Ausgebildete Funkamateure könnten dann mithilfe ihrer Funkausrüstung sicherstellen, dass wichtige Nachrichten die Hilfsdienste trotzdem erreichen. Bei einer rund vierstündigen Übung in und um Göttingen probten sie kürzlich den Ernstfall.
Rund 45 teilnehmende Funker trafen sich dazu Samstagvormittag zur Vorbesprechung auf dem Gelände der Berufsfeuerwehr in der Breslauer Straße. Von dort fuhren sie in Zweierteams zu ihren Einsatzorten bei den Ortsfeuerwehren in den Stadtteilen Göttingens und umliegenden Ortschaften.
Aufgabe der Teilnehmer war es nun, am jeweiligen Standort in ihrem mit dem Schild „Hier NOTFALL-Meldungen“ gekennzeichneten Privatfahrzeug von der Bevölkerung Hinweise auf Notfälle entgegenzunehmen. Diese waren anschließend unverzüglich und möglichst unverfälscht per Sprechfunk an eine hierfür eingerichtete zentrale Amateurfunkstelle bei der Berufsfeuerwehr zu übermitteln.
Eingeweihte Angehörige der örtlichen Freiwilligen Feuerwehren hatten sich hierfür eigens Notfälle ausgedacht, wie sie in der Realität vorkommen könnten; darunter ein Sturz von der Leiter, ein verunglückter Gefahrguttransport, ein dringend benötigtes Medikament.
„Wo sich die nächste Feuerwehr befindet, ist einem Großteil der Bevölkerung bekannt“, erklärt Reinhard Wienbrügge, selbst Funkamateur und Referent beim Deutschen Amateur Radio Club (DARC) für den gesetzlich geregelten Notfunk im Raum Südniedersachsen. „Solche Standorte eignen sich daher gut als Anlaufstelle, um beim Ausfall des Telefonnetzes dort unsere Unterstützung anzubieten.“
Wienbrügge hatte die Übung in den zurückliegenden Monaten akribisch geplant. Jetzt ging es darum, das entwickelte Konzept anhand der angenommenen Praxis zu überprüfen. Denn was zunächst einfach klingt, kann in der Realität anspruchsvoll sein: Etwa, wenn es nach einem Verkehrsunfall um die exakte Übermittlung komplizierter Bezeichnungen einer gefährlichen Ladung geht oder wenn sich zeitgleich mehrere Meldestellen an die Zentrale wenden. „Dann kann es schon einmal hektisch werden, denn bei der Übermittlung der Informationen darf trotzdem kein wichtiges Detail verloren gehen.“
Nach einer ersten Auswertung zeigt sich Wienbrügge mit dem Verlauf zufrieden: „Bis auf einige Kleinigkeiten ist alles sehr gut gelaufen.“ Gleichzeitig betont er, dass dieses ehrenamtliche Hilfsangebot der Funkamateure die professionellen Funksysteme der Hilfsdienste weder ersetzen soll noch kann. „Wir können nur unterstützend tätig werden, um im Notfall auf Anforderung die Funknetze der Profis gegebenenfalls zu ergänzen.“
Dass Funkamateure dazu in der Lage sind, liegt auch an deren fundierter Ausbildung: Der Amateurfunk ist ein international anerkannter Funkdienst und wer daran teilnehmen will, muss in einer fachlichen Prüfung profunde Kenntnisse der relevanten Technik und Gesetze nachweisen – ein wesentlicher Unterschied etwa zum CB-Funk. Im Amateurfunkgesetz ist überdies verankert, dass Funkamateure für den Notfunk tätig werden können.
Quelle: Feuerwehr Göttingen
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