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Ortsverband Westpfalz (K39)

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Ferienprogramm 2016

Aus der "Rheinpfalz" Weltweite Freunde  per  Antenne

Bruchmühlbach-Miesau: Westpfälzer Amateurfunker veranstalten eine Aktivitätswoche und suchen Nachwuchs
Von Michael Böhm

Mit einer „Aktivitätswoche” machen die rheinland-pfälzischen Amateurfunker in diesen Tagen auf ihr Hobby aufmerksam. In Bruchmühlbach-Miesau haben die Funkfreunde ihren Sitz unter dem Dach des Vereinshauses, wo sie noch bis 7. Januar beinahe rund um die Uhr Kontakte zu Gleichgesinnten rund um den gesamten Erdball suchen. Denn Funkamateure sind ein geselliges Völkchen, das seine Freundschaften oft über Jahrzehnte pflegt.

Eigentlich wollte er sich mit seinem Wohnwagen zu Silvester auf den Scharrhof bei Gerhardsbrunn stellen, weil dort der Empfang besser ist. Aber dann kam eine Erkältung dazwischen, und jetzt sitzt Kurt Müller unter dem Dach des Vereinsheims in Miesau. Von hier aus organisiert der 66-Jährige einen Höhepunkt im Jahreskalender seines Vereins: Von 1. Januar, null Uhr, bis Samstag, 7. Januar, Punkt 23 Uhr 59, haben die rheinland-pfälzischen Amateurfunker ihre so genannte Aktivitätswoche.

„Mit dieser Woche verfolgen wir zwei Ziele”, erläutert Müller. „Zum einen möchten wir auch diejenigen Amateurfunker aktivieren, bei denen das Hobby vielleicht etwas eingeschlafen ist. Außerdem wollen wir unsere Funk-Frequenzen in Bewegung halten, bevor andere Interessenten uns die streitig machen.” Denn diese Frequenzen, ob im UKW-Band oder anderswo, sind auch für die Industrie unter Umständen wertvoll. Sie werden von der Bundes-Netzagentur vergeben und können jederzeit neu verteilt werden.

Kein Wunder, dass die Lautsprecher unterm Dach des Vereinsheims derzeit keine Ruhe geben. Immer wieder melden sich leicht blecherne Stimmen aus dem Äther, Kurt Müller antwortet dann mit der Chiffre „DK3DY”. Das ist seine  persönliche Kennung, nur gültig und verstanden in der Welt der Amateurfunker. Seit mehr als vier Jahrzehnten frönt der gelernte Funk- und Radiotechniker diesem Hobby. Er war der Erste, der in den 60er Jahren in seinem Heimatort Miesau eine Funkstation zusammenbaute und im Haus der Schwiegereltern aufstellte.

„Heute hat der Distrikt Rheinland-Pfalz, zu dem die Ortsgruppe Westpfalz gehört, rund 1900 Mitglieder”, berichtet der Vorsitzende Hartmut Schäffner. Der 62-Jährige war früher Polizist, zuletzt in der Autobahn-Wache in Kaiserslautern, er wohnt in Ramstein-Miesenbach. Er vertritt die Rheinland-Pfälzer auch im Deutschen Amateur Radio Club (DARC), der bundesweit etwa 41.000 Amateurfunker organisiert. Die Mehrheit der Mitglieder ist männlich und nicht mehr ganz jung - und man ist, wie viele andere Vereine auch, auf der Suche nach neuen Mitgliedern.

Wie kann so etwas gelingen im Zeitalter von Internet, wo elektronische Kommunikation ganz anders läuft? „Ein gutes Mittel sind unsere Field-Days, die wir jeden Sommer veranstalten”, sagt Müller. Dann ziehen die Amateurfunker mit ihren Geräten und  Antennen irgendwo auf eine Wiese, bauen Zelte auf und laden Kinder aus der Umgebung ein. Im Grünen und bei meist schönem Wetter erklären sie dann, wie die Funkerei so funktioniert. „Besonders beliebt sind die Fuchsjagden”, erläutert Müller, „da müssen die Kinder mit Peilgeräten einen versteckten Sender suchen. Wer ihn zuerst findet, bekommt eine Urkunde.” Und manchmal sind die jungen Menschen anschließend fasziniert von der Welt der Ätherwellen.

Auf den ersten Blick ist Amateurfunk ein eher einsames Hobby: Mann oder Frau sitzen mit Funkgerät und  Antenne auf dem Dachboden. Zwar im Kontakt mit der ganzen Welt, aber eben nur akustisch. „Doch das ist oft nur der Anfang von Freundschaften, die manchmal über Jahrzehnte halten”, schwärmt Müller und erzählt von seinen jährlichen Reisen auf die Funker-Fachmesse in Friedrichshafen, der größten in Europa: „Da trifft sich meine Frau immer mit einer Japanerin, die wir über den Funk kennengelernt haben und die sogar Deutsch spricht."

Denn Deutsch, das wissen nicht viele, ist eine oft gehörte Sprache im weltweiten Netz der Amateurfunker. „Wir haben zum Beispiel einen Freund, der früher hier in Miesau gewohnt hat und jetzt in Australien lebt”, berichten Müller und Schäffner. „Von Zeit zu Zeit haben wir Funkkontakt, vor ein paar Jahren hat er uns in seiner alten Heimat besucht.” Und bis heute ist es üblich, dass sich zwei Funker ihren Kontakt  per Postkarte bestätigen. Diese Kärtchen sind oft fantasievoll gestaltet und haben durchaus Sammlerwert. „Ich habe drei große Kartons voll”, verrät Kurt Müller schmunzelnd.

Es dürften noch ein paar Karten mehr werden, bis die „Aktivitätenwoche” der Miesauer Amateurfunker am Samstag um kurz vor Mitternacht zu Ende geht. Wie am laufenden Band kommen Meldungen aus Nah und Fern rein, die von „DK3DY” beantwortet werden. Dabei herrscht ein freundschaftlicher Ton. Miteinander über den Äther sprechen: Das dürfte doch etwas  persönlicher sein als hunderte von „Freunden” in Facebook zu haben.