Eine totale Sonnenfinsternis erlaubt es, der Ionosphäre ein wenig in die Karten zu schauen. Allerdings sollte man sich dafür im oder zumindest nahe des Kernschattens befinden, also der Zone der totalen Verfinsterung, die letzten Mittwoch von Grönland und Island kommend über den Ostatlantik, Nordspanien und die Balearen verlief.
Dort kann man dann beobachten, wie die D-Region rapide ihre dämpfende Wirkung auf die Kurzwelle verliert, weil ohne Sonne die Ionisation unmittelbar aufhört und die noch relativ hohe Gasdichte in etwa 60 km Höhe dazu führt, dass die freien Elektronen binnen weniger Sekunden vollständig rekombinieren. Der E-Region passiert kurz darauf dasselbe, und dann ist die Bahn frei zur F-Region. Hier rekombinieren die Elektronen nur noch sehr langsam zu neutralen Atomen, drei Minuten ohne Sonne bleiben da praktisch ohne Wirkung. Und so kann man dann im Kernschatten mitten am Tag auf 80 und sogar 160 Meter QSOs machen. Aber eben nur diese paar Minuten, denn ebenso schnell, wie D- und E-Region verschwunden waren, tauchen sie auch wieder auf, sobald die Sonne wieder strahlt.
Abgesehen davon ist eine totale Sonnenfinsternis natürlich vor allem optisch ein absolutes Ausnahmeerlebnis. In Deutschland müssen wir darauf bis 2081 warten, aber am 2. August des nächsten Jahres gibt es bereits die nächste in Europa. Und wieder hat Spanien das Glück, dabei zu sein, allerdings nur der äußerste Süden. Diese Finsternis wird eine außergewöhnlich lange Totalitätsphase haben, etwa viereinhalb Minuten in Gibraltar und fast sechseinhalb Minuten im südlichen Ägypten. (Foto: DF5JL)

