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Ortsverband Hürth (G50)

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Besichtigung der Rundfunksendestelle Jülich der Deutschen Telekom am 13.09.2002

Von Hans-Peter Prast (DL2KHP)

Freitag der 13. September 2002. War das ein gutes Datum für unseren vorgesehenen Besuch bei der, jetzt zu T-Systems der Deutschen Telekom gehörenden, Rundfunksendestelle Jülich?
Eine Anfrage beim Stationsleiter der Sendestelle, OM Günter Hirte (DL2QC), ob es möglich sei, mit einer Gruppe von Funkamateuren die Sendestelle zu besichtigen, wurde positiv beantwortet und der vorgenannte Termin vereinbart. Insgesamt 20 Funkamateure des OV Hürth (G50) haben sich dann zur Besichtigung angemeldet.
Am besagten Freitag, dem 13. trafen wir uns auf einen zentral gelegenen Parkplatz in Hürth, um dann gemeinsam in Richtung Jülich zu fahren. Nach ca. 40 Minuten Fahrt trafen wir an der Sendestelle ein. Diese war schon von weither an ihren gewaltigen Antennenanlagen zu erkennen.

Ankunft in der Sendestelle

Herr Roman Goslawski, ein Mitarbeiter der Sendestelle, lotste uns dann vom Tor zum Parkplatz am Betriebsgebäude. Hier stellten wir fest, dass einer unser Mitfahrer, ausgerechnet unser SWL Franz, unterwegs verloren gegangen war. Wir hatten es versäumt, jemand mit Funkgerät in seinem Wagen mitfahren zu lassen. Sri Franz.

Begrüßung

Der Stationsleiter der Sendestelle, OM Günter Hirte, begrüßte unsere Gruppe und gab uns eine Einführung über die Historie der Sendestelle und machte uns mit den Abläufen und Problemen der Sendestelle vertraut. Er erläuterte uns den Aufbau und die Anordnung der riesigen Antennenanlage, welche aus insgesamt 42 Antennen besteht, die so ausgerichtet sind, dass alle Regionen der Erde erreicht werden können.

Tafel mit Anntennenschema

In der Mitte der Antennenanlage befinden sich das Betriebsgebäude mit den 12 Kurzwellensendern und die Antennenschaltmatrix, mit der jeder Sender auf jede Antenne geschaltet werden kann. Interessant waren auch die Ausführungen zu den wirtschaftlichen Aspekten der Sendestelle, die das Abstrahlen von Rundfunksendungen als Dienstleistung für die Anbieter vonHörfunkprogrammen anbietet. Zu den angebotenen Dienstleistungen gehören u.a.: Ausarbeitung von Frequenz- und Sendeplänen sowie Berechnung der Übertragungsparameter für das gewünschte Zielgebiet, Frequenzermittlung inkl. internationaler Frequenzkoordinierung, Heranführen des Programms zur Sendestelle z.B. mittels Sattelitenempfang, Telefonanbindung, Tonträger, oder als Datei, Signalaufbereitung durch Audioprozessoren, Abstrahlung in das vom Kunden gewünschte Zielgebiet und Monitoring der Aussendung.

Tonbeispiel Digitalrundfunk

Nach dieser Einführung wurde uns von Herrn Goslawski ein Tonträger mit einer Hörfunkaussendung der Sendestelle vorgespielt. Die Aufnahme stammte aus dem Zielgebiet im asiatischen Raum. Der Höreindruck der Aufnahme entsprach der uns bekannten Qualität auf Kurzwelle. Ein weiterer Tonträger vom selben Aufnahmeort enthielt die Aufnahme einer digitalen Testaussendung der Sendestelle mit einem kristallklaren Klang am Empfangsort. Der Unterschied war frappierend und zeigt, dass hier - auch für den Amateurfunk - noch einiges zu erwarten ist.

Sendersaal

Anschließend zeigte und erklärte Herr Goslawski uns den Sendersaal. Hier befinden sich die 12 PDMKurzwellensender. Die Sender leisten 400 KW PEP bei AM und DAM und 350 KW PEP bei SSB. Die Sender sind mit einem Audioprozessor zur Signalaufbereitung ausgerüstet.

PDM-Kurzwellensender

Uns Funkamateure interessierte natürlich Aufbau und Ausstattung der Sender. Einer der Sender, der zur Besuchszeit nicht in Betrieb war, konnte von uns im Detail besichtigt werden. Nach Öffnen der Schranktür und den erforderlichen Sicherheitsprüfungen (im folgenden Bild ist die gelbe Erdungsstange sichtbar) gab es ziemliches Gedränge, bei dem Versuch, Bekanntes aus der heimischen PA wiederzuerkennen.

KW-Senderendstufe

In Bild 7 ist im Vordergrund die wassergekühlte Endstufenröhre zu erkennen. Im Hintergrund sieht man die riesige Kupferspule des Ausgangskreises. Diese Spule wird zur Anpassung an die Antenne, wie alle anderen Abstimmelemente auch, mittels Servomotor abgestimmt. Der im Bild noch zu erkennende linke, verschlossene Schrank enthält die Modulationsstufe.

Leitstand der Sendestelle

Anschließend wurde der Leitstand der Sendestelle besichtigt. Hier wurde es dann etwas eng, als die gesamte Gruppe sich um Herrn Goslawski drängte. Für die Steuerung der Sendestelle sind hier zwei bis drei Mitarbeiter ausreichend.

Leitstand mit Steuerpult

Vom Leitstand aus werden alle Funktionen der Sender und Antennen gesteuert und auch überwacht. Hier erfolgt die Einspeisung der Audiosignale in den Sender, die Zuordnung des Senders zur Antenne und die Betriebskontrolle sowie die Störungsüberwachung der Systeme.

Antennendisplay

Der Zustand der Antennen wird auf einer Anzeigentafel, auf der die Lage der Antennen räumlich abgebildet ist, durch Leuchtanzeigen dargestellt. Hier ist direkt sichtbar, welche Antenne aktiv ist und welchem Sender sie zugeordnet ist.

Wasseraufbereitung

Nach der Besichtigung des Leitstandes besuchten wir die Wasseraufbereitungsanlage welche mittels Ionenfilter das Wasser entsalzt, damit es als Kühlwasser für die Röhrenendstufen geeignet ist.

Antennenwahlschalter (Ausschnitt)

Anschließend bestaunten wir den "Antennenwahlschalter". Der hat natürlich überhaupt nichts mehr mit dem gemein, was man so aus dem häuslichen Shack kennt. Hier handelt es sich um eine riesige Schaltmatrix, welche die gesamte Rückwand des Sendersaales einnimmt.

Einzelnes Schaltelement (Demonstrationsmodell)

Mit Hilfe dieser Schaltmatrix, in der Art eines Kreuzschienenverteilers, werden die Sender auf die zugeordnete Antenne geschaltet. Die von den Sendern kommenden Leitungen verlaufen horizontal und die zu den Antennen führenden Leitungen vertikal. Durch Verbinden oder Trennen der Kreuzungspunkte sind damit beliebige Zuordnungen von Sendern und Antennen möglich.

Verwendete HF-Kabel

Vom Antennenwahlschalter aus ging es dann in die "Unterwelt" der Sendestelle. Dort, wo die Kabel von den Sendern zum Antennenwahlschalter und von dort nach außen zu den Antennen führen. Auch für die Kabel gilt, dass hier die Dimensionen nichts mehr mit dem uns vertrauten RG213 gemein haben.

Kabeldurchführungen im Untergrund.

Kabeldurchführungen.

Symetrier- u. Transformationsleitungen

Nachdem wir auch hier alles in Augenschein genommen hatten, war die Antennenanlage unser nächstes Ziel. Zunächst besichtigten wir einige "Symetrier- und Transformationsleitungen". Hier erfolgt die Umsetzung von den koaxialen Kabeln auf die Paralleldrahtleitungen zu den Antennen. Die geschätzte Länge dieser Einrichtungen beträgt 30 Meter.

Antennenkonstruktion

Die Antennen selbst sind zwischen Gittertürmen verspannt (Vorhangantennen). Die Höhe dieser Gittertürme liegt zwischen beeindruckenden 50 bis 100 Metern. Die 42 Antennen sind in drei Hauptlinien, welche radial vom Betriebsgebäude wegführen, angeordnet (siehe auch Bild 3, linke Tafel). Die Antennenbezeichnungen orientieren sich an diesem Schema. Die Antennen der nordöstlichen Linie werden mit einer Nummer von 101 bis 119 bezeichnet, die Antennen der südöstlichen Linie mit einer Nummer zwischen 201 und 212 und die Antennen der südwestlichen Linie mit den Nummern 301 bis 308. Dazu gibt es noch 6 Einzelantennen.

Diskussion über Antennen

Je nach Frequenz erreichen diese Antennengebilde einen Gewinn von über 20 dB. Da hörte man doch einige aus unserer Gruppe so vor sich hin rechnen und so einige Sprachfetzen: Da bräuchte man ja nur..........   Japan und VK kein Problem mehr..........   Bei Hundert Watt schon 10 KW Strahlungsleistung..........   EMV-Problem..........

HF-Schalter

Die Umschaltung der Senderichtung einer Antenne erfolgt durch HF-Schalter, die unmittelbar unter der Antenne untergebracht sind. Diese schalten die Antennenelemente um und bestimmen, ob ein Element als Reflektor oder Strahler arbeitet.

Viele Fragen wurden gestellt, die alle von Herrn Goslawski geduldig beantwortet wurden. Wir hatten den Eindruck, ihm hat diese Führung durch die Sendestelle Jülich Spaß gemacht. Wir jedenfalls waren begeistert und bedanken uns an dieser Stelle nochmals herzlich bei Herrn Hirte und Herrn Goslawski für eine informative und interessante Führung durch die Telekom KW-Sendestelle Jülich. Die eingangs gestellte Frage, ob Freitag der 13. ein guter Termin für unseren Besuch in Jülich war, kann hier nur positiv beantwortet werden.