Die Anfänge des Amateurfunks in Deutschland
Der Alliierte Kontrollrat verbietet 1945 jegliche Beschäftigung mit der Funktechnik. So wird auch der 1927 in Kassel gegründete DASD (Deutsche Sende- und Empfangsdienst) verboten. Bereits 1946 erteilt die US-Militärregierung in Stuttgart auf Antrag die Genehmigung zur Gründung eines Vereins der Freunde der Funktechnik: Der WBRC (Würtembergisch Badischer Radio Club) wird gegründet.
1947 erfolgt in Bayern die Gründung des BARC (Bayerischer Amateur Radio Club), der durch die amerikanische Besatzungsmacht in Nord- und Südbayern unterteilt wurde. Dadurch war eine Kennzeichnung der Distrikte mit B für Nordbayern und C für Südbayern notwendig. Der Buchstabe A blieb dem WBARC vorbehalten.
Die regionalen Clubs, die sich inzwischen in ganz Deutschland gebildet hatten, erarbeiteten bis Ende 1947 Vorschläge für eine Amateurfunkgesetzgebung, die Voraussetzung für die Erteilung von Sendegenehmigungen.
Im Januar 1948 trifft sich in Frankfurt der "Ausschuss für Amateur-Funkordnung", der auf der Stuttgarter Kurzwellentagung gegründet wurde. Man beschließt, die Clubs BARC, DARC/Berlin, DARC/BZ (Britische Zone), HRC (Hessischer Radio Club) und den WBRC einer Dachorganisation, dem DARC (Deutscher Amateur-Radio-Club) zu unterstellen.
Im Jahr 1949 wird das Amateurfunkgesetz verabschiedet.
Die regionalen Verbände schließen sich am 7. September 1950 anläßlich der Kurzwellentagung in Bad Homburg zum heutigen DARC e.V. zusammen.
Die Zeit nach 1949 in Bayern, im besonderen in Oberbayern
Die Übersicht beginnt damit, erst einmal in die Nachbarschaft zu schauen. Dabei zeigt sich, daß rund um den OV Ammersee recht viel "Bewegung" sowohl in den Ortsverbänden als auch in den benachbarten Distrikten herrscht.

Die Entwicklung rund um den OV C23 Ammersee
Der Ortsverband Ammersee C23 ist von einigen Ortsverbänden umgeben. Diese Nachbar-Ortsverbände dürfen nicht außer Acht gelassen werden, da es immer wieder zu Neugründungen, Löschungen, Zusammenlegungen oder Umbenennungen kommen kann, die sich auf das Einzugsgebiet und die Mitgliederanzahl des Ortsverbandes auswirken können.
So liegt im Westen der OV Landsberg/Lech, C21, im Nord-Westen der OV Lechfeld, T06.
Im Norden und Nord-Osten schließen sich die OVs Fürstenfeldbruck, C28, und Moosschweige/Germering, C19, an.
Im Osten folgt Würmsee, C17, und im Süden die Ortsverbände Herrsching, C37, Pfaffenwinkel, C29, und Schongau, C36.
Nach der DARC-Gründung werden 1950 sofort erste Ortsverbände gegründet, so z. B. auch der OV Landsberg/Lech, C09. Die Nummern, die im Laufe der nächsten 30 Jahre für den OV Landsberg/Lech Verwendung finden, ziehen sich nicht nur durch den ganzen Distrikt Bayern-Süd, sondern auch durch die Nachbar-Distrikte. Der OV Landsberg/Lech hat zwar für den OV Ammersee zwar nur die Rolle des Nachbarn, doch im Zuge der Recherchen für diese historische Betrachtung war es recht interessant, was mit den OV-Nummern für diesen Ortsverband so alles passierte ...
Erst 1979 schließt sich der Kreis um den OV Landsberg/Lech.
Im Jahr 1956 wird der OV Neuburg, C19, gegründet. Die Nummer 19 erwartet ein ähnliches Schicksal wie die Nummer 09.
Auch der OV Lechfeld, C26, gegründet 1957, taucht erst später wieder auf.
Ebenfalls 1957 wird der OV Ammersee, C23, gegründet. Der OV Landsberg/Lech, C09, wird gelöscht und geht auf im OV Pfronten, C21. Ein weiterer Ortsverband – Ottobeuren, C20 – wird gegründet.
Im Jahr 1958 wird der OV Sonthofen, C28, gegründet.
Mit Beginn des Jahres 1962 wird der Distrikt Bayern-Süd aufgeteilt in die neuen Distrikte Bayern-Süd (C) und Schwaben (T). Mit dieser Teilung wechseln die Ortsverbände im westlichen Teil des bisherigen Distrikts Bayern-Süd zu dem neuen Distrikt Schwaben:
OV Lechfeld, C26, wird zum OV Lechfeld, T06.
OV Pfronten, C21 wird zum OV Pfronten, T11.
OV Sonthofen, C28, wird zum OV Sonthofen, T12.
OV Kaufbeuren, C06, wird zum OV Kaufbeuren, T03.
OV Neuburg, C19, wird zum OV Neuburg, T08.
OV Ottobeuren, C20, wird zum OV Ottobeuren, T10.
Insgesamt werden im Distrikt Bayern-Süd folgende DOK-Nummern (Nummer des Ortsverbandes) frei: 04, 06, 09, 18, 19, 20, 21, 26 und 28. Einige dieser Nummern werden ein paar Jahre später wieder auftreten
So wird bereits 1963 die freie DOK-Nummer 09 dem neu gegründeten OV Ottobrunn zugewiesen. Die freie Nummer 19 erhält der neu gegründete OV Pfarrkirchen.
Die Nummer 21 wird 1966 dem neugegründeten OV C21 Waldkirchen zugewiesen.
1968 erfolgt die Aufteilung des OV Ammersee, C23, in OV Ammersee, C23, und OV Pfaffenwinkel, C20. Somit ist wieder eine der alten, freien Nummern vergeben.
1972 wird eine weitere freie Nummer 28 dem neu gegründeten OV C28 Fürstenfeldbruck zugewiesen.
1973 erfolgt die Aufteilung des Distrikts Bayern-Nord (B) in Franken (B) und Bayern-Ost (U).
Dies hat zur Folge, dass einige Ortsverbände aus den Distrikten Bayern-Nord und Bayern-Süd zum neuen Distrikt Bayern-Ost wechseln, so auch der OV Pfarrkirchen, C19, der zum OV Pfarrkirchen, U12, wird. Der OV Waldkirchen, C21, wird zum OV Waldkirchen, U16. Damit sind die Nummern 19 und 21 wieder frei. Ein Jahr später wird der OV Waldkirchen, U16, wieder gelöscht und geht im OV Freyung, U16, auf, der allerdings 2021 ebenfalls gelöscht wird.
1974 wird der OV Ottobrunn, C09, umbenannt in OV München-Land, C09.
Im Jahr 1979 enden zwei Reisen:
- Die freigewordene Nummer 21 wird an den wieder gegründeten OV Landsberg/Lech, C21, vergeben. Damit scheint die Reise der Nummern für den OV Landsberg/Lech nach fast 30 Jahren endlich beendet zu sein.
- Der OV C20 Pfaffenwinkel wird 1985 aufgeteilt in OV C20 Pfaffenwinkel und OV C36 Schongau.
Auch für die Nummer 19 zeichnet sich ein Ende der Reise ab:
- Der OV Moosschwaige/Germering, C19, wird gegründet.
- Der OV Pfaffenwinkel, C20, wird 1985 aufgeteilt in OV Pfaffenwinkel, C20, und OV Schongau, C36.
1993 wird der OV Ammersee, C23, ein weiteres Mal aufgeteilt in OV Ammersee,C23, und OV Herrsching, C37.
Im Jahr 2000 erfolgt die Umbenennung des Distrikts Bayern-Süd (C) in Oberbayern (C).
Nach den umfangreichen Ausflügen durch die benachbarten Ortsverbände und Distrikte nun zum Ortsverband C23 Ammersee.

Der Ortsverband Ammersee C23
Im Ortsverband Ammersee ging es im Vergleich zu den Nachbarn recht ruhig zu. Es gab eigentlich nur 3 wichtige Ereignisse: Die Gründung des Ortsverbandes und 2 Aufteilung durch Neugründungen von Ortsverbänden, wie oben bereits erwähnt.
Die Funkamateure, die rund um den Ammersee wohnten, entschlossen sich, einen Ortsverband zu gründen. So wurde im Juli 1957 der Ortsverband Ammersee, C23 gegründet.
Es erwies sich als besondere Herausforderung, einen Ortsverband zu gründen, der in seiner Mitte ein sehr großes Problem hat:
Einen knapp 50 km2 großen See, den Ammersee, Bayerns drittgrößten See.
Dieses "Problem" war bei der Namensfindung behilflich: Der Ammersee stellte seinen Namen für den neu gegründeten Ortsverband zur Verfügung. Durch die geographische Lage ergab sich eine Besonderheit, die es wohl nur im Ortsverband Ammersee gab. In den ersten 6 Jahren des Bestehens bis 1963 gab es keine Mitgliederversammlung!
Man besann sich der Tatsache, daß man Funkamateur war: Sämtliche nach der Satzung erforderlichen Abstimmungen wurden über Funk herbeigeführt und auf Tonband aufgezeichnet. Aus dieser Aufzeichnung wurde später ein Protokoll angefertigt.
Dazu muß man natürlich bedenken, daß in den Jahren um 1960 nicht wie heute vor jedem Haus mindestens ein Auto stand. Bei einer Uferlänge von 43 km war früher eine größere "Reise" notwendig, um auf die andere Seite des Sees zu gelangen.
Einerlei, wo nun ein OV-Abend oder eine Mitgliederversammlung stattfindet, ca. die Hälfte der Mitglieder muß um den halben See fahren. Daran hat sich auch bis heute nichts geändert.
Eine erste Zusammenkunft fand im Jahr 1961 anläßlich des Distriktstreffens "Schwaben" in Schondorf statt.
Die Gründungsmitglieder waren:
DL1UB Heinz Steinhauser, Herrsching
DL1OQ Günter Gmelin, Erling
DJ2IV Dr. Gerd Mewes, Schondorf
DL6ZV Ernst Koslowsky, Utting
DL3BC Willi Nordhoff, Breitbrunn
DJ4DY Bruno Heine, Herrsching
Im Lauf der Jahre entwickeln sich die unterschiedlichsten Aktivitäten. Nähere Informationen sind unter "Aktivitäten im Ortsverband" zu finden.
In Oberpfaffenhofen wird 1995 das FM-Relais DB0MIR in Betrieb genommen. 1998 erfolgt dann der Umzug von DB0MIR an den jetzigen Standort auf den Martinsberg bei Inning, direkt neben der Autobahn A96.
2019 wird das Relais DB0MIR um ein DMR-Relais erweitert.
Seit 2016 steht in Puchheim das Relais DB0PUC, ein MMDVM-Repeater, der die digitalen Betriebsarten DMR und P25 zeitgleich zur Verfügung stellt.
Einzelheiten zu den beiden Relais DB0MIR sind auf der Seite "Ammersee Relais DB0MIR" zu finden.
Die folgende Tabelle zeigt alle Ortsverbands-Vorsitzende seit der OV-Gründung bis heute.
1957 Willi Nordhoff, DL3BC †1982
1963 Klaus Lagally, DJ4TU
1964 Dr. Wolf-Dieter Montag, DL1LK †2018
1968 Bruno Heine, DJ4DY
1969 Dr. Hans Georg Müller-Freywardt, DL8SC
1973 Martin Raab, DL3HC †1993
1974 Klaus Thoma, DC8LT
1980 Rudolf Fuchs, DL1MAH
1982 Thomas Kieselbach, DL2MDE †2002
1989 Dr. Gerhard Mayer, DJ5GM
1991 Bruno Heine, DJ4DY
1993 Thomas Kieselbach, DL2MDE †2002
1994 Bernd im Brahm, DB2DI
2007 Manfred Lindner, DL2HF
2011 Engelbert Ziegler, DG4MAK †2021
2021 Bernd Marquard, DL1ZAP
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An dieser Stelle noch herzlichen Dank an Bernd DB2DI der unsere "Geschichte des Ortsverbands" intensiv nachgeforscht und geschrieben hat.
Vielen Dank für die Hilfe bei der Suche und der Beantwortung der Fragen an:
• Tobias DC3TC, DV Distrikt U
• Markus DD2EM, OVV C09
• Hans, DC5CQ, OVV C21
• Bernd DC7XJ, Manager des Archivs bei DL0BN (https://www.dl0bn.de/archiv/distrikte/org.htm)
