Großübung „Wattkopftunnel“ bei Karlsruhe (Ettlingen) am 21.07.2018

Busunfall im Tunnel. Der Fahrer eines mit 30 Fahrgästen besetzten Linienbusses verliert die Kontrolle über das Fahrzeug und prallt gegen die Tunnelwand. Viele Fahrgäste werden verletzt und eingeklemmt, andere irren durch den verrauchten Tunnel...

 

Das war das Szenario einer durch das Landratsamt Karlsruhe angelegten Großübung in Ettlingen bei Karlsruhe. Explizit waren die Funkamateure als Unterstützung mit alternativen Funkverbindungen im Übungsplan aufgeführt.

Die Einsatzleitung von DRK und Feuerwehr war oberhalb des Westportal installiert, neben der Leitwarte des Tunnels. Am 2km entfernten Ost-Portal sowie am Ausgang des Fluchtstollens wurden Sammelstellen für die Verletzten angelegt. Die Schnelleinsatzgruppe Einsatzleitwagen (SEG-ELW) des DRK Karlsruhe war als Übungsleitstelle und während der Übung als Kommunikationszentrale vor Ort. Der ELW wurde geführt von DG2UAZ Michael Matern, der auch die Funkamateure in die Übung eingebunden hatte. Die Kommunikation der BOS erfolgte über zwei Gebäudefunk-Kanäle im 2m Bereich sowie über eine 4m Frequenz.

Die Planung aus Amateurfunksicht sah folgendermaßen aus:

Je eine Pactor-Station am West-Portal (ELW) und am Fluchtstollen OST (Verletztenablage), Peer2Peer Betrieb auf 10m mit Magnetfuß-Vertikalantennen auf den Fahrzeugen. Am West-Portal erfolgte der Pactor-Betrieb aus dem ELW heraus. Am Fluchtstollen kam der alte ELW 51/11-1 als Fernmeldebetriebsstelle zum Einsatz. Weiterhin ein Crossbandrepeater auf dem Schlauchturm der Feuerwehr. Darüber hinaus eine 5,8 GHz Richtfunkstrecke vom West-Portal zum Ost-Portal und zum Fluchtstollen.

Crossbandrepeater:
Wouxun KG-UV8D an X50, gute Verbindung zwischen Ost- und West-Portal.

Pactor:
Betrieb im Peer2Peer Modus im 10m Band, 20-50W an Magnetantenne. Verantwortlich: DH2ID Dr. med. Alexander Hahn, DH2ES Stephan Erat, DO2VS Vincent Schüler.

Übertragen wurden verschiedene Listen und Meldungen als Email und Excel-Anhang. Dabei liegt das praktische Limit bei rund 50kB. Beide Station arbeiteten autark über Akku. Vorteil von Pactor ist ein schneller Aufbau und quasi keine Vorlaufzeit.

  • Hier besteht noch Potential die Daten effektiver zu erfassen damit sie zügig in kompakter digitaler Form vorliegen. Listen sollten vor Ort von den Einsatzkräften schon digital eingegeben werden da sonst der Vorteil der schnelleren Übertragung durch wiederholtes Abschreiben hinfällig ist.
  • Auch sollte, wie bereits bei vorangegangenen Stabsübungen festgestellt, die AFUBetriebstelle mit mindestens zwei Personen besetzt werden.

AREDN Mesh:

  • Angebotene Dienste
  • lokale Telefonie zwischen den Behandlungsplätzen und dem ELW
  • Mailserver mittels RMS-Relay und Webmailer.
  • Chat-Funktion
  • WLAN Zugang zu den Services an allen Plätzen
  • Internet via Satellit

Die Linkstrecke umfasste mehrere Abschnitte da die Topologie nur sehr wenig Möglichkeiten bot. In Ettlingen gibt es viele Baumreihen und kleine Wälder mit 30m hohen Bäumen.

Abschnitt 1 erstreckte sich vom West-Portal 5,7km nach NNW Richtung Karlsruhe zur Heinrich-Hertz-Schule (HHS). Hier entstehen im Zuge der Sanierung der beruflichen Schule auch die Räumlichkeiten für DA0NOT und DL0BK. Da die Antennenträger schon montiert sind, konnte auf dem Dach eine Zwischenstelle errichtet werden. Von der HHS ging der Link (Abschnitt 2) 7km südlich zum Schlauchturm der FFW Ettlingen und von dort aus 3,8km nach Osten zum Ost-Portal und zum Ausgang des Fluchtstollens (Abschnitt 3).
Der Restweg von 450m zwischen dem Ausgang des Fluchtstollen und dem Ost-Portal wurde entlang der Straße. Da eine Verbindung durch die Tunnelröhre selber möglich war konnte so der Kreis geschlossen werden.

Eingesetzt wurden Ubiquiti PowerBeam M5-300 ISO, von denen der Distrikt Baden freundlicherweise 6 Stück zusätzlich zur Verfügung gestellt hatte. Alle Geräte laufen mit AREDN Firmware (Amateur Radio Emergency Data Network) die sog. Meshing erlaubt. Damit sind alle Geräte auf der gleichen Frequenz selbstvernetzend, es sind zum Betrieb keine weiteren Einstellungen erforderlich. Lediglich die Strecke zwischen HHS und Feuerwehr wurde auf einer zweiten Frequenz betrieben um die Sender zu entkoppeln. Hier wurden die Router einfach mittels Ethernetkabel zusammengesteckt. Im Bereich des ELW und des Ost-Portal gab es zwei Router die rund 50m entfernt standen und in verschiedene Richtungen gezeigt haben. Hier genügt dank Meshing das Streufeld der Router um eine Verbindung herzustellen. Das funktionierte auch beim Fluchttunnel. Hier musste der PowerBeam mehrere hundert Meter oberhalb der Einsatzstelle positioniert werden um über die Baumreihen zur Feuerwehr zu schauen. Die eingesetzte Nanostation Loco am Straßenrand „sah“ den PowerBeam auf dem Waldweg, wie auch die 450m entfernte Nanostation am Ost-Portal.

Insgesamt wurden für die 5.8 GHz Vernetzung 8 Stück PowerBeam M5-300 ISO und zwei Nanostations M5 eingesetzt. Alle Geräte wurden mit 8Ah bzw. 10Ah LiFePo4 Akkus betrieben. Eine abschließende Betrachtung ergibt die Erkenntnis, das die Zwischenstelle auf der Heinrich-Hertz-Schule mit einem 8Ah Akku tatsächlich 20 Stunden hätte betrieben werden können.

Die Telefonverbindung wurde intensiv genutzt. Handschriftliche Listen, die telefonisch an den ELW gingen, wurden mit dem Smartphone gescannt und per Email im lokalen Richtfunknetz übertragen. Das sorgte für große Begeisterung bei den Führungskräften von DRK, Feuerwehr und Polizei.

Auch hier gibt es noch genug Potential zur Verbesserung:

  • Schulung der Funkamateure in AREDN und dessen Anwendungen
  • Engere Verknüpfung von Pactor und IP-Anbindung.
  • Über RMS-RELAY kann Pactor als Rückfallebene für das Netzwerk dienen.
  • Einsatz von einfacher Hardware zum Scannen und Email-Versand (z.B. vorbereitetes Android-Tablet) über die bereitgestellten Hotspots.
  • Plug&Play Anbindung des ELW und der vorhandenen Email-Funktion
  • Telefone mit eigener Einheit flexibler einsetzbar machen, das Kabel ist immer 5m zu kurz ;o)
  • ggf. Einsatz analoger Telefone mit Wandler statt IP-Telefonen, so fällt das Problem der Stromversorgung weg und es kann die Telefonleitung einfach verlängert werden.

Der Einsatz von Amateurfunk hat die Angehörigen der BOS ein weiteres Mal begeistert (siehe Bericht „Heisser Fächer 23.06.2018“). Es wurde gleich angefragt ob wir eine weitere Großübung an einer Eisenbahn-Schnellbaustrecke betreuen könnten... Es gibt viel zu tun, packen wir es an. Fortsetzung folgt!

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