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Relais macht Dampf im Äther

RHEINPFALZ (bke) / DO9FB 26.08.10

Hans Otto Tremel DO3PX von Funktechnik fasziniert.

Mit modernster Technik hat Hans Otto Tremel sein Relais bestückt, das den Funkverkehr in der Region verbessern soll.

(Text und Bild aus der RHEINPFALZ vom 25.08.2010)

Wer glaubt, das Handy-Zeitalter habe sie abhängt, der liegt voll daneben: Amateur-Funker sind nach wie vor auf Sendung, knüpfen und pflegen weltweit Kontakte über den Äther und versenken sich mit Leidenschaft in technische Tüfteleien - wie etwa das Relais, das Hans Otto Tremel selbst gebaut hat und von seinem mit Elektrotechnik vollgestopften Arbeitszimmer aus betreibt.

Das Gerät, das seit Juli mit Zulassung der Bundesnetzagentur läuft, soll den Funkern im Raum Kirchheimbolanden zugute kommen. Es soll denen, die zeitweise im Funkschatten operieren oder mit schwächeren Geräten arbeiten, besseren Anschluss zum Funknetz ermöglichen, vor allem zu dem Relais, mit dem sich vom Fernsehturm auf dem Donnersberg aus die Tore zur Welt öffnen. Rund 500 solcher Umsetzer gebe es bundesweit.

„Das Relais war ein Wunsch, der im Ortsverband an mich herangetragen wurde", erzählt der Kirchheimbolander, der sich seit den 60er Jahren mit Funktechnik befasst. Wegen einer Erkrankung habe er sich erst jetzt dieser technischen Herausforderung stellen können - die ihn nun auch mit dem fertigen Gerät nicht loslässt, so sehr sprudeln die technischen Details zu den eingebauten Funkgeräten, der Thermoregelung, den Frequenzen, der Warnanlage, die über Funk unbefugte Zugriffe oder Störungen signalisiert, aus ihm heraus. Er hat noch Ideen für weiteren Verbesserungen, so bastelt er an einer eigenen Stromversorgung mit Solarzellen und Akkus. Auch will er das Gerät nicht auf Dauer in seiner „Funkzentrale" in seiner Wohnung am Güldengewann betreiben. Einen Sponsor suche er, und das heißt in diesem Fall: jemanden, der an einem höheren Standort - Haide oder Schillerhain wären geeignet - wohnt und einen jederzeit zugänglichen Raum für das Gerät und die Antenne zur Verfügung stellen könnte - für Stromkosten komme er selbstverständlich auf, versichert Tremel.

„Wenn das einen mal gepackt hat, dann lässt es ihn nicht mehr los" - so beschreibt Heido Amos, der Vorsitzende des Ortsverbandes Donnersberg im Deutschen Amateur Radio Club, wie sein älterer Vereinskollege die Faszination, die vom Amateurfunk ausgeht. Die Begeisterung für Technik ist nach seinen Worten zumeist ein Ausgangspunkt dieser Begeisterung, aber auch die Möglichkeit, sich weltweit mit Menschen austauschen zu können, in einem Kosmos unterwegs zu sein, in dem man auch immer wieder auf Überraschungen stößt und Neues entdecken kann.

Amateurfunk sei nicht mit CB-Funk zu verwechseln. CB-Funk dürfe wegen geringerer Leistung und Reichweite jeder betreiben, Amateurfunker aber brauchen eine Lizenz der Bundesnetzagentur, für die sie in technischen wie rechtlichen Fragen eine Prüfung ablegen müssen. Von der Agentur erhalten sie dann ihre Funkzeichen, mit denen sie sich identifizieren müssen - Tremel etwa ist als „DO3PX" unterwegs, sein Relais gibt sich mit „DO0SRK" zu erkennen. Der rechtliche Rahmen macht es denkbar, dass Funkamateure in Notsituationen eine Rolle spielen können für Kommunikationsaufgaben. Das sei, so Amos, im Kreis noch nicht eingetreten. Aber ein Aufruf des Amateurfunkverbandes in Pakistan, gemeinsam Hilfsaktionen für die Flutopfer zu organisieren, oder eine Bitte des Naturschutzbundes um Unterstützung der Funker bei einem Fledermaus-Forschungsprojekt zeigen, dass in diesem Hobby ernsthafte Möglichkeiten schlummern.

Der Ortsverband, dem Amos und Tremel angehören, wurde Anfang 1993 aus der Taufe gehoben - seine Nummer K 54 gibt an, dass er der 54. im Distrikt Rheinland-Pfalz ist. Gegenwärtig hat er 35 Mitglieder, gut doppelt so viele wie bei Gründung, 33 sind aktive Amateurfunker. Da sie kein eigenes Clubheim haben, treffen sie sich einmal monatlich abwechselnd in Kirchheimbolanden im Parkhotel oder in Hettenleidelheim in der Pizzeria Acquavena. Und sie präsentieren sich auch, so unlängst bei einer Veranstaltung des Rundfunkmuseums in Münchweiler.

Dabei macht den Amateurfunkern - wie anderen Vereinen - der Nachwuchs Sorgen, junge Leute, die einsteigen wollen sind willkommen. Tremel ist gern bereit, sein Relais in seinen vier Wänden am Güldengewann Interessierten zu zeigen. Möglichkeiten biete das Funken jungen Leuten in großer Fülle, von „Jugend forscht"-Projekten ist im Gespräch mit den Funkern die Rede, von Peil-Wettbewerben - und von Gelegenheiten, vielleicht mal mit der Raumstation ISS Kontakt aufnehmen zu können.