Die Antwort liefert das fesselnde Buch der spanischen Journalisten Nacho Montero und Javier Reyero, „Los diez del Titanic“ (Die Zehn der Titanic). Es rekonstruiert minutiös die Biografien von zehn Spaniern, die sich an Bord befanden – neun Passagiere und ein Besatzungsmitglied. Ihre Geschichten sind ebenso bewegend wie kurios.
Tragik, Geheimnisse und eine „gekaufte“ Leiche
Von den zehn spanischen Staatsbürgern überlebten sieben die Katastrophe; drei ließen ihr Leben. Die Gruppe bestand aus wohlhabenden Reisenden der Ersten Klasse, deren Bediensteten sowie einigen Geschäftsleuten. Unter ihnen befand sich Victor Peñasco y Castellana, ein junger Multimillionär und Neffe eines spanischen Premierministers, der mit seiner Frau Maria Josefa auf einer 17-monatigen Hochzeitsreise durch Europa war.
Da Victors Mutter eine panische Angst vor dem Meer hatte, verbot sie dem Paar ausdrücklich, den Ozean zu überqueren. Die Frischvermählten reisten dennoch heimlich von Paris nach Southampton, um die Titanic zu besteigen. Um den Schein zu wahren, ließen sie ihren Butler in Paris zurück. Dieser hatte die Aufgabe, regelmäßig im Voraus geschriebene Postkarten nach Madrid zu schicken, damit die Mutter das Paar weiterhin in Frankreich wähnte.
In der Nacht des Untergangs gelang es Victor, seine Frau und deren Zofe in einem Rettungsboot in Sicherheit zu bringen. Er selbst blieb an Bord und verschwand im Atlantik. Da seine Leiche nie gefunden wurde, stand die Witwe vor massiven juristischen Problemen: Nach damaligem spanischen Recht konnte ohne Leichnam kein Totenschein ausgestellt werden, was die Erbfolge blockierte und die Witwe rechtlich in einem Schwebezustand beließ – sie hätte niemals wieder heiraten können. Es hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass die Familie schließlich in einem Pariser Leichenschauhaus eine Leiche „kaufte“, um Victor offiziell für tot erklären zu lassen.
Schicksale in der Ersten und Zweiten Klasse
Ebenfalls in der Ersten Klasse reiste der wohlhabende asturische Landbesitzer Servando Oviés. Er war bereits mit 15 Jahren nach Kuba ausgewandert und dort zu einem bedeutenden Handelsmagnaten aufgestiegen. Nach einem Aufenthalt in Europa wollte er auf dem Transatlantikdampfer in seine Wahlheimat zurückkehren, erreichte diese jedoch nie. Auch sein Leichnam blieb unauffindbar.
Unter den Überlebenden stach Encarnación Reynaldo hervor. Die Witwe, die in der Zweiten Klasse reiste, wollte ihre Schwester in New York besuchen. In einer Nacht, in der Chaos und Sprachbarrieren über Leben und Tod entschieden, wurden ihre fließenden Englischkenntnisse zum Rettungsanker. Da die Anweisungen der Besatzung ausschließlich auf Englisch erfolgten, verstand sie die Signale rechtzeitig – und rettete damit vermutlich nicht nur sich selbst, sondern auch vier weiteren Spaniern der Zweiten Klasse das Leben.
„Einer der Gründe für die hohe Opferzahl auf der Titanic war, dass außer den Iren und Briten in der Zweiten und Dritten Klasse kaum jemand Englisch sprach“, erklärt Carmen Posadas, Autorin des Buches „Der mysteriöse Fall des Titanic-Betrügers“. Viele Passagiere konnten weder die Hinweisschilder lesen noch die Befehle der Crew verstehen.
Das Funkevent der URE
Um an diese Schicksale zu erinnern, veranstaltet die URE vom 10. April 2026 (0000 UTC), dem Tag des Auslaufens, bis zum 15. April 2026 (2359 UTC), dem Jahrestag des Untergangs, ein Gedenkevent auf den KW- und UKW-Bändern.
Rufzeichen: EG1912T
Betriebsarten: Alle Sendearten sind zugelassen.
Bestätigungen: Jeder Kontakt pro Sendeart und Band wird über das QSL-Büro, per eQSL und via LoTW bestätigt.
Besonderheit: Stationen, die EG1912T in der Betriebsart Morsecode (CW) kontaktieren, erhalten eine spezielle Sonder-QSL-Karte.
Foto: Es zeigt die Titanic bei der Abfahrt aus Southampton am 10. April 1912. Aufnahme von Francis Godolphin Osbourne Stuart (gemeinfrei).

