Das Hobby Amateurfunk

Mobile Station in einem Kombi
Meteorscatter auf 144 MHz (Foto: DJ4UF)

Das Hobby Amateurfunk ist sehr vielfältig. Da gibt es auf der einen Seite diejenigen, denen es auf die eigentliche Funkverbindung ankommt und dem Gespräch mit anderen Funkamateuren auf der ganzen Welt.

Eine Funkverbindung kann auf verschiedenste Arten aufgebaut werden:

  • Die ursprünglichste Betriebsart ist das Morsen. Hier wird der Sender rhythmisch ein- und ausgeschaltet, um mit Hilfe der übertragenen Muster einzelne Buchstaben zu übertragen. Die nötige Übung vorausgesetzt, kann man weit über 100 Buchstaben/min ohne alle Hilfsmittel aufnehmen.
  • Telefonie (Sprache) mit verschiedenen Übertragungsverfahren ist die wohl üblichste Kommunikationsart.
  • Diverse Bildübertragungsverfahren von Faximile bis Fernsehen sind üblich.
  • In den letzten Jahrzehnten bekommen digitale Betriebsarten immer mehr Bedeutung. Ständig werden von Funkamateuren neue digitale Übertragungsverfahren erdacht, die dann weltweit von den anderen Funkamateuren ausprobiert werden.
  • Sehr interessant ist auch die Nutzung von Amateurfunksatelliten. Funkamateure haben eigene Satelliten gebaut, die ständig die Erde umkreisen und die man als Relaisfunkstelle nutzen kann.

Neuerdings kann man sich mit mobilen oder tragbaren Funkgeräten mit Umsetzerstationen verbinden, die ihrerseits mit dem Internet verbunden sind und dann irgendwo anders auf der Welt einen anderen Umsetzer ansprechen, um dann eine Funkverbindung in andere Kontinente herzustellen. Dieses Verfahren heißt Echolink. Man benötigt dafür keine große Anlage mehr.

Auf der anderen Seite gibt es die "Techniker" unter den Funkamateuren, die gern ihre Funkanlage selbst bauen und die selbst gebauten Geräte dann ausprobieren wollen. Wegen der sehr komplizierten Technik der Geräte mit integrierten Schaltkreisen und den Minibauteilen werden gelegentlich Bausätze angeboten, die man dann eventuell selbst ergänzt und schließlich zu einem Funkgerät zusammen baut.

Hinsichtlich der Qualität der Funkgeräte gelten für den Amateurfunkdienst die gleichen strengen Grenzwertforderungen wie für alle anderen Funkdienste. Ein Funkamateur muss die Einhaltung dieser Grenzwerte gegenüber den zuständigen Behörden gegebenenfalls nachweisen können. Funkgeräte kann man selber bauen oder auch fertig kaufen. Ein Kurzwellenfunkgerät kostet etwa ab 500 Euro. Dann benötigt man für den Kurzwellenfunkverkehr noch eine Außenantenne. Das ist mindestens ein zehn oder zwanzig Meter langer Draht im Garten oder ein Stab von etwa 5m Länge auf dem Dach. Zur Not geht es auch mit einer Drahtantenne auf dem Dachboden des Hauses. Für den Funkbetrieb auf Ultrakurzwelle (UKW) genügt ein 50 cm langer Stab, eventuell auch im Zimmer. Für größere Reichweiten ist natürlich eine Richtantenne auf dem Hausdach besser; bei sehr hohen Frequenzen ist der Einsatz einer Parabolantenne sinnvoll.

Zur Nutzung im Amateurfunkdienst sind diverse Frequenzbereiche, die Amateurbänder, zwischen 135 kHz und 250 GHz im Langwellen-, Kurz- und Ultrakurzwellen- bis hinauf in den Gigahertzbereich ausgewiesen.

Dabei kommen traditionelle Betriebsarten wie Morsetelegrafie und Sprechfunk genauso zum Einsatz, wie Funkfernschreiben und moderne digitale Übertragungsverfahren wie Packet Radio, APRS so ähnlich JSP ein Navigationssystem  oder PSK31, welche hauptsächlich für die Textübertragung Verwendung finden. Auch Bild- und Videoübertragungen sind mit Betriebsarten wie FAX, SSTV (Slow Scan Television), Übertragung von Bildern ATV (Amateur-TV, Amateurfernsehen), SATV (Schmalband ATV), DATV (Digitales ATV) und DRM (Digital Radio Mondiale) möglich. Viele der modernen Betriebsarten lassen sich mit Hilfe von zum Teil kostenloser, von Funkamateuren entwickelter Software betreiben. Für den praktischen Betrieb verbindet man lediglich das Funkgerät mit der Soundkarte eines handelsüblichen PC.

Neben direkten Verbindungen sind auch Kontakte via Relais, Echolink, Satelliten (z.B. Amateurfunksatelliten, auch OSCAR genannt), EME (Erde Mond Erde–Verbindungen)  oder auch Meteorscatter möglich. Damit kann man auch auf den UKW-Bändern, wo man eigentlich nur Entfernungen bis 300km zurücklegen kann, mit fast der ganzen Welt sprechen.

Die Funkgespräche, QSOs genannt, werden mit den QSL-Karten bestätigt. Besonders begehrt sind QSL-Karten aus Amateurfunk-Ländern in denen es sehr wenige oder keine Funkamateure gibt, aber auch von seltenen oder schwer zu arbeitenden Amateurfunk-Stationen wie der Internationalen Raumstation ISS oder von prominenten Funkamateuren wie Juan Carlos von Spanien. Die Jagd nach weit entfernten Amateurfunk-Stationen wird DXen genannt.

Wege des Amateurfunk

Der Empfang von Aussendungen, die von Funkamateuren getätigt werden, ist in Deutschland jedermann gestattet. Zum Senden und damit zur aktiven Teilnahme am Amateurfunkdienst benötigt man eine Zulassung. Das Amateurfunkzeugnis erwirbt man durch eine Prüfung bei der nationalen Fernmeldeverwaltung, in Deutschland ist dies die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen (Bundesnetzagentur). Nach bestandener Prüfung (für die Klasse A) erhält man die so genannte Harmonisierte Amateurfunk Prüfungsbescheinigung, kurz HAREC (Harmonized Amateur Radio Examination Certificate), mit der man auch in anderen Ländern ein Rufzeichen beantragen kann. Für die Klasse E gibt es als Amateurfunkzeugnis eine lediglich national gültige Prüfungsbescheinigung, da die Anforderungen für diese Amateurfunkzeugnisklasse international noch nicht vereinheitlicht sind.

Mit dem Amateurfunkzeugnis kann man ein Rufzeichen beantragen, die Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst. Diese Zulassung wird im Allgemeinen direkt nach der bestandenen Prüfung erteilt. Das Rufzeichen ist vergleichbar mit dem Autokennzeichen, es ist weltweit einmalig und identifiziert damit die Amateurfunkstation und den Funkamateur. Das Rufzeichen besteht in Deutschland aus einem 2-stelligen Präfix, einer ein- oder zweistelligen Zahl und einem 2- bis 3-stelligen Suffix. Anhand des Präfixes kann die Lizenzklasse ermittelt werden. Es gibt ausserdem eine Art Telefonbuch in der jede konzessionierte Station eingetragen ist. Weltweit. Eine vollständige Liste der Präfixe ist im Artikel Rufzeichen zu finden.

Verschiedenste Vereine bieten Kurse zur Vorbereitung auf die Amateurfunkprüfung an. Die meisten Kurse werden in Deutschland vom DARC organisiert und gefördert, es gibt aber auch Kurse z.B. an Volkshochschulen oder an Universitäten. Bei vielen Kursen besteht die Möglichkeit vor der Amateurfunkprüfung Funkbetrieb zu machen und so das erworbene Wissen direkt in der Praxis zu probieren und zu festigen. In diesem Fall findet der Funkbetrieb unter Aufsicht und Verantwortung eines erfahrenen Funkamateurs statt, der speziell zu diesem Zweck ein Ausbildungsrufzeichen von der Bundesnetzagentur zugeteilt bekommen hat. Dieses Ausbildungsrufzeichen ist nur für Ausbildungsfunkbetrieb und darf auch nur von Nicht-Funkamateuren oder von Funkamateuren einer niedrigeren Lizenzklasse genutzt werden. Das bedeutet, dass selbst der Inhaber des Ausbildungszufzeichens dieses nicht benutzen darf.

Thomas SWL

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