Schon so lange ich denken kann, hat mich Technik aller Art fasziniert. Schon als klener Stöppke, daß muß wohl in und an den Genen liegen, wollte ich wissen wie funktioniert das oder wie sieht das wohl im inneren eines Matchboxautos aus? Irgendwie muß ich dann wohl so viel an dem Matchboxauto herum gefummelt haben, bis ich es geschafft hatte. Für die einen habe ich es kaputt gemacht, für mich eröffneten sich ‘unendliche Weiten‘. Ich kann mich noch ziemlich genau daran erinnern wie es aussah.
Mein Daddy war begeisteter Elektroniker und noch bevor ich das Licht der Welt erblickte, fing er damit an mir eine Modelleisenbahn aufzubauen. Ob er das nur mehr für ihn oder für mich gemacht hatte, lassen wir jetzt mal offen. Letztendlich habe ich wohl mehr damit gespielt als er.
Die Zeit verging und irgendwann zeichnete er mir in ein DIN A6 Buch eine astabile Kippstuffe. Die Zeichnung mit den gesamten Bauteilen, Bezeichnungen und Werten hatte er alle im Kopf. Er gab mir alle Bauteile, erklärte mir so kannst Du das machen, sagte mir kurz wie die Bauteile funktionieren und dann noch noch: „Nun fang mal an es zusammen zu bauen.“ Aber er sagte mir nicht was die Schaltung dann macht.
Also fing Olaf an 2 Tage lang an der Europa-Plantine (100x160mm) rumzubraten. Besser kann man es zum damaligen Zeitpunkt nicht formulieren. Alles war mit roter Litze verdrahtet und zum Schluss wurden 2 Glühlampen angeschlossen. Er kontrollierte dann nochmal die Verdrahtung und fand zwei Fehler. Dann gab er mir ein Netzteil und ich schaltete das Netzteil ein.
Wow, was war das?
Ich hatte ein Wechsellicht gebaut. Meine Augen müssen gefunkelt haben wie ein kleines Kind das gerade ein Weihnachtsgeschenk ausgepackt hat. Ich war so fasziniert das es mich bis heute nicht losgelassen hat. Leider waren die Lampen zu groß um sie in mein Matchboxauto zu bauen.
Das war aber noch nicht die Zeit in der ich mich für ältere Dinge interessiert habe. Gerade überlege ich wie das wohl angefangen hat.
Es muß wohl zu der Zeit gewesen sein als meine Oma verstorben war und wir ihre Wohnung leer räumen mussten. Dort stand, ich sehe es noch wie heute, ein alter Wohnzimmerschrank, die Holzmusiktruhe von meinem Vater und ein altes Schlafzimmer und niemand wollte es haben. Bis auf das Schlafzimmer habe ich die schönen Möbelstücke heute noch.
Irgendwann fing ich an mir auf dem Trödelmarkt alte Bücher zu kaufen. Auf den meisten Trödelmärkten bezahlt man gar nicht viel dafür. Und ich war auf sehr vielen Trödelmärkten, habe dort auch die verschiedensten alten Sachen gefunden und mitgenommen. Wiedermal ‘unendliche Weiten‘.
Wahrscheinlich liegt es daran das ich diese Dinge von früher so mag, weil ich mich gerne an frühere Zeiten erinnere und sehr positive Erinnerungen damit verbinde.
Und es war alles ein wenig einfacher zu verstehen.
Es gab Zeiten da haben wir uns von Baustellen Bretter, Balken, Nägel und Werkzeuge genommen, manche würden sagen geklaut und haben uns nebenan, also in Sichtweite der Baustelle, Holzbuden aufgebaut und kein Mensch hat irgendwas gesagt. Keine Polizei, keine Anzeige, NICHTS. Sie haben die Kinder bzw. Jugendlichen einfach machen lassen. Das war echt stark. Früher sagte man stark, nicht cool oder chillig. Und so hatten wir unser eigenes Reich geschaffen wo wir nach der Schule abhingen.
Also wenn ich mir alte Dinge anschaue, Bücher, Schallplatten, Möbel, Autos, Dampfmaschinen oder gehe mal auf ein Steampunktreffen, dann fühle ich mich wohl und es fasziniert mich immer wieder neue, alte Dinge zu sehen.
Wenn es dir genauso geht, kannst du gerne mal schreiben. Du hast doch bestimmt auch schöne Anekdoten von früher zu schreiben oder zu erzählen.
o.eichhorst(at)t-online.de
Möge die ! GUTE ! alte Zeit nie aussterben.
Gruß Olaf - DK3OE

