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Morsen macht Spaß. Weil man nun für die Amateurfunkprüfung keine Morsekenntnisse mehr nachweisen muss, wird es zu einer "elitären" Betriebsart. Wer Morsen kann, ist ein "King" im Amateurfunk. Wenn Sie ein Amateurfunkzeugnis der Klasse A haben (also die "große Lizenz") und damals nur Morsen gelernt haben, um die Prüfung für die Kurzwellenlizenz machen zu können, dann aber nie mehr gemorst haben, sollten Sie diese brach liegenden Kenntnisse wieder auffrischen und einmal hundert CW-QSOs durchführen. Sie werden merken, wie viel Spaß es macht. Für Einsteiger gibt es jede Menge Lernsoftware.

Die Kunst der Radiotelegrafie

Ein Handbuch zum Erlernen, Anwenden, Meistern und Genießen des internationalen Morsecodes als Kommunikationsmittel

William G. Pierpont, N0HFF "What Hath God Wrought"
Für alle, die sich für Telegrafie interessieren, die sie erlernen möchten, die sie lieben und die ihre Fähigkeiten darin verbessern wollen.

Einleitung: Die Kunst der Telegrafie ist einzigartig. Die Psychologen, die die Meister dieser Kunst beobachtet und ihre Fähigkeiten studiert haben, waren überrascht. Sie versuchten herauszufinden, wie eine solche Kunstfertigkeit erlangt werden kann. Seine Gedanken einem anderen durch abwechselnde Töne mitzuteilen - ist nicht allein schon diese Vorstellung faszinierend?

Tipps für die Morsemitschrift

Empfehlenswert ist es, am Anfang die Zeichen mit einem weichen Bleistift auf Papier zu schreiben. Schreiben Sie alle Buchstaben in kleiner Schreibschrift. Setzen Sie den Stift von Buchstabe zu Buchstabe nicht ab, erst dann, wenn bei Texten eine etwas längere Pause gemacht wird, um ein Wortende zu markieren. Schreiben Sie langsam und deutlich. Sie haben Zeit! Auch bei Tempo 60 BpM (Buchstaben pro Minute) kann man praktisch noch in „Kinderschrift“ schreiben. Um Verwechslungen zwischen n und u zu vermeiden, hat man früher  in der „Funkverkehrsschrift“ einen Strich über das u gemacht.

Telegrafie macht Spaß

Morsen ist so etwas wie eine „Geheimsprache“. Wenn man etwas Übung hat, kann man Morsen einfach so „im Kopf“ mitlesen. Besucher in meinem Shack, die zuschauen und zuhören, wie ich mich mit anderen Funkern mit Hilfe der Morsezeichen „unterhalten“ kann, sind fasziniert. Sie können nicht verstehen, wie man aus diesem Gepiepse ohne fremde Hilfe und ohne Computer richtige Texte entziffern kann. Auch für sich selbst ist es ein Gefühl der Überlegenheit und des Hochgenusses, wenn man einfach so ohne weitere Hilfsmittel als nur den eigenen Kopf eine digitale Betriebsart durchführen kann.

Die Telegrafie ist der Telefonie auch dann überlegen, wenn keine günstigen Aus-breitungsbedingungen herrschen. Telegra-fiezeichen kann man noch aus dem Rau-schen heraus hören oder mit schmalen Fil-tern heraus filtern und dann noch eine Nachricht übertragen, wenn es in SSB schon lange nicht mehr geht. Ferner benötigt man für die Telegrafie keine Fremd-sprachen- kenntnisse, weil der CW-Funkverkehr mit international festgelegten Abkürzungen erfolgen kann. Ferner ist diese Betriebsart durch die standardmäßigen Floskeln viel höflicher und freundlicher. Man bedankt sich für den Anruf, man bedankt sich für die Verbindung und übermittelt immer die besten Wünsche. Für eine Telegrafieverbindung bekommt man meistens auch eine QSL-Karte, während diese Gepflogenheit in Telefonie so langsam ausstirbt.

Telegrafie ist außerdem die Pflege einer historischen Betriebsart. Es wird bereits die Anerkennung als UNESCO Welterbe angestrebt. Telegrafie ist etwa vergleichbar mit dem Segeln. Man benötigt selbstverständlich die Telegrafie für eine Übertragung nicht, aber man kann sich mit diesen einfachen „Klopfzeichen“ bestens verständigen. Man kann ja auch mit einem Motorboot viel schneller und sicherer über einen See oder das Meer fahren, als mit ei-nem Segelboot, das auf den Wind angewiesen ist. Trotzdem macht Segeln viel mehr Spaß. Lasst uns die Tradition des Morsefunkverkehrs weiter pflegen!

Die Koch-Methode

Der deutsche Psychologe Ludwig Koch entwickelte in den 30er-Jahren ein Morse-Lernsystem, das darauf abzielt, sogenannte „konditionierte Reflexe“ zu bilden. So werden Reflexe genannt, die nicht angeboren sind, sondern antrainiert werden.

Autofahrer haben im Laufe der Zeit gelernt, bei plötzlich eintretender Gefahr ohne nachzudenken automatisch auf das Bremspedal zu treten. Mit normalem Nachdenken und dann Entscheiden, reagiert man häufig zu spät. Um Morsen zu lernen, muss der Hörende einen bestimmten Rhythmus so verinnerlichen, dass er diesen Code ohne nachzudenken direkt als Zeichen auf Papier oder in die Computertastatur schreiben kann.

Die Koch-Methode beginnt mit dem Hören und Schreiben von zwei Buchstaben, normalerweise K und M. Die einzelnen Morsezeichen werden dabei so schnell gegeben  (umgerechnet etwa Tempo 100 Buchstaben pro Minute), dass man keine Chance hat, die „Punkte oder Striche“ zu zählen. Zwischen den einzelnen Zeichen ist dann eine Schreibpause, so dass ein effektives Tempo von vielleicht 60 Buchstaben pro Minute heraus kommt.Sobald man diese beiden Zeichen mit 90-prozentiger Sicherheit beherrscht, wird ein dritter Buchstabe hinzugenommen und so weiter. Tägliches Üben – am besten mehrmals am Tag – ist wichtig. Es genügen durchaus 15 Minuten in einer Sitzung. Dieses Prinzip müssen Sie nun solange durchhalten, bis Sie alle Buchstaben beherrschen, denn es nutzt Ihnen gar nichts, wenn Sie nur die Hälfte der Zeichen beherrschen. Damit können Sie nicht die Hälfte der Morsetexte mitlesen, sondern gar keine. Das ist wie bei einem Schulkind, das erst dann Bücher lesen kann, wenn es alle Buchstaben beherrscht. Wenn Sie einen Moselehrgang beginnen, bleiben Sie mit „eiserner Willenskraft“ so lange dran, bis Sie alle Buchstaben beherrschen. Dies dauert bei jungen Leuten manchmal nur vier Wochen, während ältere Menschen dafür möglicherweise ein halbes Jahr oder länger brauchen. Im Prinzip schafft es jeder, wie auch jeder in der Fahrschule „irgendwann“ Autofahren lernt. 

Morsen lernen

Morsen geben zu lernen, ist nicht schwer. Aber bitte: Lernen Sie zunächst Morsen "nehmen", also das Hören der Morsezeichen und die Niederschrift. Denn Sie müssen lernen, die Zeichen "ohne zu denken" allein durch Hören des Rhythmus aufzunehmen. Wenn Sie erst das Geben lernen, werden Sie die Zeichen "logisch" lernen durch Merken von "lang - kurz - lang" und so weiter und werden dann beim Hören automatisch diese Logik einsetzen. 

Damit kommen Sie aber nicht auf ein genügend hohes Tempo. Sie dürfen beim Aufnehmen von Morsezeichen nicht "denken" (nachdenken). Deshalb lernen Sie bei einem Morselehrgang zunächst Morsezeichen, die einen total verschiedenen Rhythmus haben. Sie sollten also die Zeichen mehr raten als durch logisches Denken aufschreiben. 

Ich habe es einmal erlebt, als einer der Schüler sagte: Heute bin ich aber total müde. Ich weiß nicht, ob ich heute teilnehmen kann. Und er hatte bei den Geschwindigkeitsübungen am Ende der Lektion die wenigsten Fehler. Er hatte wegen seiner Müdigkeit nicht mehr schnell denken können, sondern wirklich nur "blind" (müde) irgendetwas hingeschrieben und dennoch meistens richtig "geraten".

Morsengeben lernen

Das Geben der Morsezeichen lernt man danach sehr schnell, indem man eine Morsetaste (Paddle) an den Sender anschließt und sich mit dem Empfänger abhört und diese empfangenen Töne dem Computer mit einer Dekodiersoftware zuführt und mitliest. Und dann empfehle ich Ihnen, mal 100 CW-QSOs zu führen, bis Sie wieder mal das Mikrofon in die Hand nehmen. Danach können Sie Morsen.

Der Morselehrgang aus dem Klassenzimmer

 

In den 70er-Jahren habe ich eine Amateurfunk-Arbeitsgemeinschaft an der Berufsschule in Aachen geleitet. Dort habe ich unter anderem regelmäßig Amateurfunk-Lehrgänge durchgeführt und weil man für die Prüfung auch Morsekenntnisse nachweisen musste, habe ich natürlich auch den zugehörigen Morselehrgang durchgeführt. Weil es gelegentlich vorkam, dass ein Schüler an einem Übungsabend nicht teilnehmen konnte, habe ich den Morselehrgang auf Tonband aufgenommen, davon Kopien auf Disketten angefertigt und diese dem Schüler zum Nachholen gegeben. Daraus ist dann ein kompletter Morselehrgang entstanden, der später iin das MP3-Format übertragen und als "Morselehrgang aus dem Klassenzimmer verkauft wurde. Nach diesem Lehrgang, den man sich sehr leicht auf sein Smartphone kopieren kann, haben schon sehr viele Leute Morsen gelernt. Sie können sich die einzelnen Morselektionen noch immer kostenlos aus dem Internet herunterladen.

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Lektionen Morsekurs

Letztes Update dieser Seite: 22.09.2013

Lernsoftware

Es gibt eine ganze Menge von Lernsoftware zum Morsen. Vier Programme, die nach der Koch-Methode arbeiten, sollen hier kurz vorgestellt werden.

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G4FON Morsetrainer

Das Morseübungsprogramm von Ray Goff, G4FON, steht unter http://g4fon.net/ als „Koch CW Trainer“ zum Download bereit. Das Programm in Englisch bietet alle üblichen Einstellungen von Geschwindigkeit und Zeichenpausen hat aber eine interessante Zusatzfunktion für das spätere Praxis-Training, nämlich die Einspielung von realistischen Betriebs- bedingungen wie Störgeräusche, Lautstärkeschwankungen, unsaubere Tastung und Signalstärken von S1 bis S9, so dass man gut auf den späteren konkreten Funkbetrieb vorbereitet wird. Aber diese Übungen kann man natürlich auch als Kurzwellenhörer direkt auf den Bändern selber machen.

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HQX Morsetrainer

Die vom Helvetia Telegraphy Club (THC) entwickelte Software für Anfänger und Fortgeschrittene ist mächtig. Neben Hörübungen sind Gebeübungen mit Handtaste oder Paddle möglich. Der Paddle-Anschluss erfolgt via PC-Maus oder COM-Schnittstelle.

Für Anfänger gibt es den interaktiven Koch-Trainer.Buchstaben, Ziffern und Sonderzeichen sind bei den Übungen mit Zufallszeichen frei auswählbar. Ebenso ist eine Vergrößerung des Zeichen- und des Wortabstandes möglich.Nach jeder Hörübung steht eine Fehleranzeige zur Verfügung. Außerdem gibt das Programm eine Tabelle mit fehlerhaften Wörtern bzw. Gruppen in einem Formular aus.

Für Fortgeschrittene können Übungstexte aus der  HTC-Datenbank bezogen werden. Diese lässt sich auch mit eigenen Texten erweitern. Der wählbare Geschwindigkeitsbereich liegt zwischen 40 und 900 BpM, die einstellbare Tonhöhe zwischen 400 und 1200 Hz.

Bezugsquelle: www.htc.ch/

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Learn CW Online (LCWO)

Bei dem Lernprogramm von Fabian Kurz, DJ1YFK, muss kein Programm installiert werden. Nach einer kurzen kostenlosen Registrierung kann der Neuling sofort mit dem Training beginnen. Bei den Übungen lassen sich Geschwindigkeiten und maximale Wortlänge (üblich sind max. fünf Zeichen) einstellen. Lektion 1 führt die Buchstaben K und M ein und mit jeder weiteren Lektion kommt ein Buchstabe hinzu. Die Einstellungen werden automatisch im Benutzerprofil gespeichert. Die Website zeigt in einer Statistik den Lernerfolg. Außerdem erlaubt die Software, einen beliebigen Text in das MP3-Format zu konvertieren.

LCWO kann auch offline verwendet werden. Die Übungsdateien lassen sich im MP3-Format und die Lösungen dazu im Textformat von http://lcwo.net/ herunterladen.

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Die CW-App von IZ2UUF

Heutzutage im „Zeitalter der Smartphones“ wird die Android-App von Davide Achilli, http://www.IZ2UUF.net sehr gern genommen. Sie arbeitet ebenfalls nach der Koch-Methode. Die App lässt sich auch kostenfrei vom Google Play herunterladen.