CW/Telegrafie

Die Telegrafie (von altgriechisch τῆλε tēle „fern“ und γράφειν gráphein „einritzen, schreiben“, also "Fernschreiben"; auch Morsetelegrafie oder "CW" = Continuous Wave) ist die älteste Betriebsart im Amateurfunk. Man versteht darunter die drahtlose Übermittlung von Informationen durch einen im Rhythmus der Morsezeichen getasteten oder modulierten Hochfrequenzträger. Mit den ersten Versuchen wurde bereits vor über 100 Jahren begonnen. Obwohl beim Morsen Zeichen "digital" kodiert und übertragen werden, werden sie im Gegensatz zu den im Amateurfunk verwendeten Digimodes in aller Regel vom Funkamateur selbst dekodiert (A1A) - seltener maschinell (A1B). Die aktuellen IARU-Bandpläne unterscheiden daher deutlich zwischen CW und den "Digimodes", da letztere computergeneriert sind und bei deren Verwendung ggf. schwache CW-Signale leicht übersehen werden könnten. Auch das DARC-HF-Referat hält an dieser Unterscheidung (CW/Digimodes) fest.

Eine Einhebeltaste, die auch als Bausatz bezogen werden kann (Foto: DF5JL)
Eine Einhebeltaste, die auch als Bausatz bezogen werden kann (Foto: DF5JL)

Buchstaben, Zahlen und Zeichen werden bei der Morsetelegrafie durch international genormte Symbole aus kurzen Signalen (Punkte), aus langen Signalen (Striche) und Pausen übertragen. Die Zeichen werden als Impulse (Sender „an“, Sender „aus“ usw.) übermittelt und können auf der Empfängerseite unmittelbar dekodiert werden. Während sich der klassische Anwender der Telegrafie, der Seefunk, inzwischen vom Morsen verabschiedet hat, erlebt das Morsen im Amateurfunk eine Renaissance.

Moderne digitale Übertragungsverfahren wie bspw. RTTY, AMTOR und PACTOR (diverse Verfahren für Funkfernschreiben, teils mit Fehlerkorrektur) haben die klassische Morsetelegrafie bei den kommerziellen Funkdiensten weitgehend verdrängt. Im Amateurfunk jedoch besinnt man sich wieder auf diese handwerkliche Kunst. Dort entwickelt sie sich zunehmend zur sportlichen Herausforderung - Morsen gilt wieder als „cool“, als Pflege eines immateriellen Kulturgutes. Und obwohl elektronische Morsetasten seit Jahrzehnten ein halbwegs automatisches und „sauberes“ Geben von Morsezeichen erlauben, ist dennoch für einige der Reiz geblieben: Sie widmen sich den Handtasten wie den sog. „Bugs“ oder den „Cootie-Keys“ („Sideswiper“). So wird Morsen wieder deutlich persönlicher - manch ein Funkamateur ist allein anhand seiner Gebeweise auf den Bändern zu erkennen, an seiner „Handschrift“!

Beim „Sideswiper“ handelt sich um so eine manuelle Taste („Schnellgebetaste“). Wegen ihrer besonderen Unempfindlichkeit wurde sie auch gerne in der Seefahrt verwendet. Im Gegensatz zu den sensiblen Bugs mit ihren Schwingfedern war mit einer „Sideswiper“ auch ein Betrieb bei rauhen Schiffsbewegungen möglich. Diese Gebeart hat ein für sie typisches Klangbild, da es eher schwierig ist, ein genügend großes Strich-Punkt-Verhältnis einzuhalten: Im Vergleich zu einer klassischen Hebeltaste fallen die Punkte und Pausen kürzer - die Striche dagegen länger aus.

Die Amateurfunkbänder sind voll von CW-Signalen. Wer die Möglichkeiten begreift, die diese faszinierende Betriebsart bietet, dessen Amateurfunkleben wird um vieles reicher. Das Erlernen der Telegrafie ist leichter als viele glauben. Einige Minuten täglichen Trainings führen in kurzer Zeit zur Prüfungsreife.

Die bevorzugten CW-Bereiche auf den KW-Amateurfunkbändern sind wie folgt: 1.810-1.838, 3.500-3.580, 7.000-7.040, 10.100-10.140, 14.000-14.070, 18.068-18.095, 21.000-21.070, 24.890-24.915 und 28.000-28.070 kHz. Darüber hinaus sind CW-Aussendungen auf allen Abschnitten der Amateurfunkbänder erlaubt!

Zusammenfassend lässt sich sagen:

 

Vorteile:

  • geringer technischer Aufwand, niedrigste Kosten
  • geringe Bandbreite
  • weltweite Funkverbindungen auch mit kleiner Leistung (QRP, i. e. 5 Watt)
  • ohne besondere Sprachkenntnisse möglich (CW verwendet international gültige Abkürzungen)

Nachteile:

 

 

 

 

Lesetipps:

  • William G. Pierpont, NØHFF: "Die Kunst der Radiotelegrafie" (PDF, 3,6 MB) – ein Handbuch zum Erlernen, Anwenden, Meistern und Genießen des internationalen Morsecodes als Kommunikationsmittel, deutsche Fassung, 284 Seiten
  • Carlo Consoli, IKØYGJ: "Zen und die Kunst der Radiotelegrafie", übersetzt von Olaf, DL9AI: "Durch den Wegfall der Telegrafieprüfungen bei der Amateurfunk-Zulassung wurde für viele Funkamateure aus der lästigen Pflichtübung eine erstrebens- und erlebenswerte Kunst, nicht unähnlich dem Reiten oder Segeln, die ja trotz Auto und Motorboot keineswegs als typische Freizeitbeschäftigung der ewig Gestrigen gelten" - deutsche Fassung, 98 Seiten
  • Morse-Website von Ludwig, DK5KE, mit vielen Informationen rund um das Morsen
  • Wie CW lernen? AGCW-DL, Arbeitsgemeinschaft Telegrafie e. V.