Ergebnisse der DARC VHF-, UHF-, Mikrowellen-Wettbewerbe

Ergebnisse 2011
Ergebnisse 2010
Ergebnisse 2009
Ergebnisse 2008

 

Auswertung der Logdaten

Dem ein oder anderen ist bekannt, dass uns nicht nur die Logdaten der deutschen Contestteilnehmer vorliegen, sondern - wenn auch verzögert - auch die Logs aus vielen anderen Ländern. Es stellte sich die Frage, was sich aus diesen Logdaten machen lässt.

Das Naheliegenste ist eine Stationsdatenbank. Das ist nett, aber das hat schon jeder und es ist nur noch eine Frage, wie effektiv die diese genutzt wird. In der effektiven Nutzung einer Stationsdatenbank liegt viel Potential, aber darum geht es hier nicht. Dessen ungeachtet ist bei der Ganzen Sache natürlich auch eine Stationsdatenbank entstanden. Diese ist quasi ein Abfallprodukt der Auswertesoftware. Der Nachteil dabei ist, dass die Auswertesoftware darauf ausgerichtet ist, solche Rufzeichen/Locator Kombinationen zu finden, die sicher falsch sind. Für eine Stationsdatenbank ist der umgekehrte Ansatz besser. Trotzdem sind die Daten sicher nicht unbrauchbar. Aus den Wettbewerben seit 2010 gibt es die Datenbank in drei Versionen zum Download:

[Update 29.09.2011: Bugfix DTB Datei]
[Update 29.01.2012: Alle Wettbewerbe von 2009 bis 2011, ca. 18000 Einträge]

Ein anderer Ansatz ist die Betrachtung dessen, was vom eigenen Standort theoretisch erreichbar wäre und in einem weiteren Schritt der Vergleich mit dem, was tatsächlich erreicht wurde. Nehmen wir den Mai 2010 und hier nur das 2m Band und die vorderen 5 Stationen. Diese Stationen haben alle eine Reichweite von 500km, d.h. fast alle Stationen, die in einem Radius von 500km liegen, müssten eigentlich gut erreichbar sein. Schränkt man die Auswertung weiter auf solche Stationen in, die in mindestens 3 Logs stehen, dann kommt man vermutlich auf realistische Zahlen, was erreichbar ist.

Rufz.

Loc.

erreicht

theoretisch

DR1H

JN59OP

302k

477k

DR4A

JN39VV

239k

407k

DD2D

JO50DO

215k

380k

DK5LO/P

JN67DR

166k

499k

DL6IAK

JN48IX

160k

429k

DR9A

JN48EQ

347k

438k

DK0ES

JN48TN

316k

465k

DR2X

JO40QL

298k

373k

DF0MU

JO32PC

223k

327k

DF0FA

JO73CF

194k

313k

Das ist aber nur eine sehr grobe Betrachtung und bringt keine wirklichen Erkenntnisse. Interessanter ist eine feinere Aufteilung nach Entfernung und Antennenrichtung.

Bei DF0MU kann man zum Beispiel sehen, dass zwischen 270 Grad und 60 Grad Antennenrichtung praktisch nichts zu holen ist. Da liegen im Radius bis 800km nur 3600 Punkte. Zwischen 90 und 130 Grad liegen dagegen 244000 Punkte. Würde sich DF0MU nur auf 90 bis 130 Grad beschränken und dort aber alle Stationen erreichen, dann könnte der Contest mit 471k Punkten locker gewonnen werden. Zugegeben, das ist unrealistisch, aber es zeigt das Potential, das für DF0MU in dieser Richtung liegt. Der Vergleich mit dem Log von DF0MU zeigt aber auch, dass dies - zumindest im groben - bei DF0MU bekannt ist.

Anders ist dies bei kleineren Stationen. Da sind die eigenen Erfahrungen und die Kenntnisse vom eigenen Standort nicht ganz so ausgeprägt. Da mir aber keine Informationen über die einzelnen Standorte vorliegen, ist jede Betrachtung reine Spekulation. Dennoch ein Beispiel:

Die Station DL0LB (JN49QA) erreichte im Mai 2011 in einer Entfernung von 300 bis 500 km aus Richtung Norden rund 21029 Punkte. Erreichbar sind dort 75604 Punkte. Aus Richtung 30 bis 90 Grad erzielte DL0LB dagegen nur rund 12005 Punkte. Erreichbar sind dort aber 111937 Punkte. Ob da tatsächlich die Richtung 30 bis 90 Grad sträflich vernachlässigt wurde oder ob das an den örtlichen Gegebenheiten (Wald, Gebäude, Rauschpegel aus der Umgebung etc) liegt?

DL0LB im Mai Contest 2011
Entfernung 300 bis 500km

Antennenrichtung

erreicht

theoretisch

relativ in Promille

330 .. 30 Grad

21029

75604

278

30 .. 90 Grad

12005

111937

107


Woran das tatsächlich liegt, das können nur die YLs und OMs von DL0LB beantworten.

Es wird aber klar, dass nur eine individuelle Auswertung und eine ebenso individuelle Betrachtung der Daten zu sinnvollen Erkenntnissen führen kann. Deshalb kann es an dieser Stelle keinen Download der Daten geben. Ihr könnt diese Daten aber gerne bei mir anfordern. Eine kurze E-Mail unter Angabe des Contests und des Rufzeichens an dl5nah@darc.de genügt. Aber bitte nicht gleich etwas in der Art wie "alle Wertungsgruppen und Conteste von 2009 bis 2011", denn derzeit muss ich alles einzeln einstellen und auch der Rechner braucht einige Zeit bis die Daten aufbereitet sind und auf dem Bildschirm stehen. Seht euch das erst einmal bei einigen wenigen Fällen an (Contest und Wertungsgruppen) und entscheidet dann über alles weitere. Noch ein Hinweis: Diese Daten liegen für einen bestimmten Contest erst einige Monate nach dem Contest vor.

Ausblick

Nachdem mich ein OM darauf angesprochen hat, dass es da doch noch etwas weiter gehen könnte - hier nun auch noch ein paar Sätze zu diesem Punkt: Ja, die jetzt vorliegende Art der Auswertung ist ein erster Schritt. Als ich erstmals auf der GHz-Tagung in Dorsten davon berichtete, kamen sofort weitere Ideen dazu auf. Der wichtigste Punkt davon ist irgend eine Form der Reichweitenbegrenzung der möglichen QSO-Partner. Die Frage die dahinter steckt ist: "Besteht überhaupt eine reelle Change, dass mich die andere Station erreichen kann und wenn nicht, dann haben die Daten dieser Station nichts in der Auswertung zu suchen". Da gibt es nun wiederum drei Aspekte:

  1. die Reichweiten der anderen Stationen, 
  2. die Reichweite der eigenen Station und 
  3. die Reichweiten genau in Richtung des QSO-Partners

Die Reichweite der anderen Station

Dies wird zwangsläufig der nächste Schritt sein. Es erscheint zunächst auch nicht allzu schwierig und könnte einfach anhand des ODX erfolgen. Doch ist das ODX wirklich ein sinnvolles Kriterium? Für die höheren GHz Bereiche könnte es sinnvoll sein. Aber ist das ODX auch auf dem 2m-Band noch ein sinnvolles Kriterium? Erste vorsichtige Betrachtungen zeigen, dass das ODX hier kein sinnvolles Kriterium ist, denn selbst kleinere Stationen bekommen oft noch ein einzelnes schönes DX ins Log das weit über die übliche QSO-Reichweite hinaus geht. Gut, die Mathematik liefert hier wahrscheinlich bessere Verfahren (verschiedene Maße für Mittelwert und Streuung).

Die Reichweite der eigenen Station

Wenn es darum geht, die vorhandene Station optimal zu nutzen, dann spielt die Reichweite der eigenen Station durchaus eine Rolle. Bei den kleineren Stationen ist der Einfluss größer, bei den größeren eher weniger. Obwohl zur Zeit einige größere Stationen sehr reges Interesse an den Zahlen haben, geht es mir bei dieser ganzen Sache vor allem um kleinere Stationen, die ganz ohne zusätzlichen technischen Aufwand eventuell mehr aus ihrer Station holen können. Die Berücksichtigung der Reichweite der eigenen Station ist deshalb ein Punkt, der auch in die Betrachtung einfließen muss.

Die Reichweiten genau in Richtung des QSO-Partners

Dieser Punkt macht bei Stationen mit nur wenigen QSOs wahrscheinlich keinen Sinn, weil die Datenbasis (Anzahl der QSOs in eine bestimmte Richtung) zu gering ist. Es könnten aber zum Beispiel umliegende Stationen mit in die Betrachtung einbezogen werden, so dass zumindest größere Hindernisse, wie die Alpen und Mittelgebirge in die Betrachtung einfließen.

 

73 de Martin, DL5NAH