Die Übungsannahme bestand aus einem Massenanfall an Verletzten in einem Stadion durch Pyrotechnikeinsatz und zeitgleich einem Brandereignis in einer Seniorenresidenz im Nachbarort. Erstmals wurden dabei auch Funkamateure zur Nachrichtenübermittlung eingebunden. Damit sollte bei einem angenommenen Ausfall der öffentlichen und BOS-Kommunikationsmittel der Amateurfunkdienst als mögliche Rückfallebene für die Weiterleitung von Meldungen aus dem Übungsraum an den Stab des HVB der „Region Hannover“ (ehemals Landkreis Hannover) geprobt werden. Zu diesem Zweck war die Fernmeldezentrale (FMZ) im Regionsgebäude erstmalig auch mit neu lizenzierten Funkamateuren aus dem Mitarbeiterkreis der Region besetzt, um die Lagemeldungen für den Stab entgegenzunehmen. Die Funksprüche wurden direkt vom Einsatzleitwagen (ELW2) des ASB an die Funkamateure übergeben und ohne Nutzung von automatischen Relaisstellen über fünf Zwischenstationen per analogem Sprechfunk in die FMZ nach Hannover übermittelt. Um die weiteren technischen Möglichkeiten des Amateurfunkdienstes zu demonstrieren, wurden darüber hinaus drei Video-Livestreams vom Einsatzort am Stadion in Barsinghausen über das HAMNET nach Hannover übertragen. Das Fazit in der anschließenden Nachbesprechung lautete: "Auftrag erfüllt!" Insgesamt waren ca. 20 Funkamateure aus verschiedenen Ortsverbänden des DARC e.V., einige vereinslose Helfer und sogar einige Unterstützer noch ohne Lizenz an der Aktion beteiligt. Schon vor der eigenen Öffentlichkeitsarbeit zu der Veranstaltung haben uns in den Folgetagen sehr konkrete Anfragen weiterer Organisationen zu einer möglichen Zusammenarbeit erreicht. In naher Zukunft ist daher mit einem Ausbau der Beteiligung und gegenseitigen Ausbildung zu rechnen.
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Notfunk im OV Wolfsburg H24
Da der Stadtteil Detmerode, in dem das 70cm FM-Stadtrelais DB0VW betrieben wird, nicht betroffen war, konnten sich die Wolfsburger Funkamateure trotz der damals noch fehlenden Notstomversorgung der Relais-Funkstelle mit 70cm-Handfunkgeräten weiterhin verständigen, während zum Beispiel die digitalen Tetra-Funknetze von Polizei und Feuerwehr nach etwa 2 Stunden wegen der begrenzten Akku-Pufferung der Basisstationen ausgefallen waren.
Für die Wolfsburger Stadtverwaltung hatte dieses Ereignis offenbar eine Sensibilisierung gegenüber den Gefahren eines langandauernden Stromausfalls zur Folge. Denn es kam zu mehreren Gesprächsrunden, zu denen auch der OV H24 eingeladen wurde. Es wurde diskutiert, was man vorbeugend gegen derartige Ereignisse tun könne.
Der OV-Vorstand von H24 mit DG5ACX, DK1WB, DF2HBW und DL4OAW zeigte gegenüber der Stadt ein starkes Interesse an diesem Thema und es schlossen sich verschiedene Gespräche zwischen OV-Vorstand, Stadtverwaltung und Berufsfeuerwehr an. Im Ergebnis wurde dem OV vom Oberbürgermeister Mohrs am 20.05.2016 der Auftrag erteilt, entsprechend §15 des Niedersächsischen Katastrophenschutzgesetztes eine „Notfunkgruppe im Fernmeldedienst“ aufzubauen.
Ein derartiger offizieller Auftrag eines Stadtoberhauptes an die örtlichen Funkamateure zur Unterstützung im Katastrophenfall ist bisher einzigartig in Deutschland. Deshalb wurde im OV alsbald nach dem erhaltenen Auftrag eine Notfunkgruppe gegründet mit etwa 10 Mitgliedern. Das Thema „Einbindung der Funkamateure“ in die Katastrophenschutz-Arbeit der BOS 1 -Dienste war offenbar auch für die Behörden unklar, denn es geschah seitens der Stadt zunächst einmal nichts.
Der OV lud Vertreter der Berufsfeuerwehr mehrfach ein, zum Frühlingsfest am OVHeim, dem alten Wasserturm in Fallersleben und zum SSB-Fieldday auf der FielddayWiese in Grafhorst, um im Gespräch zu bleiben und Anregungen zu geben. Aber offenbar fehlte weiterhin eine zündende Idee, wie die Funkamateure sinnvoll eingesetzt werden könnten. Da hörten wir von einer Notfunk-Übung des OV Göttingen und luden den Leiter dieser Gruppe Reinhard DK7AT (sk) zu einem OVAbend nach Wolfsburg ein, damit er uns über seine Erfahrungen berichten konnte. Er ermutigte uns, eine Übung in Wolfsburg nach dem Göttinger Modell zu planen. Das bedeutet, eine Übung entsprechend einem angenommenen Krisen-Szenario eigenverantwortlich durchzuführen, und BOS-Vertreter als Beobachter dazu einzuladen. Diese Vorgehensweise wurde nach Gesprächen mit Kommunikationsexperten der Feuerwehr bestätigt und umgesetzt.
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Große Notfunkübung in Göttingen
Ausgebildete Funkamateure könnten dann mithilfe ihrer Funkausrüstung sicherstellen, dass wichtige Nachrichten die Hilfsdienste trotzdem erreichen. Bei einer rund vierstündigen Übung in und um Göttingen probten sie kürzlich den Ernstfall.
Rund 45 teilnehmende Funker trafen sich dazu Samstagvormittag zur Vorbesprechung auf dem Gelände der Berufsfeuerwehr in der Breslauer Straße. Von dort fuhren sie in Zweierteams zu ihren Einsatzorten bei den Ortsfeuerwehren in den Stadtteilen Göttingens und umliegenden Ortschaften.
Aufgabe der Teilnehmer war es nun, am jeweiligen Standort in ihrem mit dem Schild „Hier NOTFALL-Meldungen“ gekennzeichneten Privatfahrzeug von der Bevölkerung Hinweise auf Notfälle entgegenzunehmen. Diese waren anschließend unverzüglich und möglichst unverfälscht per Sprechfunk an eine hierfür eingerichtete zentrale Amateurfunkstelle bei der Berufsfeuerwehr zu übermitteln.
Eingeweihte Angehörige der örtlichen Freiwilligen Feuerwehren hatten sich hierfür eigens Notfälle ausgedacht, wie sie in der Realität vorkommen könnten; darunter ein Sturz von der Leiter, ein verunglückter Gefahrguttransport, ein dringend benötigtes Medikament.
„Wo sich die nächste Feuerwehr befindet, ist einem Großteil der Bevölkerung bekannt“, erklärt Reinhard Wienbrügge, selbst Funkamateur und Referent beim Deutschen Amateur Radio Club (DARC) für den gesetzlich geregelten Notfunk im Raum Südniedersachsen. „Solche Standorte eignen sich daher gut als Anlaufstelle, um beim Ausfall des Telefonnetzes dort unsere Unterstützung anzubieten.“
Wienbrügge hatte die Übung in den zurückliegenden Monaten akribisch geplant. Jetzt ging es darum, das entwickelte Konzept anhand der angenommenen Praxis zu überprüfen. Denn was zunächst einfach klingt, kann in der Realität anspruchsvoll sein: Etwa, wenn es nach einem Verkehrsunfall um die exakte Übermittlung komplizierter Bezeichnungen einer gefährlichen Ladung geht oder wenn sich zeitgleich mehrere Meldestellen an die Zentrale wenden. „Dann kann es schon einmal hektisch werden, denn bei der Übermittlung der Informationen darf trotzdem kein wichtiges Detail verloren gehen.“
Nach einer ersten Auswertung zeigt sich Wienbrügge mit dem Verlauf zufrieden: „Bis auf einige Kleinigkeiten ist alles sehr gut gelaufen.“ Gleichzeitig betont er, dass dieses ehrenamtliche Hilfsangebot der Funkamateure die professionellen Funksysteme der Hilfsdienste weder ersetzen soll noch kann. „Wir können nur unterstützend tätig werden, um im Notfall auf Anforderung die Funknetze der Profis gegebenenfalls zu ergänzen.“
Dass Funkamateure dazu in der Lage sind, liegt auch an deren fundierter Ausbildung: Der Amateurfunk ist ein international anerkannter Funkdienst und wer daran teilnehmen will, muss in einer fachlichen Prüfung profunde Kenntnisse der relevanten Technik und Gesetze nachweisen – ein wesentlicher Unterschied etwa zum CB-Funk. Im Amateurfunkgesetz ist überdies verankert, dass Funkamateure für den Notfunk tätig werden können.
Quelle: Feuerwehr Göttingen
feuerwehr.goettingen.de/magazin/artikel.php
Göttinger Funkamateure in große ICE-Rettungsübung eingebunden
Gegen 3 Uhr am Sonntagmorgen brachte ein Polizist einen USB-Stick mit einer Lagemeldung und Fotos von der Einsatzstelle zur Berufsfeuerwehr nach Göttingen, wo die Funkamateure sich versammelt hatten. Nun galt es, diese Dateien per Hamnet zur zentralen Polizeidirektion nach Hannover zu übermitteln. Dafür wurde der neue Hamnetknoten von DB0SN auf dem Gaußturm bei Dransfeld als Einstieg ins Hamnet genutzt. Dieser Knoten war erst zwei Tage zuvor von Birko, DL8BB und Jochen, DB8AS in Betrieb genommen worden. Mit einem Ubiquiti 40cm Spiegel aus einem Dachfenster der Berufsfeuerwehr baute man die Datenverbindung auf. Nach wenigen Minuten kam die Eingangsbestätigung der Daten aus Hannover.
Weitere Funkamateure waren als Einsatzkräfte in der Schnell-Einsatz-Gruppe beim ASB Göttingen live vor Ort und nutzten den Amateurfunk als Kommunikationsmittel, wenn der BOS-Funk an seine Grenzen stieß. So wurde z.B. ein Rettungsmittel für einen realen Notfall an der Einsatzstelle via Amateurfunk alarmiert.
