In den riesigen, unbewohnten Gebieten Zentralaustraliens gibt es oft keinerlei Mobilfunknetz. Für Farmer auf entlegenen Rinderweiden, Minenarbeiter oder Autofahrer im Outback bietet die Kurzwelle oft die einzige Verbindungsmöglichkeit zur Außenwelt. Während wir in Europa meist auf UKW, Internet oder Mobilfunk setzen, machen die gigantischen Distanzen Australiens den Kurzwellenfunk unverzichtbar. Auch wenn Satellitentechnik (wie „Starlink“) den Alltag auch in Australien verändert, bleibt Kurzwelle die "Low-Tech-Lebensversicherung". Da sie kostenlos zu empfangen ist, keine monatlichen Gebühren kostet und über tausende Kilometer ohne weitere Infrastruktur funktioniert, ist sie für das Überleben im australischen Busch nach wie vor relevant.
Daher gehört es für australische KW-Nutzer zum Alltag, sich über den "T-Index" zu informieren, wie andere den üblichen Wetterbericht nutzen: Liegt der T-Index niedrig, nutzt man für den Verbindungsaufbau eher niedrig gelegenere KW-Bänder; ist er erhöht, wird man die oberen KW-Bänder nutzen. Der Blick auf den aktuellen T-Index gibt einem eine gute Orientierung und erspart einem das verzweifelte Rufen auf den Bändern, die etwa aufgrund miesen Funkwetters geschlossen bleiben.
Was aber ist der T-Index genau?
Der Index beschreibt die Ionisierungsstärke der F2-Region der Ionosphäre. Diese ist entscheidend für die weltweite HF-Kommunikation, da sie Signale über weite Distanzen reflektiert. Der T-Index basiert auf der sogenannten kritischen Frequenz (foF2). Das ist die höchste Frequenz, die bei senkrechtem Auftreffen auf die Ionosphäre noch reflektiert wird. Der Index-Wert wird aus den Daten von Ionosonden an verschiedenen Standorten in der australischen Region berechnet. Er korreliert eng mit der Sonnenfleckenzahl (R), aber er ist präziser für die Funkvorhersage:
Während die Sonnenfleckenzahl nur angibt, was auf der Sonne los ist, gibt der T-Index an, wie die Erdatmosphäre tatsächlich auf diese Strahlung reagiert.
Ein T-Index von 100 entspricht etwa einer moderaten Sonnenaktivität. Werte über 150 deuten auf ein Maximum im Sonnenzyklus hin, während Werte nahe 0 (oder sogar negativ) ein tiefes Minimum oder gestörte Bedingungen anzeigen.
Die Faustregel lautet:
| T-Index Wert | Zustand der Ionosphäre | Auswirkung auf HF-Funk |
| Hoch (> 120) | Starke Ionisierung | Hohe Frequenzen (z.B. 10-m-Band) sind offen; weite Reichweiten möglich. |
| Mittel (ca. 100) | Durchschnittlich | Normale Bedingungen für die jeweilige Jahreszeit. |
| Niedrig (< 50) | Schwache Ionisierung | Nur niedrigere Frequenzen werden reflektiert; die „Reichweite“ der Kurzwelle sinkt. |
Es gibt auch eine per E-Mail zu abonnierende Vorhersage des T-Index für Europa. Die lautet am 18. April 2026 wie folgt:
SUBJ: ASWFC DAILY EUROPEAN HF PROPAGATION REPORT
ISSUED AT 18/0630Z APR 2026
FROM THE AUSTRALIAN SPACE WEATHER FORECASTING CENTRE
EUROPEAN REGION SUMMARY AND FORECAST
MUF SUMMARY/FORECAST INFORMATION IN THIS REPORT IS AUTOMATICALLY
GENERATED FROM REGIONAL IONOSPHERIC DATA
1. SUMMARY FOR 17 04 26
Flares: none.
PCA Event : No event.
Observed T index: 51
Observed European Region MUFS:
Near predicted monthly values.
2. FORECAST FOR 18 04 2026
Forecast T index: 35
Forecast European Region MUFS:
Initially today: Depressed by 15%.
Rest of day: becoming depressed 15 to 20% later in UT day
COMMENT:Degraded HF conditions expected due to geomagnetic activity.
3. 7 DAY AVERAGE T INDEX AND FORECAST MONTHLY T INDEX
Average European T index over last 7 days: 48
ASWFC monthly forcast T index for APR 2026: 83
Predicted T-index: Das ist der erwartete Wert für den Tag.
Observed T-index: Das ist der tatsächlich gemessene Wert der letzten 24 Stunden.
Wenn der beobachtete T-Index deutlich unter dem vorhergesagten Wert liegt, deutet das meist auf einen ionosphärischen Sturm hin (oft ausgelöst durch eine Sonneneruption), der die Kommunikation massiv stören kann. Zusammenfassend ist der T-Index also ein Index für die „Reflektionsgüte“ der Atmosphäre. Je höher der Wert, desto besser klappt es meistens mit dem Funkverkehr auf den höheren Kurzwellenbändern.
Tipp: Unter https://www.sws.bom.gov.au/HF_Systems/6/9 wird eine Karte angezeigt, die die T-Index-Differenz in nahezu Echtzeit anzeigt. Die Differenzen werden berechnet, indem der prognostizierte monatliche T-Index für die globale Ionosphäre vom beobachteten T-Index abgezogen wird. Der beobachtete T-Index wird aus den foF2-Beobachtungen berechnet. Die Karten der letzten 7 Tage können über die Schaltflächen unterhalb des Bildes aufgerufen werden.

