzugte und contestfreie Bereiche
Wir haben in den vergangenen Jahren aktiv im Rahmen der IARU Region 1 dafür geworben, in den Contestausschreibungen contestfreie Bereiche zu publizieren. Dies soll Nichtcontestern an den Wochenenden dort einen ungestörten Funkbetrieb ermöglichen. Wir konnten an Hand einer von uns erstellten Analyse zeigen, dass viele IARU-Verbände sich auch auf diesem Weg dahin befinden. Interessant war festzustellen, dass viele kleine, regionale Conteste ihre zum Teil sehr eingeschränkten Contestbereiche publizieren. Der auf der letzten IARU-Region 1- Konferenz in Cavtat beschlossene Bandplan enthält auf 40 m die Empfehlung, den Bereich 7000 kHz bis 7025 kHz als „contest preferred“ zu nutzen. Als wir dies 2009 im WAEDC CW praktisch umsetzen wollten und Contestbetrieb oberhalb 7025 ausschlossen, erlebten wir einen Sturm der Entrüstung von vielen W-Contestern: In den U.S.A. dürfen unterhalb 7025 kHz nämlich nur die Extra-Class-OPs funken. Also entschieden wir uns für 7040 als oberste Grenze.Die RSGB regte in Wien an, im Bandplan per Fußnote zu vermerken, dass dieser contest-preferred-Bereich im 40-m-CW-Band speziell für kleinere Conteste genutzt werden sollte.
WAG-Contest und Jamboree On The Air am gleichen Wochenende
Seit fast 50 Jahren findet am dritten Oktoberwochenende der WAG-Contest (ehemals WADM, WAY2) statt. Ebenso veranstalten die Pfadfinder weltweit ihr Jamboree on the Air (JOTA), wo junge Leute ohne Amateurfunk-Sendegenehmigung unter Anleitung erfahrener Funkamateure auf den Kurzwellenbändern mit Gleichgesinnten funken dürfen und so über ihre Pfadfinderaktivitäten sprechen.Früher gab es zwischen Contestern und Pfadfindern kaum Probleme, aber da die Contestaktivitäten in den vergangenen Jahren stark anstiegen (1400 Logs von 7000 teilnehmenden Stationen, fühlten sich die Pfadfinder wiederholt gestört. Vertreter des DARC-Referates für DX und HF-Funksport trafen sich deshalb bereits 2006 mit Vertretern der großen deutschen Pfadfinderverbände, um gemeinsam Lösungen zu suchen. So wurden im WAG-Contest auf allen KW-Bändern zusätzliche contestfreie Bereiche eingeführt. Diese Praxis hat sich hervorragend bewährt. Dass sich hin und wieder ein Gelegenheits-Contester, der noch nie eine WAG-Contestausschreibung gelesen hat, in die contestfreien Bereiche verirrt, tut dem keinen Abbruch. Wir bewegen uns hier im Hobby-Bereich und wir alle erleben im Alltag, dass selbst in gesetzlich geregelten Bereichen wie zum Beispiel im Straßenverkehr, sich nicht alle Menschen an diese Regeln halten. Die Praxis zeigt aber auch, dass nicht alle JOTA-Betreuer aus den Kreisen der Funkamateure diese contestfreien Bereiche kennen und dann beim Funken mit den Pfadfindern im Contestbereich über WAG-Contest-QRM klagen. Wir haben deshalb alle IARU-Region1-Verbände, die JOTA unterstützen, gebeten, nicht nur im Contestteil ihrer Publikationen diese contestfreien Bereiche zu veröffentlichen, sondern alle JOTA-unterstützenden Funkamateure zu informieren. Dies wurde von den HF-Managern positiv aufgenommen.
IARU HF World Championship
Seit Jahren sind die Regeln der IARU-Kurzwellen-Weltmeisterschaft in der Kritik. Verbindungen zwischen Stationen in der gleichen ITU-Zone zählen einen Punkt, Verbindungen mit Stationen in einer anderen ITU-Zone 3 Punkte und DX-Verbindungen sind 5 Punkte wert. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise SP-Stationen für QSOs mit DL einen Punkt erhalten (beide Zone 28) während Engländer und Franzosen 3 Punkte für DLs notieren,da sie sich in Zone 27 befinden. Wir haben diverse Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt und angeregt, in den nächsten Monaten zwischen den HQ-Teams eine intensive Diskussion zu führen. Dies wurde voll unterstützt und beschlossen, den HF-Reflektor der IARU Region 1 zu benutzen.Da die ARRL 2009 zum wiederholten Male die Ergebnisse der IARU-Kurzwellen-Weltmeisterschaft falsch berechnet hatte, wurde dies natürlich auch thematisiert. Nach einer Neuberechnung lag dann DA0HQ vorn vor dem spanischen Team AO8HQ. Vom spanischen Vertreter wurde eine Beschwerde dagegen angekündigt. Nach dem in EA von der ARRL vorliegenden Informationen glaubt man, dem deutschen Team seien die Unique-QSOs, also Verbindungen ausschließlich mit DA0HQ, erst nicht gewertet und dann nach Intervention von der deutschen Seite doch anerkannt worden. Das ist aber völlig unzutreffend, denn die Auswertungssoftware der ARRL enthielt schwerwiegende grundsätzliche Fehler, die erst nach Hinweisen aus DL erkannt und korrigiert wurden. Seit Jahren wird unter den HQ-Teams darüber diskutiert, doch einmal oder auch regelmäßig ein europäisches HQ-Meeting zu organisieren. Im vergangenen Jahr ergriffen unsere Freunde von SN0HQ die Initiative. Im August fand so in Olawa nahe Wroclaw (Breslau) das erste Treffen statt. Wir sehen darin eine hervorragende Möglichkeit den Erfahrungsaustausch zu intensivieren. Derartige Aktivitäten wurden auch von den HF-Managern sehr positiv bewertet. Wegen der konkreten Organisation derartiger Treffen wurde empfohlen, dass dies die HQ-Teams untereinander abmachen sollten.