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Bei Frau Hébert hat‘s gefunkt

MöNCHFELD: Eine Amateurfunkerin erzählt von ihrer Begeisterung für ein ungewöhnliches Hobby

Beim Deutschen Amateur-Radio-Club sind drei Prozent der Mitglieder Frauen. Béatrice Hébert ist eine von ihnen. „Ich bin keine typische Frau, ich wechsle Reifen selbst und kann auch eine Lampe anbringen.“

Sobald sie die Morsetaste drückt, ist ihr Name DL3FSK. Dann ist sie voll in ihrem Element, setzt ihre Kopfhöhrer auf, sucht nach einer geeigneten Frequenz und macht Smalltalk. Mit Japanern, Spaniern, Kongolesen oder Argentiniern. Nach einem kurzen Plausch über die Arbeit, die Familie oder das Wetter verabschiedet sich DL3FSK mit einem höflichen „33“ oder „37“, dann ist die YL wieder Béatrice Hébert.

Alles verstanden? Für Laien ist die Sprache der Amateurfunker nur schwer zu verstehen, also erklärt Béatrice Hébert die Bedeutung hinter den Buchstaben und Zahlen: „DL3FSK ist mein persönlicher Amateurfunker-Name, der sogenannte Call. Der ist einzigartig. Das DL steht für Deutschland. Da ich mit anderen Amateurfunkern auf der ganzen Welt kommuniziere, ist es wichtig, dass man die Nationalitäten zuteilt.“ Die restliche Kombination aus Zahlen und Buchstaben ist individuell. Ausgesprochen lautet die Abkürzung: Delta Lima Drei Fox Sierra Kilowatt. Das entspricht dem internationalen Buchstabieralphabet. Die Zahlen 73 und 33 stehen für eine Verabschiedung am Ende der Unterhaltung. Und eine YL ist eine Young Lady, also eine Frau. Ein männlicher Amateurfunker wird mit OM abgekürzt.

Funkamateur kann nur werden, wer eine längere Ausbildung absolviert und sein Wissen in einer staatlichen Prüfung nachweist. Béatrice Hébert hat ihre Prüfung vor 23 Jahren bestanden und seitdem hat es bei ihr gefunkt. Ist das nicht ein eher ungewöhnliches Hobby für eine Frau? „Ja, das stimmt. Aber ich war noch nie der häusliche Typ Frau. Ich wechsle meine Autoreifen selbst, kann eine Lampe anbringen und kenne mich mit Technik aus.“ Beruflich arbeitet die gebürtige Pariserin als Krankenschwester. „Im Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) bin ich die Distriktsvorsitzende von Württemberg. Die Vereinigung der Funkamateure hat 36 800 Mitglieder, „davon sind drei Prozent Frauen“, sagt Hébert und lacht. Wenn sie Lust aufs Funken hat, setzt sich Béatrice Hébert vor ihre Funkanlage in ihrer Wohnung in Mönchfeld. „Die habe ich zum Teil selbst gebaut“, sagt sie stolz. Das sei es auch, was den Reiz an dem ungewöhnlichen Hobby ausmache: „Man kann sich mit Technik auf kreative Art und Weise beschäftigen. Wer gerne mit anderen Menschen kommuniziert, ist hier genau richtig.“ Sie kam über einen ihrer fünf Brüder zum Amateurfunken. Nachdem sie die Prüfung bestanden hatte, wollte sie das theoretische Wissen auch praktisch ausprobieren: Mein erster Funkspruch landete in Japan“, erinnert sich Hébert. „Da war ich im ersten Moment ziemlich überfordert. Ich war völlig von den Socken und wusste nicht, was ich tun sollte. Aber es war dann ein sehr nettes Gespräch.“

Doch in einem Zeitalter, in dem Facebook, Twitter oder Whatsapp so populär sind, hat das Funken da überhaupt noch eine Berechtigung? „Natürlich, immerhin ist daraus quasi das Internet entstanden.“ Außerdem kann die Kommunikationsform Leben retten. Im Fall von Naturkatastrophen brechen Internet oder Telefonnetze zusammen. Über Funk hingegen kann die Kommunikation aufrecht erhalten werden.

Manchmal macht sich Hébert sogar auf die Suche nach Vermissten. „Nach dem Erdbeben in Nepal sollte ich für einen Freund herausfinden, ob seine Tochter noch lebt. Sie war dort in einem Krankenhaus beschäftigt. Jedes andere Netz war tot, aber über Funk konnte ich mit dem Krankenhaus Verbindung aufnehmen.“ Auch wenn ein Schiff einen Notruf abgibt, können die Animateurfunker die Koordinaten an die zuständigen Stellen weitergeben. Vor allem die Spontanität des Animateurfunks habe ihren Reiz: „Ich weiß nie, was mich erwartet, wer am anderen Ende der Leitung ist.“ Und wer kann schon von sich behaupten, 20 Minuten lang Funkkontakt mit der Internationalen Raumstation ISS gehabt zu haben? „Das war ein richtiger Höhepunkt“, sagt Hébert und ihre Augen lächeln dabei.

Dass die Welt ein Dorf ist, wurde ihr durch ihr Hobby noch einmal verdeutlicht: „Ich war im Urlaub in Kenia und habe Richtung Deutschland gefunkt. Da meldet sich auf einmal eine vertraute Stimme und fragt: Béa, bist du‘s?“

 

Von Nathalie Beier

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