Keine Papierlogs

Keine Papierlogs

Das Ende der Papierlogs

Frank Steinke, DL8WAA

Das DARC Referat für DX und HF-Funksport hat beschlossen, für die von ihm veranstalteten Conteste WAEDC, WAG, Fieldday, DARC Weihnachtswettbewerb und DARC 10-m-Contest ab sofort nur noch elektronische Logs zu akzeptieren.

Dieser Artikel erschien in der Clubzeitschrift CQ DL 6-2007 Seite 440-441. Er ist als 142 kB große PDF-Datei online.

Inhalt

Neue Contest-Ära

Drei Funker sitzen vor Funkgeräten und Computern.
Elektronische Loggen bei DAØHQ

Die Logs sind per E-Mail entweder in STF- oder in Cabrillo-Format einzureichen.

Soweit der nüchterne Beschluss. Doch was steckt dahinter? Schauen wir zurück: Es ist noch gar nicht so lange her, da war es für den Teilnehmer allgemeine Praxis, sich nach dem Contest in mühseliger Arbeit hinzusetzen und das während des Wettbewerbs auf Papier mitgeschriebene Log „ins Reine“ zu übertragen. Zusätzlich mussten Multiplikator- und Duplikatkontrolllisten sowie Deckblätter angefertigt werden. Für ein großes Log mit mehreren 1000 QSOs konnte man eine Woche Vollzeitbeschäftigung einplanen. War das Log endlich fertig gestellt, ging man mit einem dicken Briefumschlag zur Post und schickte eine Unmenge Papier an den Veranstalter. Man kann sich vorstellen, was Veranstalter von großen Contesten mit den Kisten von Papier gemacht haben. Die Logs wurden meist nur auf sachliche Fehler oder Verstöße gegen die Ausschreibung kontrolliert. Ein echter Crosscheck, also ein Überkreuzvergleich von QSOs in den eingesandten Logs, konnte wenn überhaupt nur stichprobenartig geschehen.

Die Folgen

• Viele Teilnehmer schreckten vor dem Aufwand der Logerstellung zurück. Dementsprechend gab es vergleichsweise wenig Logeinsendungen an den Veranstalter, im Verhältnis mit der Zahl der tatsächlichen Teilnehmer im Contest. Viele potenzielle Interessenten verzichteten von vorn herein auf eine Teilnahme am Contest.

• Da es keine wirkliche Auswertung gab, war der Nährboden für Spekulationen über Betrug in großem oder kleinem Stil geschaffen. Oft war eine gewisse Frustration, gerade bei „Little Pistols“ vorhanden, die sich nicht vorstellen konnten, wie man mit einem ehrlichen Log einen vorderen Platz in der Ergebnisliste erlangen kann.

• Die Logerstellung für den einzelnen Teilnehmer war langwierig, die damals üblichen sechs Wochen Zeit bis zum Einsendeschluss waren durchaus knapp bemessen. Noch langwieriger war die Auswertung für den Veranstalter. Bei großen Contesten war ein Jahr vom Contest bis zur Ergebnisliste üblich.

• Durch den Postweg kamen kommunikative Barrieren hinzu. Das eingesandte Log war endgültig. Bei Fehlern im Log gab es keine einfache Rückfrage- oder Korrekturmöglichkeit.

• Die Logs waren oft unleserlich, die allgemeine Logqualität war schlecht. Der Einzug des Computers hat all dies revolutioniert. Erste Programme auf dem Contestsektor waren darauf ausgelegt, die QSO-Daten von Mitschriften abtippen zu können und die Ermittlung von Punkten und Multiplikatoren sowie die Erstellung eines sauber formatierten Logs inklusive aller Kontrolllisten der Software zu über lassen. Damit war ein gewaltiger Sprung nach vorn getan: Die Logqualität wurde um Größenordnungen besser und der Aufwand für den Teilnehmer überschaubarer.

An der Auswertepraxis konnte sich dadurch zunächst wenig ändern: Die Daten wurden nach wie vor auf Papier eingeschickt und die Anzahl derer, die eines Computers inklusive der entsprechenden Software mächtig waren, war noch gering. In einem nächsten Schritt kamen erste Programme auf den Markt, die ein Loggen während des Contestes erlauben und den Op mit QSO-aktuellen Informationen über Zwischenstand, Multiplikatoren, Kontrolle auf doppelte QSOs usw. versorgen. Nach und nach wurde von einzelnen Veranstaltern das Einsenden von Logs auf Diskette erlaubt.

Der Durchbruch

Den eigentlichen Durchbruch elektronischer Logs gab es mit dem Aufkommen von Internet und E-Mail und der damit verbundenen massenhaften Verbreitung des PCs in praktisch jedes Shack. Immer mehr Contestveranstalter boten die sehr bequeme Möglichkeit an, das Log per E-Mail einzureichen. Das Ende der Papierlogs begann in Amerika mit einer Zeit der Verunsicherung durch Anthrax und Briefbomben. In dessen Folge entschlossen sich die amerikanischen Contestveranstalter rigoros, ab sofort keine Papierlogs mehr entgegenzunehmen. Skeptiker, die damit verbunden einen Einbruch der Teilnehmerzahlen und vor allem der Logeinsendungen erwarteten, wurden Lügen gestraft. Das ganze Gegenteil ist der Fall. Jeder Contest, der den Teilnehmern die modernen Möglichkeiten von elektronsicher Logeinsendung und -auswertung anbietet, erfreut sich heute eines ungebrochen gewaltigen Zulaufs. Bestes Beispiel ist der DARC 10-m-Contest: Die Logeingangszahlen liegen heute doppelt so hoch wie noch vor Einführung der elektronischen Auswertung im Jahre 2000. Die Beteiligung ist so gewaltig, dass in keiner Kategorie noch ein Allzeitrekord von vor 2000 Bestand hat. Der „Superman“ des 10-m-Contests, DL2ARD, fährt heute in den zwei Stunden Contest nahezu doppelt so viele QSOs als Op in den Spitzenlogs von vor 2000.

Nachteile hinterfragt

• Sofern man den Contest mit direkter Unterstützung eines Contestprogramms bestritten hat, tendiert der Aufwand für die Logerstellung heute gegen Null. Ein Knopfdruck, kurz einen kontrollierenden Blick über das Log geworfen und per E-Mail abgeschickt; fertig. Auch für Teilnehmer, die lieber weiterhin mit Zettel und Stift loggen, bietet der Markt interessante Möglichkeiten, ihr Log schnell und komfortabel in elektronische Form nach aktuellen Standards zu bringen. Diese Vereinfachungen haben die Zahl der Teilnehmer und vor allem der Logeinsender um Größenordnungen erhöht.

• Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass heute jedes QSO in jedem Log kontrolliert wird und dass jedes Frisieren eines Logs dem Auswerter sofort auffallen muss und mit entsprechenden Punktabzügen, Strafen oder gar Disqualifikation geahndet wird.

• Die Zeit von Contestende bis Einsendeschluss konnte bei vielen Contesten bereits drastisch verkürzt werden. Besonders deutlich aber machen sich die neuen elektronischen Möglichkeiten bei der Auswertung selbst bemerkbar. Bei „kleineren“ Contesten wie dem DARC Weihnachtswettbewerb und DARC 10-m-Contest liegen heute nur sechs Wochen zwischen Contest und Ergebnisliste.

• Heute kann man sein Log beliebig oft einsenden. Wenn es offensichtliche Fehler im Log gibt, wird man entweder durch den Auswerter oder durch einen automatischen Roboter per E-Mail darauf hingewiesen und kann sein Log noch einmal einreichen.

• Die Leserlichkeit von Logs ist heute kein Thema mehr. Darüber hinaus haben sich weltweit bestimmte Formate wie STF oder Cabrillo als Standard etabliert.

Sicht der Auswerter

Bei aller Euphorie ist es hier wohl ein guter Moment darauf hinzuweisen, dass hinter all dieser neuen Welt elektronischer Logs eine ganzer Stab fleißiger Funkamateure sitzt, die unentgeltlich ihre Freizeit opfern, um die Contestwelt für jeden Einzelnen weiter zu vereinfachen und die Auswertung gerechter zu machen. Der Umstand, dass heute alles viel schneller geht, soll nicht darüber hinweg täuschen, dass von den Auswertern und den Software- und Serverfachleuten dennoch ein gewaltiger Berg an Arbeit zu stemmen ist. Dazu gehören neben der eigentlichen Auswertung auch das Entgegennehmen und Einpflegen der Contestlogs und die Wandlung in ein standardisiertes Format. Und, nicht zu vergessen, für die vom DARC Referat für DX und HF-Funksport veranstalteten Conteste waren bisher auch noch Papierlogs zugelassen. Wir waren als Contestveranstalter nicht so rigoros wie unsere amerikanischen Kollegen. Auch wenn Papierlogs heute nur noch 5...10 % der Einsendungen ausmachen, so wurden auch sie bisher grundsätzlich in elektronische Form gebracht (also mühsam abgetippt) und in die Auswertung einbezogen. Damit haben Papierlogs trotz ihrer relativ kleinen Menge einen wesentlichen Teil der Zeit verschluckt. Und Zeit ist knapp. Haben Sie einmal hoch gerechnet? Wenn der Auswerter für Logentgegennahme und -wandlung durchschnittlich fünf Minuten je Log benötigt, dann ist er schon zwei Wochen Vollzeit beschäftigt. Und da liegt die eigentliche Logauswertung noch vor ihm.

Ziele

Unser Ziel ist in erster Linie eine umfassende und gerechte Auswertung. Dieses Ziel können wir bei der beschriebenen neuen Größenordnung von Logeingangszahlen nur erreichen, wenn eine Verlagerung der Auswertearbeit weg von der Logverarbeitung, hin zur eigentlichen Auswertung geschieht. Deshalb sehen wir uns gezwungen, jetzt, im zwölften Jahr nach dem Beginn der Einführung der elektronischen Auswertung im DARC Referat für DX und HF-Funksport, den Schnitt zu machen und nur noch elektronische Logs in Standardformaten anzuerkennen.

Obwohl wir uns dem Verständnis und der Zustimmung der breiten Masse der Contester bewusst sind, sind wir uns aber auch im Klaren, dass dies einen tiefen Einschnitt in unsere etablierte Contest-Kultur darstellt. Das letzte was wir wollen ist, mit diesem Schritt Contestteilnehmer zu verschrecken. Das betrifft vor allem ältere Teilnehmer, die bisher mangels PC oder Internetzugang ihr Log nach wie vor auf Papier eingereicht haben. Diese Teilnehmer möchten wir bitten: Fragen Sie befreundete OMs und YLs, OV-Kollegen oder Familienangehörige, ob sie Ihnen bei der Logerstellung und -versendung behilflich sein können. Wenn Sie schon einen PC haben und nur noch die passende Software suchen, um Ihr handgeschriebenes Log in ein elektronisches Log zu verwandeln, dann empfehlen wir Ihnen das kostenlose Programm LM, herunterzuladen bei www.lm4.de.

Vielleicht ist es mit diesen Zeilen gelungen, Sie ein klein wenig zu motivieren, uns bei der harten Arbeit ein kleines Stück entgegenzukommen?

In diesem Sinne, bleiben Sie am Ball! Auf Wiederhören im nächsten Contest!

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