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So fing es an ...

Station von Dr. Hans Twick, ex D4VGH 1935
Station von Dr. Hans Twick, ex D4VGH 1938
Station 60er Jahre
Einzige noch vorhandene QSL-Karte Jubila-Ausstellung 1950

von Dr. Leopold Pomp, DL3DD.

Zweifelsohne gibt es Dinge, die noch längere Zeit zurückliegen, etwa ein Ereignis, welches zu Lebzeiten Kaiser Wilhelms stattfand: Ich meine die denkwürdige Tat Thomas Alva Edisons, der in die von ihm erfundene Glühbirne eine weitere Elektrode einfügte und auf diese Weise die Diode schuf. Und auch Lee de Forest ist schon lange tot, der 1910 die Gitterröhre erfand, mit der dann die Neuzeit der Funktechnik begann und das graue Altertum der Löschfunkensender und Hochfrequenzmaschinen überwunden wurde.

Nein, meine Historie beginnt in jenen Jahren um 1927, als ich als Knäblein in kurzen Hosen bereits jene langen, parallel gespannten Drähte bewunderte, Antennen genannt, die sich schon damals über einigen Mönchengladbacher Gärten und Hinterhöfen im Winde wiegten. Meine Eltern kannten damals einen Ingenieur, welcher zusammen mit einem Fotografen an der Bismarckstraße einen kleinen Laden betrieb. In seiner Hälfte, den hinteren Räumen, konnte ich nun erstmals geheimnisvolle große schwarze Kästen bewundern, mit zahlreichen Drehknöpfen versehen, und wenn man den Deckel öffnete, erblickte man fünf, sechs, sieben oder gar acht Röhren, deren Heizfäden magisch leuchteten. Mir wurde bedeutet, dass es sich hier um "Superheterodyne-Empfänger" handelte, und allein schon dieses Wort war geeignet, andächtige Bewunderung auszulösen. Letztere war nur noch dadurch steigerungsfähig, dass man erfuhr, wie mit diesen Wunderkästen Sender aus dem fernen Amerika, Schenectady zum Beispiel, empfangen werden konnten.

Aber auch kleinere, oft pultförmige Geräte gab es zu sehen, oben schauten 2 bis 4 Röhren in die frische Luft, sie besaßen nur 2 oder 3 Drehknöpfe und auch die wunderschön anzusehenden Luftspulen waren draußen angebracht. Hier handelte es sich um einfache und auch etwas preis wertere Geradeausempfänger, die nicht für Schenectady, sondern allenfalls für Droitwich und Königswusterhausen reichten. Trotzdem waren meine Eltern - rückständig und fortschrittsfeindlich wie Eltern nun einmal sind - nicht zu bewegen, solch ein technisches Wunderwerk für das traute Heim zu erwerben. Schließlich lebten wir nicht in Berlin, wo bereits am 29.10.1923 aus dem Vox-Haus die erste Rundfunksendung den Äther erfüllte, sondern in der tiefen Provinz, am linken Niederrhein. Da mussten erst noch Leon Deloy in Nizza auf der einen, Fred Schnell und John Reinartz auf der anderen Seite des Atlantiks mit Hilfe kurzer Wellen (für unsere heutigen Anschauungen waren sie recht lang) den großen Teich überqueren, und da musste vor allem noch sehr viel Wasser die Niers hinab fließen, bis zu Beginn des neuen Jahrzehnts der große Hit geboren wurde: der Loewe mit der Dreifachröhre, dem dann auch meine Eltern nicht widerstehen konnten.

Der Erfolg dieses Gerätchens wurde später nur noch vom V E (Volksempfänger) und D K E (Deutscher Kleinempfänger, als "Göbbelsharfe" besser bekannt) übertroffen. Nachdem nun die Technik in die provinziellen Wohnzimmer eingedrungen war, nimmt es nicht wunder, dass sich ein immerhin nicht kleiner Teil der damaligen Jugend ihr verschrieb. Auf den jeweiligen Schulhöfen konnte während der Pausen festgestellt werden, dass selbst Schüler der unteren Klassen damit begannen, alte Röhren, Luftspulen, Dreh- und Festkondensatoren sowie Wider­stände zu tauschen. Am wichtigsten war es, für einen Kopfhörer zu sparen, dann war die größte Hürde überwunden; denn einen Kristalldetektor konnte man für eine halbe Reichsmark bei Woolworth erstehen und auch Spulen und Hartpapierdrehkos waren erschwinglich. Wenn dann die Antenne hoch und lang genug war, konnte mit dem leicht zusammengebauten Detektorempfänger abends im Bett genussvoll mindestens der Ortssender abgehört werden. Trotzdem fühlte sich jeder von uns magisch zum Röhrengerät hingezogen, auch wenn es nur eine einzige RE 054, RE 034 oder gar die Doppelgitterröhre RE 074 d war, die nur eine geringe Anodenspannung benötigte. Denn bei den teuren Anodenbatterien handelte es sich um die Kostenlawine, die jeden kleinen Schülergeldbeutel erschüttern musste.

Diesem Alptraum machte erst der Fortschritt in Form der Wechselstrom-, Gleichstrom- und Allstromröhren ein Ende, nun konnten die armen Radiobastler endlich aufatmen. Aber zugleich mit diesen Atemzügen endet auch meine Rahmenerzählung; denn in jenen Jahren um 1932/1933 hatte sich in Mönchengladbach etwas entscheidend Neues ereignet: Es gab da einige Jünglinge, die noch die Schulbank drückten und einige alte Marinefunker aus den Jahren des ersten Weltkriegs. Ihnen lag nicht Radiobasteln am Herzen, ihre Interessen richteten sich auf die kurzen Wellen, und sie wollten nicht nur hören, was dort zu hören war, sondern auch - man höre und erschrecke - auch senden! Dass bereits 1927 der DASD gegründet wurde, nachdem ihm schon andere, meist örtliche Funkvereine vorangegangen waren, hatte sich noch nicht bis Mönchengladbach herumgesprochen, aber es waren - bildhaft gesagt - die letzten Sekunden vor Sonnenaufgang. Friedrich Wilhelm Kaulen hieß damals der Aktivste aus der jungen Garde, und Hans Twick war sein eifrigster Mitspieler. Zu den Männern der ersten Stunde gehörten noch Ludwig Arrenbrecht, der bereits dem Schüleralter entwachsen war, sowie die alten Marinefunker Worms und Schmitz-Lenders, letzterer aus Viersen, wo er viele Jahre Geschäftsführer der Niersverbandes war und im Sommer 1982 im Alter von 86 Jahren verstarb.

Unsere beiden Jünglinge Friedrich Wilhelm Kaulen und Hans Twick hatten allerdings den 1. Weltkrieg nicht nur zur Er lernung des Morse-Alphabets nutzen können, sie mussten dies im Do-it-yourself- Verfahren nachholen. Hans Twick hatte eine besonders originelle Methode entwickelt, er übersetzte seitenlang Zeitungsartikel schriftlich in Striche und Punkte, entsprechend den Morsezeichen (den modernen Didakten der Morsekunst sträuben sich sicher alle Haare), aber es klappte trotzdem, und die letzte Vervollkommnung wurde dann durch fleißiges Abhören der Morsesendungen im selbstgebauten Empfänger erreicht. Nun waren dem Tatendrang keine Grenzen mehr gesetzt - man schrieb das Jahr 1933 - und im Äther erschienen die in eigener Machtvollkommenheit verliehenen Rufzeichen D4BKX (Friedrich Wilhelm Kaulen) und D4HPH (Hans Twick). Lange konnte so etwas nicht gut gehen, und es ging auch nicht gut. Die Polizei erschien auf dem Plan und räumte gründlich auf mit diesem Spuk. Vor dem Schlimmsten bewahrt wurden die beiden Sünder durch OM Arrenbrecht, der wie oben erwähnt, einige Jährchen älter und reifer war und seine Beziehungen einsetzte.

Und nun ging man den Weg der Legalität, trat dem DASD bei und besuchte einen damals sehr aktiven Kurzwellenamateur, Peter Tolles in Krefeld-Oppum, und seine Lebensgefährtin (in jenen Zeiten "Haushälterin" genannt) Frieda Blum. Ob es der Erwerb weiterer Kenntnisse auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnik oder eher das Studium der von Peter Tolles gekelterten Stachelbeer- und Johannisbeerweine war, was die zahlreichen Fahrten von Mönchengladbach nach Krefeld-Oppum mittels Eisenbahn oder auch Fahrrad so reizvoll machte, möge dahingestellt bleiben. Mit der Technik hatte OM Tolles nicht ganz selten einige Probleme und es wird berichtet, wie es ihn wunderte, dass nur ein geringer Teil der in seinem Sender erzeugten Leistung die Antenne und dement sprechend andere Funkfreunde erreichte. Unvergessen sind jedenfalls die Erlebnisse Gladbacher Oldtimer, denen OM Tolles die in seinem Funkraum auf leuchtenden Glimmlampen vorstellte mit der stolzen Erklärung: Seht ihr, das ist Hochfrequenz!! Eine unverwechselbare Persönlichkeit war Peter Tolles zweifellos, Inhaber der DE Nr. 1306 und mit dem Rufzeichen D4KGH wohl der erste Lizenzträger am linken Niederrhein, während seine Haushälterin Frieda Blum erst etwas später die DE Nr. 1954 erwarb. Nachdem er den 2. Weltkrieg überlebt hatte, stellte er sich 1948 noch einmal der Lizenzprüfung und erhielt in jenem denkwürdigen März 1949 das Rufzeichen DL1JL.

Als der Verfasser dieser Zeilen 1954 beruflich nach Krefeld verschlagen wurde, stand ein Besuch bei Peter Tolles verständlicherweise schon in den ersten Tagen auf dem Programm, und siehe da, von jenen Geräten aus grauer Vorzeit war noch manches vorhanden. Wenig später segnete der Altmeister das Zeitliche und schaut sich seitdem wohl die Ionosphäre von der Außenseite an. Damals aber machten die Gladbacher Jungamateure rasche Fortschritte als Mitglieder des DASD und im Jahre 1934 bestand Hans Twick als erster die DE-Prüfung, er erhielt die DE Nr. 1925. Ihm folgte Ludwig Arrenbrecht als DE 2237, Friedrich Wilhelm Kaulen wurde zur gleichen Zeit DE 2238. Etwas später erhielt auch der schon erwähnte alte Marinefunker Schmitz-Lenders seine DE Nr.2767. Berichtenswert ist noch, dass Hans Twick Anfang 1934 nicht nur die DE-Prüfung, sondern - offenbar ganz nebenbei - auch sein Abitur bestanden hatte und im Herbst des gleichen Jahres an der Universität Köln das Studium der Physik begann. Da er aber seinen Wohnort nicht nach Köln verlegte, sondern in Mönchengladbach blieb, konnten die Dinge ihren Lauf nehmen, so wie nach­folgend beschrieben wird: Es war der Frühsommer des Jahres 1935, als auf die damaligen deutschen Kurzwellenamateure ein warmer Regen von Sendelizenzen niederging. Hans Twick war einer jener Glücklichen, er erhielt das Rufzeichen D 4 VGH, welches er bald in der ganzen Welt bekannt machen sollte.

Zugleich hatte damit die Geburtsstunde des Ortsverbandes der Kurzwellenamateure in Mönchengladbach geschlagen. Damals lautete der offizielle Name: Ortsgruppe M.Gladbach des DASD in der Landesgruppe H (Niederrhein). In jener Zeit fand sich der Kenner der Landesgruppe, bei uns entsprechend der Oberpostdirektion Düsseldorf, im letzten Buchstaben des Rufzeichens wieder. Und kein anderer als Hans Twick, D 4 VGH, war der erste Vorsitzende dieser Ortsgruppe M. Gladbach, zu deren Einzugsgebiet auch Viersen gehörte. Unter seiner Führung, die ihm auch in den folgenden Jahren niemals streitig gemacht wurde, begann eine stürmische Entwicklung. Paul Westermann aus Mönchengladbach, beruflich der Elektrotechnik verbunden, wurde DE 3033, Rudolf Schnurmann aus Rheydt DE 3719, und Jakob Meskes aus Viersen DE 3720. Letzterer war nur kurzzeitig Mitglied der Ortsgruppe.

1936 folgten dann Ernst Wilhelm Hans DE 3784 und Erwin Weichert DE 3785, im Jahre 1937 Josef Birker DE 6055 und Karl Feldt DE 6056, beide aus Viersen, sowie Walter Sommerfeld DE 6054. Der Letztgenannte war nur ein kurzer Gast in der Ortsgruppe M. Glad bach, ähnlich erging es auch Hans Troles aus Viersen, nach einem damals viel verwendeten Kunststoff "Trolitul" genannt, der 1937 eintrat und bald nach seiner DE-Prüfung zum Wehrdienst eingezogen wurde. Ende August 1937 war Leopold Pomp Mitglied geworden, verführt von seinem Klassenkameraden Ernst Hans. Er wurde im Mai 1938 DE 6491 und erhielt als erstes Ortsgruppenmitglied im März 1939 das DEM-Diplom. Als letztes aktives Mitglied kam dann Mitte des Jahres 1939 noch Gerd Mannheim aus Mönchengladbach zur Ortsgruppe und wurde DE 7230.

Wie sah es nun in jenen Jahren von 1935 bis 1939, der Blütezeit des ersten Ortsverbandes der Kurzwellenamateure in Mönchengladbach aus. Es war OM Käulen, der schon bald nach der Gründung eine Versammlungsstelle beschafft hatte, zwei Räume im obersten Stockwerk des Hauses Neusser Straße 1 in Mönchengladbach. Dort traf man sich am Montagabend in jeder Woche, brachte seinen Kopfhörer mit, schloss ihn an die in einen langen Tisch eingebaute Summeranlage an, und dann begann eine Morseübungssendung, damit die DE -Anwärter auf Tempo 60 kamen und die Fortgeschrittenen noch etwas hinzu lernten. Anschließend wurde über Technik, Wettbewerbe und anderes mehr diskutiert, oft hielten auch die einzelnen Mitglieder Vorträge über selbst gewählte technische Themen. Die Hauptlast dieser Bildungsarbeit lag natürlich auf den Schultern des Vorsitzenden Hans Twick, der aufgrund seines Physikstudiums ohnehin für diese Aufgabe prädestiniert schien. So war es kein Wunder, wenn bei Wettbewerben Mitglieder der Ortsgruppe M.Gladbach meist in den Spitzenpositionen zu finden waren, und auch bei einem Feldtag, der im Sommer 1938 von der Landesgruppe Essen-Hügel veranstaltet worden war, kam das Siegertrio geschlossen aus Mönchengladbach.

Um die damalige Aktivität deutlich zu machen, muss man wissen, dass in jener Zeit die Anforderungen bei der DE-Prüfung kaum geringer waren, als sie heute bei der Lizenzprüfung ge stellt werden. Und in jenen Jahren gab es kein Mitglied in der Ortsgruppe M.Gladbach, das nicht nach kurzer Zeit eine DE-Nummer sein eigen nennen konnte. Ein Nachteil des Ortsgruppenheims in der Neusser Straße soll allerdings nicht verschwiegen werden: Es gab dort keine Getränke. Um diesem Mangel abzuhelfen, schloss sich meist einmal im Monat an den Ortsgruppen abend ein Zug durch die Gemeinde an, der regelmäßig im Lederer-Bräu in der Bismarckstraße begann und in tiefer Nacht mit der Suche nach einem noch von der Polizeistunde verschonten Lokal endete. Das Jahr 1939 wurde dann zum Schicksalsjahr für die Ortsgruppe des DASD. Bereits am 1. April wurden einige der jüngeren Mitglieder zum "Reichsarbeitsdienst" geholt, die meisten anderen mussten spätestens nach Kriegsbeginn am 1. September zum Wehrdienst einrücken.

Hans Twick war auch unter diesen, hatte aber das Glück, während eines Sonderurlaubs 1941 sein Physikstudium abschließen zu können. Seine Dissertation über ein Thema der Kernphysik wurde mit dem Prädikat "sehr gut" bewertet. Wenig später konnte er sich über seine Entlassung aus der Wehrmacht freuen. Er wurde als Physiker Mitarbeiter einer Elektronikfirma, deren Entwicklungen als kriegswichtig galten. In jenen Jahren gehörte er dann auch zu den wenigen Funkamateuren, die noch eine Betriebserlaubnis erhielten. Sein Rufzeichen D4VGH erschien wieder im Äther, von OM Pomp, DEM 6491, wurde ihm aus dem Kaukasus ein Hörbericht auf 80 m zugeschickt, auch andere ehemalige Ortsgruppenmitglieder an anderen Fronten nahmen seine Signale auf. So war die erste DASD-Ortsgruppe M.Gladbach zwar zunächst einmal gestorben, aber in der Erinnerung ihrer ehemaligen Mitglieder lebte die Hoffnung auf eine spätere Auferstehung.

Und diese Hoffnung wurde nicht enttäuscht. Eine alte Weisheit gilt für Spitzensportler, vor allem für Boxer: "They never come back!" Für Kurzwellenamateure gilt bekanntlich das Gegenteil: "They all come back, die von der Wanze (bug) gebissen wurden". Nur OM Kaulen war es nicht vergönnt, aus dem Krieg heimzukehren. Sein Verlust traf alle sehr schwer, die ihn kannten. Neben Hans Twick war er die treibende Kraft im alten Ortsverband gewesen und man konnte mit Sicherheit von ihm erwarten, dass er auch in der Nachkriegszeit schon sehr bald wieder zu den aktivsten Funkamateuren gehört hätte. OM Arrenbrecht DE 2237 und OM Westermann DE 3033 nahmen nach dem Krieg ihre Tätigkeit als Funkamateure nicht wieder auf, die meisten anderen jedoch schlossen sich den neu gegründeten Funkervereinigungen an und einige, zum Beispiel OM Pomp in Marburg unter dem Rufzeichen DA 3 VE, gingen im Rahmen der nicht ganz legalen Vereinigung SAC 585 in die Luft. Im Sommer 1948 wurden dann von den Oberpostdirektionen die ersten offiziellen Lizenzprüfungen durchgeführt, und siehe da, an welche Orte das Nachkriegsschicksal sie auch verschlagen hatte, die ehemaligen Gladbacher Funkamateure waren wieder da. Im März 1949 wurden dann die lange erwarteten Rufzeichen ausgegeben, und das sind sie: DL1JO Josef Birker DE 6055 DL1LK Ernst Hans DE 3784 DL1MI Dr. Hans Twick DE 1925 ex D4VGH DL1SK Karl Feldt DE 6056 DL3DD Dr. Leopold Pomp DEM 6491 DL3DJ Erwin Weichert DE 3785 Im Jahre 1950 folgte dann noch DL3RU Rudolf Schnurmann DE 3719 und erst 1970 DK5EX Gerd Mannheim DE 7230.

Und wo sind sie geblieben, unsere Oldtimer? OM Birker, DL1JO ist inzwischen verstorben. OM Feldt, DL1SK, lebt in einem Seniorenheim in Münster und ist von dort aus nicht selten auf dem 2m-Band zu hören. OM Hans, DL1LK, war im alten Kölner Hochhaus am Hansa-Ring entscheidend am Aufbau des UKW-Rundfunks beteiligt, half dann dem deutschen Fernsehen auf die Beine und ging anschließend zum ZDF nach Mainz, wo er noch heute als leitender Ingenieur tätig ist. Da auf diese Art sein Hobby zum Beruf geworden war, hatte es seinen eigentlichen Sinn verloren und Ernst Hans - leider, muss man sagen - gab seine Lizenz zurück. Auch bei OM Schnurrmann, DL3RU, gewann der Beruf als Ingenieur und Konstrukteur bei Scheidt und Bachmann in Rheydt bald die Oberhand. Wenn man in jener Zeit in der örtlichen Presse die Nachrichten aus der Industrie verfolgte, musste man feststellen, dass bei der Nennung neu angemeldeter Patente der Name Schnurmann selten fehlte. So blieb für den Amateurfunk keine Zeit mehr übrig, und OM Schnurmann gab die Lizenz zurück. Anders OM Weichert, DL3DJ, der trotz häufigen QTH-Wechsels in den ersten Nachkriegsjahren doch dem Amateurfunk treu blieb. Nun schon seit längerer Zeit in Leverkusen ansässig, ist er auf allen Bändern zu hören. Besonders lange dauerte es bei OM Mannheim, DK5EX, der in Remscheid viele Jahre hindurch beruflich so sehr in Anspruch genommen war, dass er erst 1970 seine Lizenz erwerben konnte. Wenig später aber wurde er Frührentner und Berufsamateur, ließ sich im oberbayrischen Lenggries nieder und entwickelte eine derart intensive funkerische Aktivität, dass man glauben könnte, er wolle die versäumte Zeit nachholen. Doch nun zum ehemaligen großen Vorsitzenden OM Dr. Twick, DL1MI, jetzt Mitglied des Ortsverbandes Grenzland in Viersen. Trotz mehrfachen QTH-Wechsels und trotz anstrengender Tätigkeit im Institut für Strahlen- und Kernphysik der Universität Bonn von 1956 bis 1981, wo er zuletzt als Kustos Träger höchster Verantwortung war (er hatte nämlich über das auszugebende Geld zu entscheiden), sah man ihn stets an der Spitze des Fortschritts der HF-Technik. Mit einer durch Seilzug von Hand drehbaren 10 m-Richtantenne, montiert an einer hohen Birke, begann zunächst die DX-Tätigkeit sowohl in CW als auch AM, später auch Schmalband-FM, die ihn schon in jenen frühen Jahren die 100-Länder-Grenze überschreiten ließ. Dann war er einer der ersten, die - damals vor über 30 Jahren natürlich noch mit selbstkonstruierten Ge räten - das 2 m-Band eroberten. Auch die neue Betriebsart SSB benutzte er selbstverständlich als einer der ersten. Der erreichte Ruhestand war Anlass zur Suche nach Neuland, welches er in der Form von RTTY, speziell AMTOR fand. Am 15.12.84 wurde er 70 Jahre alt, war aber dennoch jung genug, wieder einen neuen Anfang zu wagen, diesmal mit Packet Radio. In dieser Betriebsart ist er zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen aufzunehmen. Was in Zukunft noch alles von ihm zu erwarten ist, bleibt sein Geheimnis.

Zu guter Letzt wäre noch von OM Dr. Pomp, DL3DD zu berichten, der im April 1950 aus Marburg/Lahn nach Mönchengladbach zurückkehrte, wo OM Heinz Kiesau, DL1YK den Ortsverband zu neuem Leben auferweckt hatte. Diesem seinem alten Ortsverband trat er bei und blieb auch Mitglied, obwohl er bis 1959 seinem Broterwerb in Bonn, Krefeld und zuletzt in Freiburg nachging. Meist in der Betriebsart CW, zuweilen aber auch in SSB, ist er auf allen Kurzwellenbändern zu erreichen, vereinzelt spielt er auch mit einem kleinen Handfünklein auf der 2m-Wiese. Da er der Einzige ist, welcher sowohl der alten DASD - Ortsgruppe M.Gladbach als auch dem DARC - Ortsverband Mönchengladbach-Rheydt kontinuierlich angehörte und noch angehört, wurde er vom Schicksal dazu bestimmt, diese Historie zu Papier zu bringen.

Und so ging es weiter

von Johannes Bock, DJ4RK.

In den ersten Jahren nach dem Kriege stand die Sorge um das tägliche Brot im wahrsten Sinne des Wortes im Vordergrund. Dennoch widmeten sich viele ehe malige Mitglieder des DASD und neue Interessenten ihrem Hobby und schlossen sich zu Orts- und Landesverbänden zusammen. Bereits im Jahre 1947 erschien auch schon die von W. F. Koerner herausgegebene Clubzeitschrift "QRV". Sie war nur gegen Ablieferung entsprechender Mengen Altpapier an den Verlag erhältlich! Auf unermüdliches Drängen der Funkamateure verabschiedete der Wirtschaftsrat im März 1949 das "Gesetz über den Amateurfunk". Nun konnten die Amateure nach erfolgreich abgelegter Prüfung endlich "in die Luft gehen".

Auf der 4. Amateurtagung in Homburg v. d. H. im September 1950 wurde die Gründung eines Verbandes beschlossen, der sich auf die drei westlichen Be satzungszonen erstreckte. Er erhielt die Bezeichnung "Deutscher Amateur- Radio-Club e.V." (DARC), damals mit Sitz in Kiel, heute in Baunatal. Unter gliederungen des DARC sind die Distrikte und Ortsverbände. Im Juli 1952 wurde der Club Mitglied der Internationalen Radio Amateur Union (IARU). Der bereits im Januar 1950 eigens für die Bediensteten der Post gegründete "Verein der Funkamateure der Bundespost" (VFDB) schloss sich im April 1951 dem DARC kooperativ an, da auf internationaler Ebene nur ein Verband sein Land vertreten kann. Nach Kriegsende hatte von den Mitgliedern des alten Ortsverbandes nur noch OM Schnurmann (ex DL3RU) seinen Wohnsitz in Rheydt. Dafür aber wurden andere Amateure der Vorkriegszeit in unseren Raum verschlagen. Zu ihnen gehörte Heinz Kiesau (DL1YK), Angehöriger der Bundespost. Er war es, der im Jahre 1948 unseren Ortsverband im Rahmen des DARC/britische Zone zu neuem Leben erweckte. Zum Stamm gehörten OM Boljahn (DL3BS), OM Stammen (DL9DX), Dr. Schumann sowie die Angehörigen der Bundespost OM Herrmann (DL6CI), OM Wirtz (DJ1TP), OM Rappe (ex DJ2AU) und Alfred Apel (DJ2AV), der zwar später auch dem VFDB angehörte, aber bis zu seinem viel zu frühen Tode im Jahre 1980 mit unseren OV besonders eng verbunden blieb.

Er stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite, und wir nannten ihn daher A(mateur) V(ater). Dr. Pomp (DL3DD), der 2 Jahre lang OVV in Marburg/Lahn gewesen war, kehrte in jenem Frühjahr 1950 in seine Heimat zurück, als der neue Ortsverband erstmals anlässlich der Jubila-Ausstellung der Stadt Mönchengladbach an die Öffentlichkeit trat. Im Hause der Berufsschule am Platz der Republik prä­sentierten sich 2 Stationen und zwar DL1YK (Heinz Kiesau) und DL6CI (Herbert Herrmann) mit aktiver Unterstützung durch die OM Wirtz, Rappe, Apel und Schnurmann, der noch Fotos von diesen Jubila-Stationen besitzt. Die älteste Mitgliederliste datiert vom 14.8.1955. Sie weist 19 Mitglieder aus, davon 6 Lizenzierte. Heute haben wir 89 Mitglieder, davon 71 Lizenzierte. Dieser hohe Stand ist um so bemerkenswerter, als Mitglieder unseres OV zu den später gegründeten Ortsverbänden Grevenbroich und Korschenbroich ab­wanderten. In unserem OV sind die Altersgruppen vom Schüler bis zum Greis und die unter schiedlichsten Berufe vertreten. In den alten Akten finden sich Hochzeitsanzeigen von ehemals jungen OM, die heute mit ihrem Sohn beim OV-Abend erscheinen, der selbst bereits eine Lizenz besitzt.

Hier soll auch an unseren unvergesslichen Paul Ruhm, DK5E0, gedacht werden, der, animiert von Sohn und Schwiegersohn, im Jahre 1967 im Alter von 74 die C-Lizenz und mit 78 Jahren die A-Lizenz schaffte. Es war ihm vergönnt, sich bis 1973 auf den Bändern zu tummeln, dann verließ er uns im Alter von 80 Jahren für immer.

Unser Hobby bietet ein weites Betätigungsfeld, und so haben wir viele Mitglieder, die ihr Herz für eine bestimmte Betätigungsform entdeckt haben. Da gibt es CW-isten, Fonisten, DXer, Diplomjäger, UKW-Spezialisten, Wetter- und Ionosphärenbeobachter, Satellitenfunker und natürlich Bastler mit all ihren Spezialgebieten. Wir Funkamateure üben unser Hobby still und leise zu Hause aus. Für Vereinsmeierei haben wir nicht viel übrig, aber so ganz ohne geht es auch nicht. Dazu dienen uns der monatliche Clubabend und die wöchentliche OV-Runde, in der sich interessierte Stationen über Funk zum zwanglosen Gedankenaustausch, zur Besprechung technischer Probleme und zur Weitergabe von Neuigkeiten treffen. Das Mike geht dann reihum. Angefangen hat unsere Runde - damals hieß sie "Niersrunde" - auf dem 80-m-Band. Als dann das QRM zu stark wurde, kletterten wir die Bänder immer höher hinauf, bis wir auf dem 10-m-Band landeten. Seit Jahren steigt so unsere OV-Runde jeden Sonntag ab 10.3o Uhr Ortszeit auf 29,150 MHz, und im UKW-Bereich ist auf unserer Hausfrequenz 144,700 MHz fast immer ein OM anzutreffen. Da in der OV-Runde nur die Lizenzierten mitmachen können und per Funk nicht alles in den Äther posaunt werden darf, treffen wir uns allmonatlich beim Clubabend.

Als in den ersten Nachkriegsjahren der OVV, OM Kiesau, und weitere Mit glieder Postangehörige waren, konnten wir unsere OV-Abende im Dachgeschoß des Postgebäudes Mönchengladbach in der Stephanstraße abhalten. Nach dem Weggang von OM Kiesau im September 1955 verloren wir diese Möglichkeit. In die von uns benutzten Räume zog die Funkstörungsstelle ein. Wir mussten daher die Zusammenkünfte in die Gartenlaube des damaligen OVV Ulrich Ruske (DJ3ZV) in der Eintrachtstraße in Rheydt verlegen. Die Station von Ulrich Ruske, DJ3ZV in seiner Gartenlaube, unserer ersten „Versammlungsstätte". Jeder Verein hat seinen Repräsentanten, und auch wir haben einen, nämlich den Ortsverbandsvorsitzenden (OVV). Satzungsgemäß werden seit Alters her alle 2 Jahre der OVV und seine Helfer gewählt, und hier sind unsere Ortsverbands-vorsitzenden:

von 1948 bis Sept. 1955 - Heinz Kiesau, DL1YK
von Sept. 1955 bis Febr. 1956 - Heinz Michiels
von Febr. 1956 bis Mai 1957 - Ulrich Ruske, DJ3ZV
von Mai 1957 bis Mai 1960 - Walter Vitz, DJ4RL
von Mai 1960 bis März 1962 - Dr. Leopold Pomp, DL3DD
von März 1962 bis Febr. 1968 - Walter Vitz, DJ4RL
von Febr. 1968 bis März 1970 - Karl-Heinz Steenaerts, DL2XL
von März 1970 bis März 1974 - Walter Vitz, DJ4RL
von März 1974 bis April 1975 - Peter Zerjeski, DJ5GP
von April 1975 bis Sept. 1980 - Günter Schulte, DJ5IH
von Sept. 1980 bis Febr. 1984 - Diethard Balzer, DC8EI
ab Febr. 1984, - Walter Vitz, DJ4RL

Heinz Kiesau lebt heute in Köln, der Verbleib von Heinz Michiels ist unbekannt, Ulrich Ruske verzog nach Germersheim, Karl-Heinz Steenaerts nach Niederkrüchten (er ist jetzt OVV des VFDB in Mönchengladbach) und Peter Zerjeski ging zum OV Korschenbroich. Walter Vitz, Dr. Leopold Pomp, Günter Schulte und Diethard Balzer sind unserem OV treu geblieben. Alle unsere OVV haben sich tatkräftig für die Belange unserer Mitglieder insbesondere für die Förderung der Jugendarbeit und für gemeinsame Aktivitäten eingesetzt. Hier ist die beste Gelegenheit, ihnen für ihren selbstlosen Einsatz zu danken.

Infolge steigender Mitgliederzahl wurde diese "Tagungsstätte" bald zu klein. Wir fanden aber eine gute Bleibe von 1958 bis 1962 im Rheydter Turnerheim. Leider wurde dann der Gaststättenbetrieb eingestellt, und bei der Suche nach einer neuen Versammlungsstätte wanderten wir durch mehrere Lokale. Es lag daran, dass wir in unserem 0V immer eine stattliche Zahl Jugendlicher haben, die bekanntlich nicht gut bei Kasse sind und daher dem Wirt nicht den erhofften Umsatz bringen. Aus diesem Grunde wurden wir mehrmals höflich hinauskomplimentiert mit der Empfehlung, sich ein anderes Lokal zu suchen. So frequentierten wir von 1963 bis 1966 die Gaststätten "Schmitze Lambet", Eggerstraße, Rheydt, Bernd, Reyerhütterstraße, Mönchengladbach, Hönings, Pescher Straße, Mönchengladbach, Obholzer, Odenkirchener Straße, Rheydt. Von 1967 bis 1976 fanden wir dann eine Bleibe im Lokal "Zum weißen Pferd", Hofstraße. Als Günter Schulte (DJ5IH) im April 1975 den Vorsitz im OV übernahm, verfolgte er zusammen mit Fritz Wiebel zielstrebig das Projekt eines Clubheimes. Ein Jahr dauerte der Papierkrieg, dann hatte Gunny es geschafft: Aus städtischem Besitz wurden ab 1.9.1976 zwei hintereinander liegende Räume an gemietet, in Eigenleistung hergerichtet und mit gespendeten Möbeln ausgestattet. Raum 1 (36 m2) diente zur Unterbringung der Station, des Kühlschrankes und der el. Kochplatte (Küche), Raum 2 mit 47 m2 für Versammlungen. Allen Beteiligten sind heute noch die Situationen anlässlich der Herrichtung in Erinnerung, als Walter, nur mit Badehose bekleidet, einen Wasserhahn bei vollem Leitungsdruck - der Haupthahn war nicht abstellbar - auswechselte und Gunny sich in voller Länge an eine frisch gestrichene Wand anlehnte. Ein Traumzustand war erreicht, denn wir konnten in unseren eigenen 4 Wänden jederzeit zusammenkommen, unsere OV-Abende abhalten und die Newcomer schulen.

Bis Ende 1978 dauerte dieser angenehme Zustand, dann stellte sich heraus, dass zwar die monatliche Miete von 50,-- DM, nicht aber die hohen Heizkosten auf Dauer tragbar waren. Das finanzielle Abenteuer hielt sich aber doch noch in Grenzen, denn nach Abrechnung aller Abgaben im Zusammen hang mit dem OV-Heim war mehr in der Kasse als vor Beginn des Mietvertrages. Dir lieber Gunny Dank für Deinen Wagemut und Dein Engagement, das leider zu wenige OM mit Dir teilten. Ab 1.1.1979 saßen wir also wieder auf der Straße, kehrten ins "Weiße Pferd" in der Hofstraße zurück, bis Anfang 1982 das Lokal geschlossen wurde, weil der Wirt gestorben war. Anschließend wichen wir in die "Alte Post" in Rheindalen aus, wurden dort zu unerwünschten Gästen erklärt, weil der Umsatz wieder mal nicht stimmte und kehrten nach 22 Jahren ins Turnerheim, Nordstraße 133, zurück.

Hier fühlten wir uns wohl, danken daher dem Wirt und hoffen, diese Bleibe noch lange behalten zu dürfen. Unsere OV-Abende waren schon immer gut besucht. Doch früher war die Mitgliederzahl geringer, die Informationen von oben kamen spärlich, und die Besprechung gemeinsamer Angelegenheiten im kleinen Kreis ging unter Beteiligung aller OM flott vonstatten. Es blieb dann noch viel Zeit, die zur Schulung und zur Besprechung von Problemen auf dem Gebiet der Hochfrequenztechnik im persönlichen Gespräch ausgenutzt wurde. Heute sehen unsere OV-Abende anders aus. Die Teilnehmerzahl ist gestiegen, es geht lebhaft zu, so dass der OVV oft von seiner Sturmglocke Gebrauch machen muss, um sich Gehör zu verschaffen.

Der Fortschritt der Technik führt zu einer Berieselung mit Informationen und Direktiven von oben. Schließlich ist die Regelung gemeinsamer Aktivitäten schwieriger geworden. Dadurch fehlt leider die Zeit für das persönliche Gespräch von Mensch zu Mensch. Querelen gab es auch bei uns, aber sie hielten sich in Grenzen und wurden sachlich ausgetragen. Ich denke hier besonders an die Zeit, als unser Club-Management auf die kühne Idee kam, in Baunatal ein modernes Amateurfunk-Zentrum zu bauen. In heißen Debatten wurden das Pro und Kontra vorgetragen und noch nie waren die Wogen so hoch gegangen. Nun, das AFuZ wurde gebaut (auch unser OV beteiligte sich mit 5 Bausteinen je 50,-- DM), inzwischen hat es sich als notwendig, zweckmäßig und für den DARC finanziell tragbar erwiesen.

Nachdem über 10 Jahre ins Land gegangen sind, ist die Angelegenheit vergessen. Auch Ham-Feste mit Musik, Tombola und allerlei Belustigungen haben wir veranstaltet und zwar - lang, lang ist es her - 1955 im Buchenhof im Volksgarten, am 22.5.1959 im Turnerheim in Rheydt, Nordstraße, am 18.5.1963 in der Gaststätte Lück, Lehwaldstraße, am 15.5.1965 in der Gaststätte Deuss, Erzbergerstraße, am 22.4.1967 in der Gaststätte Deuss, Erzbergerstraße. Diese Feste waren gut besucht und führten zu vielen persönlichen Kontakten. Zu erwähnen sind auch noch der gemeinsame Besuch der Funkausstellung in Düsseldorf im Jahre 1970, die Busfahrt zum "Evoluon" nach Eindhoven im Jahre 1971 und mehrere vom Distrikt organisierte Fahrten auf dem Rhein und nach Braunatal.

Eine wichtige Angelegenheit ist die kostenlose Vermittlung der QSL Karten. Dazu hat jedoch der OV seinen QSL-Manager. Von 1950 bis 1953 versah dieses Amt Dr. Leopold Pomp (DL3DD), ihm folgte bis April 1965 Frau Apel, die XYL des bereits eingangs erwähnten Alfred Apel (DJ2AV). Dann versahen dieses Amt: ab April 1965 - Manfred Zeiske, DJ9ZM ab März 1966 - Christian Knappe, DJ6HL ab Febr. 1968 - Karl-Heinz Steenaerts, DL2XL und ab Okt. 1979 - Martin Kurz, DK9JP. Martin bringt zum OV-Abend die von der Zentralstelle eingegangenen QSL Karten zur Verteilung mit, sammelt gleichzeitig die ausgehenden Karten ein, sortiert sie und schickt sie zur Zentralstelle ab. Im Monats durchschnitt gehen etwa 800 Karten aus unserem OV in die weite Welt ab. In der Regel wird jede getätigte Funkverbindung mit einer QSL-Karte bestätigt. Wer also viel QSO fährt, braucht auch viele QSL, und das kann eine kostspielige Angelegenheit werden, denn der Druck der QSL ist teuer. Deshalb sind wir der Stadt Mönchengladbach und auch der früheren Stadt Rheydt sehr dankbar, dass sie uns seit eh und je kostenlos mit QSL-Karten versorgt haben.

Sicher wird die auf der QSL enthaltene Selbstdarstellung der Stadt mit werbendem Text dazu beigetragen haben, dass geschäftliche Verbindungen mit heimischen Betrieben geknüpft wurden. Diese Art der Werbung zahlt sich also für unsere Wirtschaft aus. Wir hoffen daher, dass die Stadt Mönchengladbach uns auch künftig mit QSL-Karten versorgt. Ebenso dankbar sind wir auch Fritz Wiebel, der uns im Jahre 1978 20000 QSL gestiftet hat. Der Stolz fast jeden OM ist seine Sammlung der eingegangenen QSL-Karten aus der ganzen Welt. Sie ist nicht nur das sichtbare Ergebnis seines Hobbys, sondern mit den QSL verbinden sich vielfältige Erinnerungen, seien es die Arbeitsbedingungen, unter denen die Verbindung zustande kam, sei es die Seltenheit des Landes, sei es der engere Kontakt, ja sogar die persönliche Freundschaft, die aus der Funkverbindung hervorging, sei es die Hilfe in Notsituationen. Darüber hinaus sind die Erlebnisse bei unserer Wellen-Reiterei zahlreich und ein immer wiederkehrender Gesprächsstoff bei den OV-Abenden. Nicht nur Lizenzierte versenden QSL-Karten, sondern auch die SWL, die den Funkverkehr zwischen 2 Stationen abhören und diesen ihre Funkberichte senden in der Hoffnung, für ihre Mühe von den Stationen auch mit einer QSL bedacht zu werden. Schließlich ist noch anzufügen, dass QSL-Karten beweiskräftige Unterlagen sind, die zum Erlangen von Diplomen benötigt werden, und hiervon gibt es mittlerweile recht viele.

Unser OV hat auch Geld und dieses verwaltet der Kassenwart. Wie wichtig Geld ist, mag man daraus ersehen, dass das älteste noch erhaltene Dokument unseres OV ein Kassenbuch ist, eröffnet am 28.3.1950 mit einem Betrag von 22,05 DM vom ersten Kassenwart, OM Dr. Schumann. Im Amt folgten dann nach: Herbert Herrmann, DL6CI Josef Kruth, DJ8JK Günter Schulte, DJ5IH Walter Vitz, DJ4RL Paul Jungbluth, DB2JP Unsere Kassenwarte waren gute Verwalter unseres Vermögens. Das geht aus den Bestätigungen der Kassenprüfer hervor, die alljährlich nach dem Rechten sahen. In finanzieller Hinsicht lebt unser OV bescheiden, obwohl wir viel Geld brauchen könnten. In den fünfziger Jahren betrug der Jahresbeitrag für ein vollzahlendes Mitglied 26,-- DM, inzwischen ist er auf 80,-- DM geklettert. Davon bekommt der OV von der Clubleitung einen Sockelbetrag von 75,-- DM und für jedes vollzahlende Mitglied 7,-- DM. Das ergibt eine jährliche Einnahme von rund 600,-- DM. Zur Aufbesserung der Clubkasse lässt der OVV auf den OV-Abenden manchmal den Spendenhut rumgehen, und da sammeln sich auch noch 50,-- bis 100,-- DM an. Die Verwaltungsausgaben sind gering.

Bei den Feldtagen fallen immer wieder Kosten für Verbrauchsmaterial an. Auch Literatur und Messgeräte wurden beschafft, die allen nutzbar waren, aber wie üblich im Laufe der Jahre den Weg alles Irdischen gingen. Immerhin besitzen wir u.a. eine komplette Station, bestehend aus HW 100 mit Transverter, Antennenmasten, Antennen, Rotor sowie einen Funkfernschreib-Konverter. Impulse für gemeinsame Veranstaltungen innerhalb des OV gehen meistens vom OVV aus, und hier denke ich aus besonderem Grunde an unseren Dauer-OVV Walter Vitz (DJ4RL). Am 1.1.1956 trat er dem OV bei und entdeckte bald seine Liebe zur Funkerei. Bereits im Mai 1957 wurde er erstmalig zum OVV gewählt und hielt dieses Amt mit Unterbrechungen bis heute. Als der OVV noch durch Handzeichen gewählt wurde und wieder einmal OM Walter Vitz zur Wahl stand, flogen die Arme aller Wähler spontan nach oben. Zum Unglück stand der Kellner mit vollem Tablett in diesem Moment schräg hinter OM Dr. Pomp. Es ergossen sich 12 Glas Bitburger Pils über ihn und die neben ihm Sitzenden. Dies ist wohl der Grund dafür, dass seitdem laut Clubsatzung der OVV geheim mittels Stimmzettel gewählt wird! Mit seiner Frische, seinem Einfallsreichtum und seinem Optimismus ist Walter immer der Motor unseres OV gewesen, und wenn er das Amt mal nicht ausübte, dann legte er sich nicht etwa auf die faule Haut, sondern als begeisterter Funkamateur war er "höheren Orts" tätig, nämlich von 1974 bis 1978 als stellvertretender Distriktsvorsitzender und von 1978 bis 1984 als Fuchsjagdreferent im Distrikt. Auch Anny, seine XYL, zeigte Verständnis für unser Hobby und packte bei gemeinsamen Veranstaltungen mit an. Vielleicht hat sich Anny oftmals im Stillen gefragt, ob denn Walter nun mit ihr oder seinem Hobby ver heiratet ist. Walters Verdienste um den Amateurfunk wurden mit der Verleihung der goldenen Ehrennadel des DARC im Jahre 1966 und mit der Distrikt-Ehrennadel im Jahre 1984 gewürdigt. Wir können uns nur wünschen, dass Walter noch lange zum Wohle unseres OVs tätig bleibt.

Newcomer, die eine Sendelizenz anstreben, müssen sich je nach Bildungsstand und einschlägigen Vorkenntnissen für die Lizenzprüfung, die bei der Oberpostdirektion abzulegen ist, fit machen. Verlangt werden betriebliche Kenntnisse, die Kenntnis von Vorschriften und technische Kenntnisse auf dem Ge biet der Elektrotechnik und der Hochfrequenztechnik. Das Pensum ist groß, und vor allem das Gebiet der Hochfrequenztechnik ist schwierig. Man muss sich daher schon tüchtig auf den Hosenboden setzen und lernen, bevor man sich zur Prüfung traut. Wer auf den Kurzwellenbändern arbeiten möchte, muss außerdem eine Morseprüfung ablegen. Ohne Morseprüfung gibt es Sendelizenzen nur für den UKW- und Gigahertz Bereich. Alle unsere OVV haben es als ihre vordringliche Aufgabe angesehen, Newcomer zur Vorbereitung auf die Lizenzprüfung Hilfestellung zu leisten. Doch ein Patentrezept hierfür über Jahre hinaus gibt es nicht, weil sich die Ausgangssituationen immer wieder ändern. Als wir im Jahre 1956 zum OV stießen, fanden wir viel Unterstützung bei Alfred Apel (DJ 2 AV), wir bastelten und studierten viel und ergänzten so das theoretische Wissen mit praktischen Erkenntnissen. Allerdings nahmen wir Alfred nur in Anspruch, wenn sich die "Hochfrequenz beim besten Willen nicht gerade biegen ließ". Mit viel Geduld half er uns immer wieder aus der Patsche. Als wir dann unsere Lizenz hatten, gaben wir unser Wissen an die nächsten Anwärter weiter.

Anfang 1959 verschaffte uns OM Karl Giskes (DJ1TN) vom VFDB die Möglichkeit, zentrale Schulungen in einem Raum der Hauptpost in der Stephanstraße abzuhalten. Doch aus betrieblichen Gründen mussten wir dort wieder raus. Dann erreichte es Walter (DJ4RL), dass wir ab Mai 1962 für die Schulung der Jugendlichen das Pestalozziheim in Rheydt benutzen durften. Karl-Dieter Haugk, DL8LS beim Antennenbau am Jugendheim Pestalozzistraße Wir bekamen ein eigenes verschließbares Zimmer, so dass wir unsere Sachen dort lassen konnten. Auf Walters Bitte spendierte die Stadt Rheydt Anfang 1965 auch noch eine Station bestehend aus SB 300/400, 2-m-Nuvistor-Konverter, Antennen und allem Drum und Dran, was zu einer gut ausgerüsteten Station gehört. Lob und Dank der Stadt Rheydt! Hilfswillige unseres OV installierten Geräte, Antennen und Kabel. Nun konnten wir unter den strengen Augen des Heimleiters, des Herrn Köller, nach Herzenslust basteln, ausbilden und sogar funken, denn Walter hatte 1959 das Clubrufzeichen "DL0RY" besorgt. Das frühere Call "DL0MG" war zuvor an den VFDB vergeben worden. Nach einigen Jahren trat der Zustand ein, dass wir keinen Nachschub an jugendlichen Newcomern hatten und daher das Pestalozzi-Heim nicht mehr in Anspruch nehmen konnten. Die Station verwaiste und wurde schließlich abgebaut. Später nahmen sich verschiedene OM der Newcomer an. Im Jahre 1970 bestanden 5 OM die Lizenzprüfung nach Teilnahme an einem zentralen Lehrgang in Brüggen.

Erinnerungen zum Beitrag von Johannes Bock, DK4RK

Ausbildung in den 70er und 80er Jahren

Lehrgang in Brüggen: v. l. DJ1MC, DJ4RL, DL1NN, DK4TJ
Stationszelt mit Anny
Start zur Fuchsjagd am Stadtwald Rheydt im Jahre 1980

Ab 1971 fand die Ausbildung je nach Bedarf einzeln oder in Gruppen statt. 1980 stellte sich Achim Breuer (DL3EBB) für die Schulung zur Verfügung. Er führte 2 Lehrgänge bis zur Lizenzreife durch. Nun hat unser stellvertretender OVV, Uwe Roepke (DL3EAK), die Jugendausbildung übernommen. Er ist Lehrkraft am Stiftisch-Humanistischen Gymnasium am Abteiberg. Auf seine Initiative hat er dort Räume erhalten, in denen seit Herbst 1984 die unter seiner Verantwortung arbeitende Station "DFOSHG" untergebracht ist. Sie wurde von der Stadt Mönchengladbach gestiftet und besteht aus einem TS 82o für die Kurzwellenbänder und einer UKW-Station mit allem Zubehör einschl. Antennen.

Uwe leitet dort die Schulung, an der z. Zt. freiwillig 15 Schüler zweimal in der Woche teilnehmen. Im Frühling wollen sie in die Lizenzprüfung steigen. Diese Gemeinschaft soll durch spätere Zusammenkünfte erhalten bleiben. Zu allem Glück stiftet die Stadt auch noch speziell gestaltete QSL-Karten. Besonders beliebt sind in unserem OV die Feldtage, an denen die Funkamateure weltweit aufgerufen sind, übers Wochenende ins Grüne zu ziehen und unabhängig vom öffentlichen Stromnetz möglichst viele Verbindungen mit Funkamateuren auf der ganzen Welt herzustellen. Der erste Nachkriegsfeldtag fand 1953 im Raume Odenkirchen statt, der nächste 1958 am Schloss Liedberg. Ab 1962 nahm dann unser OV mit einer gewissen Regelmäßigkeit an den folgenden Feldtagen teil. Bis etwa 1966 blieben wir im Hardter Wald, weil wir dort durch Vermittlung unserer britischen Freunde, OM Roy (DL2ZN) und Wilf (DL2GZ), an hohen massiven Antennenmasten, die nicht benutzt wurden, unsere Antennen aufhängen durften.

Später bevorzugten wir folgende Standorte: Umgebung von Schloss Rheydt, Süchtelner Höhen, Müllberg in Mönchengladbach, Großheide, Müllberg in Rheydt, Jüchen, Ortsteil Genhülsen, Belmen, Nöthen bei Bad Münstereifel. Für die Unterbringung der Station benutzten wir zunächst eigene bzw. geliehene Zelte, ab 1962 hausten wir im eigenen, geräumigen Zelt, das Walter für den OV gebraucht gekauft und 1974 an den OV Grevenbroich wieder verkauft hatte, denn dann wurde es in einem geliehenen VW-Kombi komfortabler. Die Geräte wurden in den ersten Jahren von den OM zur Verfügung gestellt, später hatten wir dann unsere clubeigene Station. Antennen und Leitungen installierten die OM gemeinschaftlich und oft in halsbrecherischer Arbeit.

Da die Station netzunabhängig arbeiten musste, waren wir auf einen Generator angewiesen. Wir besaßen schon seit 1963 einen Sachs-Motor, der mit einem Generator gekoppelt werden sollte, aber das hat nie geklappt. Wir hatten dennoch Glück: Zuerst pumpten uns ein Aggregat die Post, dann die britischen Streitkräfte aus dem HQ und später das Technische Hilfswerk. Den Spendern, auch der Stadt für die Benutzungsgenehmigungen, sei gedankt für ihre Unterstützung und mit der Versicherung, dass sie uns viele frohe Stunden möglich gemacht haben. Alle, die da kamen zum Zusehen, zum Anpacken oder sogar zum Dienst an der Station hatten ihre Freude und zahlreiche Fotos erinnern daran. Die harte Arbeit beim Einrichten der Station, insbesondere der Antennenbau machten hungrig und durstig. Dafür standen derbe Kost, über dem Lagerfeuer gekocht, und reichlich Getränke zur Verfügung, die nicht nur kühl waren, "sondern es auch in sich hatten". Besonderer Dank gilt den Teams, die in harter Arbeit rund um die Uhr die Taste bzw. das Mike bedienten und das Call "DLORY" in den Äther bliesen.

Der Erfolg blieb ihnen nicht versagt, denn unter den deutschen Stationen landeten wir 1962 auf dem 2. Platz, 1963 auf dem 1. Platz und 1966 auf dem 3. Platz. Urkunden beweisen diese beachtlichen, aber auch viele weitere Erfolge. Beliebt sind seit Alters her die Fuchsjagd-Veranstaltungen, bei denen es darum geht, den Fuchs - einen versteckt arbeitenden Sender - aus größerer Entfernung durch Anpeilen aufzuspüren. Da sich an diesem sportlichen Spiel nicht nur Lizenzierte beteiligten können, ist das Interesse groß, und mitunter machen ganze Familien mit. Wenn aber ein Teilnehmer eine gute Platzierung anstrebt, sollte er sportliche Kondition mitbringen, mit dem eigenen RX gut vertraut sein und Peilerfahrung besitzen.

Unser langjährig benutztes Stationszelt mit Anny, der XYL von Walter, DJ4RL Unser OV hat früher ab und zu auch schon Fuchsjagden auf die Beine gestellt, und hieraus ist seit 1980 als regelmäßige jährliche Veranstaltung die Vitus-Fuchsjagd hervorgegangen, die der OV in der Regel am letzten September-Sonntag abhält. Die Beteiligung zeigt, dass sie gut angekommen ist und jeder seinen Spaß hat, auch wenn die neben den Urkunden verliehenen Preise bescheiden sind. Start zur Fuchsjagd am Stadtwald Rheydt Im Jahre 1980 Beim Kapitel Fuchsjagd darf unser Spezialist nicht unerwähnt bleiben: Martin Kurz, DK9JP. Seit 1972 fuhr er mal mit diesem, mal mit jenem OM zu Fuchsjagden mit, fand Gefallen an diesen sportlichen Veranstaltungen und beteiligte sich ab 1975 selbst daran, zunächst im näheren Umkreis, dann im westdeutschen Raum und schließlich in der ganzen Bundesrepublik und im Ausland.

Natürlich nimmt er ab 1978 regelmäßig an der "Deutschen Fuchsjagdmeisterschaft" teil. Da Fuchsjagden in der Regel an den Sonntagen in der warmen Jahreszeit ausgetragen werden, opfert Martin so etwa 20 dieser Tage seinem Hobby. Früher begleiteten ihn seine beiden Söhne (davon der ältere als DD1EK selbst schon lizenziert), jetzt nur noch der jüngere Sohn. Anfangs benutzte Martin als Peilempfänger fürs 80-m-Band das "Münchner Kindl" und fürs UKW-Band einen umgebauten Mini-Lausen, später wurden sie durch leistungsfähigere Geräte ersetzt.

Im Jahre 1984 nahm er an der jugoslawischen Peilmeisterschaft in Rostojna teil und vertrat unser Land bei der Fuchsjagdweltmeisterschaft in Oslo. Martin hat sich aus Freude an der Sache zum hervorragenden Spezialisten entwickelt. Daher war er auch von 1982 bis 1984 in unserem OV Fuchsjagdreferent; ab 1984 versieht er dieses Amt im Distrikt. Seine Begeisterung hat sichtbare Früchte getragen: Martin besitzt einen ganzen Aktenordner voll bunter, einfacher, kunstvoller, allgemeiner und spezieller Fuchsjagd-Diplome und -Siegerurkunden. Ich wünsche Martin weiterhin viel Erfolg.

Im Wandel der Zeit

Walter, DJ4RLan seiner ersten Station
in der Kurfürstenstraße

Im Laufe der Zeit traten Wandlungen technischer Art auf, die auch unser Hobby erfassten. In den ersten Jahren nach dem Kriege wurden zwar auch schon kommerzielle Kurzwellengeräte angeboten, aber sie kamen aus dem Ausland und waren für den Normalverbraucher unerschwinglich teuer.

Allenfalls der aus Italien importierte Geloso war preiswert. Begehrt waren auch ausrangierte Wehrmachtsgeräte aus dem Krieg. In aller Regel wurden RX und TX selbst gebaut. Neben dem Spaß am Basteln und Tüfteln und den hierbei gewonnenen Erfahrungen konnten so die theoretischen Kenntnisse erweitert werden, und dieses war auch sehr nötig, denn damals wurde bei der Lizenzprüfung tief in Detailfragen gebohrt. Um billig an Radioteile zu kommen, waren alte Radios sehr begehrt. Sie wurden bis auf das letzte Stück Draht ausgeschlachtet, und jeder OM legte sich einen gewissen Vorrat an Bastelmaterial zu.

Gekauft wurden nur Spezialteile wie PA-Röhre, Sender-Dreko mit großem Plattenabstand usw. Je nach Vorbildung, Neigung und Geldbeutel wurden zunächst ein 0V1 oder 0V2 gebaut, oder vielleicht sogar ein Superhet in Angriff genommen. Bauanleitungen gab es im DL-QTC reichlich, und es kam darauf an, möglichst bald und wenigstens ins 80-m-Band reinzuhören, CW zu lernen und mit den Empfangsbedingungen vertraut zu werden. Die Empfänger hatten damals eine enorme Bandbreite, QRM und Störungen aller Art waren schrecklich, der Empfang also nicht erfreulich.

Hiergegen wurden als probate Mittel Q-Multiplier, NF-Filter, Störaustaster, Lochfilter u.a.m. empfohlen. Alles probierten wir aus, aber die erhoffte Wunderwirkung blieb aus. Der TX wurde zeitlich so in Angriff genommen, dass er bei der Lizenzprüfung startbereit war. Er bestand in der Regel aus UFO, Treiber und PA. Endröhren wurden damals mit Spannungen von 100o bis 200o Volt bei geringem Anodenstrom betrieben. Das Netzteil für den TX war daher schon ein rechter Klotz. Wer sich nicht nur auf dem 80-m-Band tummeln wollte, baute Frequenzverdoppler -stufen für die übrigen Bänder ein und wer auch in Fonie arbeiten wollte, modulierte das Schirmgitter oder wirkungsvoller in der Anodenleitung der PA.

Die Homemade-Stationen waren nicht gerade ein Provisorium, aber es gab OM, die den Lötkolben während des Funkbetriebes für eventuelle Pannen immer ein satzbereit hielten. Als Anfang der 60er Jahre das 2-m-Band freigegeben wurde, ging die Bastelei in einem neuen Gebiet weiter, denn mit so hohen Frequenzen und ihrem seltsamen Verhalten mussten wir uns erst wieder vertraut machen. In dieser Zeit fanden mehr und mehr Quarze in Oszillatoren und Bandfiltern Verwendung. Die Bandbreiten im RX wurden dadurch schmaler, und so ergab sich die Notwendig keit, den UFO frequenzstabil zu halten. Das DL-QTC gab wieder gute Rat schläge zu diesem Problem und wir quälten uns mit mehr oder weniger Erfolg mit dem hermetischen Abschluss des VFO und mit dem Temperaturkoeffizienten von Kondensatoren ab.

In diesem Stadium traten entscheidende Änderungen im Bereich der Kurzwellen bänder ein: Die Amplitudenmodulation wurde durch Einseitenbandmodulation ersetzt und die Röhre von dem winzigen Transistor abgelöst. Die komplizierte Frequenzaufbereitung in SSB, die Neukonzeption von Empfängern und die bei Einsatz von Transistoren erreichbare Verschmelzung von Sender und Empfänger zu einem kompakten Gerät, dem Transceiver, konnte nur noch in kommerzieller Ausführung erreicht werden, so dass der Eigenbau aus Gründen der Rentabilität nicht mehr lohnt. Frequenzstabilität ist heute eine Selbstverständlichkeit, die Empfänger sind empfindlicher, rauscharmer, selektiver und in der Band breite schmal(bandig) geworden. Gegenüber früher ist der Empfang heute ein Vergnügen, aber das alles müssen wir durch Kauf neuer oder gebrauchter Ge räte verhältnismäßig teuer bezahlen.

Trotzdem wird der Lötkolben nicht kalt. An Geräten fürs 2-m-Band und 70-cm Band wird immer noch gebastelt und experimentiert. Außerdem gibt es heute mehr denn je Bedarf an Hilfs- und Zusatzgeräten, die in Eigenbau hergestellt werden können. Während sich der Fortschritt der Technik bei unseren Geräten zum Vorteil aus wirkte, nimmt ein anderes Problem negativen Trend: Es sind die rechtlichen Probleme, die wir mit unseren Antennen haben. Früher wurde meistens die "Lang drahtantenne", die sich kaum von der alten Radioempfangsantenne unterschied, benutzt. Durch die hochohmige Einspeisung war das damit verbundene Vaga bundieren der HF sicher groß, aber zu stören gab es damals nichts. Das änderte sich mit der Einführung des UKW-Hörempfangs und des Fernsehens. Also wurden die Sender oberwellensicherer gemacht und die Energie mittels Pi-Filter nieder ohmig über Koaxkabel in die Antenne eingespeist, damit die HF nur keine krummen Wege gehen konnte.

Wenn aber Fernseher dennoch gestört wurden, liegt das meistens in der nicht genügenden Störsicherheit der TV-Geräte. Um Ärger aus dem Wege zu gehen, verbieten Hausbesitzer die Errichtung einer Amateurantenne. Es wird also für den Funkamateur immer schwieriger, an die für sein Hobby unerlässliche Antenne zu kommen, zumal eine Quad oder ein Beam recht wuchtige Gebilde sind und diese beim Hauswirt schon wegen des Aussehens auf Abneigung stoßen. Billigung finden eher noch Antennen fürs 2-m-Band und 70 cm-Band, weil sie sich nicht sehr von den üblichen Fernsehantennen unterscheiden.

Deshalb muss sich mancher OM resigniert mit einer Behelfsantenne auf dem Balkon bescheiden. Im Zuge des Kabelfernsehens haben bereits einige Gemeinden in ihre Bebauungspläne generelle Antennenverbote aufgenommen. Wir sind daher unserer Stadt sehr dankbar, dass sie an solche Verbote nicht denkt. Dennoch belastet uns diese Angelegenheit. Aber Funkamateure sind erfinderisch und werden sicher einen Ausweg finden.

Das waren noch Zeiten!! von Dr. Leopold Pomp, DL3DD

Die Unglücksraben

Am 7. September 1952 veranstaltete der Distrikt Rhein-Ruhr ein Treffen im Ausflugslokal Oermter Berg, unweit Schaephuysen. Am Morgen jenes Sonntags wollten sich auch unsere Amateure auf den Weg dorthin machen, man traf sich in einer ehemaligen Sandgrube an der Bergstraße im Norden Gladbachs, wo OM Rappe, DJ2AU, und OM Apel, DJ2AV, sich in einer halbverfallenen Baracke ihre Wohnung eingerichtet hatten.

Es erschienen der OVV Heinz Kiesau, DL1YK, mit XYL und einer 500 ccm NSU mit Seitenwagen, Baujahr vor 1937, OM Wirtz, DJ1TP, mit XYL und einer 125 ccm Vespa sowie OM Dr. Pomp, DL3DD, mit einer 100 ccm Adler. Die alte NSU hatte bereits auf dem Weg von Rheydt nach Gladbach-Nord mehrfach gestreikt, die Reparatur dauerte bis 11.3o Uhr. Dann starteten zuerst DL3DD (100 ccm) mit DJ2AU als Sozius, dann DJ1TP (125 ccm) mit XYL als Sozius, zuletzt DL1YK (500 ccm) mit DJ2AV als Sozius und XYL im Beiwagen. Schon nach wenigen Kilo metern hatte man sich aus den Augen verloren.

Noch eben rechtzeitig zum Mittagessen traf die Mannschaft DL3DD/DJ2AU bei der Tagung ein, wenig später auch DJ1TP mit XYL, aber erst am späten Nachmittag das NSU-Team, völlig erschöpft, verschwitzt und ölverschmiert. Kaffee und Kuchen schmeckten da besonders gut, aber bereits 2 Stunden später trat man die Heimreise an, um noch vor Einbruch der Dunkelheit die Heimat zu erreichen. Dieses ehrgeizige Ziel wurde aber nicht erreicht. Die Chronisten hoffen, alles Wichtige von unserem OV aus den ersten 50 Jahren berichtet zu haben. Bevor wir die Feder aus der Hand legen, wollen wir dieser Chronik den Wunsch anfügen, dass unser OV in der Zukunft blühen und gedeihen möge, so dass der nächste Berichterstatter nur Gutes zu verkünden hat.

Wahre, halbwahre und ... Begebenheiten, eingebracht von Gunny, DJ5IH

Motto: Wer erinnert sich noch…

wie Walter, DJ4RL in seinen ersten CW-TX (ja, auch so was gab's früher) eine RL12P 35 einbauen wollte, aber das Blechgehäuse zu flach für diese 22cm-Wehrmachtsröhre war, so dass ein rundes Loch in die Gehäuse-Oberseite geschnitten werden musste, aus dem die Endröhre herausragte?

wie Manfred, DJ4RM, den Ehrentitel "Trafoknacker" erwarb? Wochenlang saß er im Keller und rotierte mit und an seiner selbstgebauten Wickelmaschine.

wie Gunny, DJ5IH, von der OPD Düsseldorf einen "Blauen Brief" mit der Androhung des Lizenzentzugs bekam, weil er 1965 im DL-QTC eine Baubeschreibung für eine Linear-PA mit 2 x 811A veröffentlicht hatte?

wie Manfred, DJ9ZM, das "Call" "VK-Zeiske" bekam? Leistung runterregeln, sein cq dx beantworten ...und ...er hatte endlich sein ersehntes VK gearbeitet (?).

wie Franz, DK4EX (silent key), mit Tempo 120 Fieldday-QSOs fuhr und sich gleichzeitig mit den OMs im Zelt noch unterhielt?

wie bei Heinz, DL8US, ein Mast mit Cubical Quad errichtet wurde, wenn auch nur für wenige Sekunden in senkrechter Position (sein Call ward nimmer gehört!)?

wie Hans, DJ4RK, per 7-MHz-QSOs italienisch lernte?

wie Karl-Dieter, DL8LS, anlässlich eines Fieldday einem ausgetrockneten Elektrolyt-Kondensator aus dem Rotor-Steuergerät mit Bier wieder zu neuer Kapazität verhalf?

wie eben dieser OM einem anderen OM wieder anlässlich eines Fieldday mittels Luftgewehr, grünen Holunderbeeren (und Alkohol?) eine noch heute sichtbare Narbe zufügte?

wie die OMs in der alten AM-Zeit, als der OV noch L16 hieß, die OV-Frequenz mit einem geräuschvoll tickenden Wecker "putzten"? wie Manfred, DJ4RM, die OV-Runde mit 20-Minuten-Durchgängen auf 80 Meter begeisterte? (Soll auf 2-mtr-FM noch heutzutage manchen OM verschrecken!)

wie Roy, G3??? von RAF-Club-Station DL2ZN, beim Fieldday 20 QSOs pro Zigarette fuhr?

wie Ulrich, DJ3ZV und Peter, DJ7JR ihre Sender-Gestelle noch auf 25-mm¬Winkeleisen bauten? warum Alfred, DJ2AV (silent key), als "Amateur-Vater" bezeichnet wurde?

Das neue Wappen der Stadt Mönchengladbach

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