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Logcheck

Ein "Goldenes Log" ist auch für Experten eine echte Leistung - ein Log ohne eigene Fehler. Es gibt solche Logs, sogar nach Teilnahmen mit mehr als hundert QSOs. Normalerweise müssen wir aber damit leben, dass uns reichlich QSOs und Muliplikatoren von einem Joint-Venture aus Menschen, Computern und Software abgenommen werden. Wie das funktioniert, wird hier kurz beschrieben - und liefert vielleicht auch ein paar Anhaltspunkte zur Schadensminimierung.

Erster Schritt - die Loganlieferung

Jedes eingehende Log nimmt sich unser Logroboter vor und prüft es auf die formalen Kriterien, vor allem korrekte Bezeichnung der Kategorie und das richtige Dateiformat. Er schickt sehr schnell eine Mail, die mehr ist als nur eine Eingangsbestätigung: Vielmehr meldet sie, ob und was für ein Problem ein Log enthält. Der Roboter findet z.B. sehr zuverlässig QSOs außerhalb der Contestzeit oder nicht verwertbare Formate. Viele versuchen noch diverse Formate von jpg über adi bis zu kryptischen Originaldateien ausgefallener Logprogramme hochzuladen - benötigt wird aber Cabrillo-Format (Tipps zur Logerstellung).

Tnx Maurizio, IK4OMU

Zweiter Schritt - der automatische Logcheck

Jetzt werden alle QSO-Zeilen der eingereichten Logs eingelesen und gegeneinander abgeglichen. Die Software streicht, wenn ein aufgeführtes QSO im Log der Gegenstation nicht vorhanden ist (NIL) oder eindeutig erkennbar etwas falsch aufgenommen wurde. Eindeutig funktioniert das vor allem bei Fehlern im DOK oder bei der laufenden Nummer, also wenn jemand von DL8MBS den DOK X09 loggt, obwohl DL8MBS mit X06 einreichte.

Bei Rufzeichen ist der Fall schon komplizierter

Als Beispiel: AA0AAA trägt im QSO mit der laufenden Nummer 321 als Call DL8MBH ein sowie als empfangenen Rapport 599 X06. Im Log von DL8MBH gibt es ihn zu dieser Zeit nicht, also eigentlich ein NIL: Aber es gibt AA0AAA zu dieser Uhrzeit im Log von DL8MBS, der von ihm 321 als laufende Nummer bekommen und selber X06 gesendet hat. In diesem Fall entscheidet die Software, dass sich AA0AAA verhört hat und streicht ihm das QSO mit DL8MBH als "badcall". Zusätzlich erhält DL8MBS das QSO gutgeschrieben, obwohl sein Rufzeichen gar nicht im Log von AA0AAA steht. Es ist aber klar, wer den Fehler gemacht hatte.
Auf diese Weise entscheidet die Software rund 70 Prozent aller Fälle. Leider gibt es aber viele, in denen sie allein nicht verlässlich genug herausfinden kann, was wirklich Sache war - was uns zu Stufe drei führt.

Logchecker an der Arbeit

Dritter Schritt - Detektivarbeit der Auswerter

Problemfälle für die Software sind Bandfehler - wenn beide Stationen das QSO auf unterschiedlichen Bändern geloggt haben wollen. Dann müssen die Auswerter sich die QSOs davor und danach ansehen sowie die Bandangaben in den Logs der von ihnen gearbeiteten Stationen. Daraus lässt sich fast immer zuverlässig ermitteln, wer das falsche Band geloggt hat (für diese mehreren hundert Fälle pro WAG gibt es verschiedene Gründe, vom CAT-Fehler bis zum verschusselten und nicht eingetragenen Bandwechsel).
Das nächste große Problem sind Stationen, die kein Log eingereicht haben, also keinen direkten Check aus demLog erlauben. Aus ihren Erwähnungen in den Logs aller einreichenden Teilnehmer bildet die Software immerhin ein sogenanntes "Tracelog". Daraus lässt sich z.B. erkennen, ob eine Station zu einer bestimmten Uhrzeit tatsächlich eine geloggte Nummer 123 gesendet haben kann oder ob sie nicht zu dieser Zeit vielmehr bei allen anderen Gegenstationen mit Nummern jenseits der 400 auftaucht. Auch falsch aufgenommene DOKs lassen sich damit einfach erkennen.

Die beliebte Weisheit "Der reicht nicht ein, da kommt es nicht so darauf an" , bitte ganz schnell vergessen. Was wir so alles bei Nichteinreichern tun und wie wir SDR (tnx an Heiko, DL1RTL, für die nicht triviale technische Arbeit)  nutzen, ist hier beschrieben.

Zu allein um echt zu sein

"Hauptgegner" der Auswerter sind aber die sogenannten Uniques - Rufzeichen, die nur in einem einzigen der fast 1600 eingereichten Logs auftauchen. Die normale Erfahrung lässt es als ziemlich unwahrscheinlich erscheinlich, dass jemand sein Gerät einschaltet, sich auf einem Band voller Conteststationen umhört, dann eine einzige Station arbeitet - und wieder ausschaltet. Vorkommen kann es bei seltenen DX-Stationen, die im Contest aktiv sind und von DXer angerufen werden, die sich sonst aber nicht weiter fürs Contestgeschehen interessieren. Auch DXer finden aber im Contest meistens mehr "Beute" als nur eine Station.
Deshalb ist normalerweise ein Unique nur eher ein falsch aufgenommenes Rufzeichen einer Station, die im Contest aktiv war und noch wesentlich mehr QSOs gefahren hat.

Ist ein Unique ein "Unique"?

Bei der Suche nach dem "echten" Call mit passender Zeit und Nummer helfen die Datenbank aller geloggten Rufzeichen mit Vorschlägen ähnlicher Calls darin sowie die Kreativität der Auswerter. Einfache Fälle sind da noch DL8MBH als falsch gehörter tatsächlicher DL8MBS. Schwieriger wird's schon, wenn B7P eigentlich SZ6P ist - oder jemand aus dem Cluster die spottende Station statt der gespotteten ins Log eingetragen hat. Wir prüfen auch in offiziellen Datenbanken etwa von BNA oder FCC, ob ein Rufzeichen überhaupt ausgegeben ist, was aus einigen hundert "Uniques" ebenfalls "badcalls" macht, die gestrichen werden. Manchmal schreiben wir per Mail auch als Unique vermeintlich gearbeitete Stationen an, die eher nicht qrv gewesen sein dürften, etwa wenn sich jemand auf seiner qrz.com-Seite als reiner UKW-Funker bezeichnet. Cluster- und RBN-Spots geben zudem ebenfalls viele nützliche Hinweise, wer sich wirklich hinter einem bestimmten Call verbirgt.
Auf diese Weise lassen sich mehrere tausend Unique-Rufzeichen eindeutig anderen Calls zuordnen und werden damit als "badcalls" gestrichen. Gibt es keine eindeutig belegbare Alternative zu einem Unique-Call, bleibt es natürlich als gewertetes QSO erhalten.

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